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Windows Live® Suchergebnisse Nam June PaikEnzyklopädieartikel
Nam June Paik (1932-2006), koreanisch-amerikanischer Künstler. Mit seinen Installationen wurde er in den sechziger Jahren zum Begründer und kreativsten Vertreter der Videokunst. Paik wurde am 20. Juli 1932 als Sohn eines Textil- und Stahlfabrikanten in Seoul geboren. Zu Beginn des Koreakrieges 1950 emigrierte die Famile zunächst nach Hongkong, später nach Tokyo. Hier studierte Paik von 1952 bis 1956 Philosophie sowie Musik- und Kunstgeschichte; in seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit Arnold Schönberg. Anschließend kam Paik nach Deutschland, wo er bei Thrasybulos Georgiades in München (1956-1957) und bei Wolfgang Fortner in Freiburg sein Studium in Musikgeschichte bzw. Komposition fortsetzte. Von 1958 bis 1961 war er in einem Studio für elektronische Musik beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln beschäftigt und arbeitete mit dem deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen zusammen. Als besonders fruchtbar erwies sich Paiks Begegnung mit dem amerikanischen Komponisten John Cage 1958 in Darmstadt; dessen Kompositionstechniken inspirierten ihn zu seiner Aktionsmusik, bei der zufällige Töne und Geräusche mit dem Klang eines klassischen Instruments verbunden wurden. 1961 gehörte Paik in Wiesbaden zu den Begründern der Fluxus-Bewegung, deren Programm sich am Theater und an der Musik von John Cage orientierte. Paik wirkte bei musikalischen Fluxus-Performances mit, die in der Mehrzahl der Étude für Pianoforte (1960) ähnelten, bei der Paik eine Étude von Frédéric Chopin spielte, in Tränen ausbrach und nach einem Sprung ins Publikum John Cage die Krawatte zerschnitt, ihn mit Shampoo übergoss und den Saal mit der Ankündigung verließ, die Aufführung sei beendet. Provozierend wirkte zudem die Zerstörung von Musikinstrumenten als Klangereignis – ein programmatischer Angriff auf die gängige Aufführungspraxis und die Konventionen der klassischen Kunst. Aufsehen erregende musikalische Performances schuf Paik in Zusammenarbeit mit der Cellistin Charlotte Moorman, die in den USA nach der Aufführung von Paiks Stück Opéra Sextronique (1967) wegen Nacktheit auf der Bühne verhaftet wurde. In TV Bra for Living Sculpture (1969) trug Charlotte Moorman einen Büstenhalter, dessen Körbchen aus kleinen Videomonitoren bestanden. Der Durchbruch als eigenständiger Künstler gelang Paik 1963 mit der Aufführung von Exposition of Music/Electronic Television in Wuppertal, die als Geburtsstunde der Videokunst gilt. Dabei handelte es sich um ein multimediales Gesamtkunstwerk bestehend aus 13 Fernsehern, drei Klavieren und anderen Klanginstrumenten; die Bilder auf den Monitoren konnten durch die Zuschauer interaktiv verfremdet werden. 1964 ließ sich der erfindungsreiche Künstler in New York nieder, wo er sich als Wegbereiter der Videokunst etablierte. Paiks Werk reagierte auf die Tatsache, dass Fernsehen in den sechziger Jahren allmählich zu einem festen Bestandteil der modernen Lebenswelt wurde, und konfrontierte den Betrachter kritisch-ironisch mit den Paradoxien dieses Mediums. Dabei erwiesen sich seine Installationen als ebenso technologieverliebt wie technologiekritisch. Sein Schaffen verband neueste Technologie und traditionelles Kulturgut, asiatische und westliche Impulse, Hochkultur und Unterhaltung, Kontemplation und Bilderhektik. Ein wichtiger Mitarbeiter war der japanische Elektronikingenieur Shuya Abe; er entwickelte für Paik 1970 einen „Video-Synthesizer”, der zur Verfremdung von Fernseh- und Videobildern in seinen Installationen eingesetzt werden konnte. Zu den bekanntesten von Paiks Videoarbeiten zählt TV Buddha (1974), bei der eine Buddhastatue vor seinem eigenen Abbild auf dem Monitor meditiert – eine sinnfällige Konstruktion, die den Ereignisanspruch des Mediums parodiert. In Video Fish (1975, Centre Pompidou, Paris), stehen Aquarien mit lebenden Fischen Fernsehmonitoren gegenüber, auf denen Videos mit schwimmenden Fischen zu sehen sind. Weltbekannt wurden Paiks Multi-Monitor-Videoinstallationen, in denen aus zahlreichen neben- und übereinander postierten Fernsehern Skulpturen gebildet wurden. Beispiele für diese Arbeiten sind eine aus 384 Monitoren zusammengesetzte Installation mit Tricolore-Videos im Pariser Centre Pompidou (1982), The More the Better, ein aus 1 003 Fernsehmonitoren geschaffenes Werk, das für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul entstand (heute im National Museum of Art, Seoul) und Chase Video Matrix (1992) im MetroTech Center in New York. Dieses Prinzip wirkte später vorbildlich für andere Videokünstler, wie die Belgierin Marie-Jo Lafontaine. Paiks TV-Garten (1974) und Arche Noah (1989, Hamburg) setzten bereits früh einen Bezugspunkt zur Ökologie. Weitere Themen Paiks, die er in zum Teil sehr ironischen Installationen umsetzte, sind die elektronische Reizüberflutung und die Ersetzung der Realität durch den Bildschirm. Von 1979 bis Mitte der neunziger Jahre war Paik Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Große Retrospektiven seiner Arbeiten wurden 1982 in Chicago, Wien und Berlin, 1991 in Basel, 1994 in Madrid, 1999 in Bremen und 2000 in New York veranstaltet. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Kurt-Schwitters-Preis (1989), die Picasso-Medaille (1992), der Kyoto-Preis (1998) und der Wilhelm-Lehmbruck-Preis (2000). Nach einem 1996 erlittenen Schlaganfall war er an den Rollstuhl gefesselt; er führte jedoch seine künstlerische Arbeit mithilfe von Assistenten fort. Nam June Paik starb am 29. Januar 2006 in Miami (Florida).
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