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Ba Jin

Enzyklopädieartikel

Ba Jin, eigentlich Li Fei-gan, auch Li Yao-tang, (1904-2005), chinesischer Schriftsteller. Mit seinen realistisch-kritischen Romanen gehört er zu den wichtigsten Repräsentanten der chinesischen Literatur im 20. Jahrhundert.

Ba Jin wurde am 25. November 1904 als Sohn eines Großgrundbesitzers in Chengdu (Provinz Sichuan) geboren. Er erhielt eine umfassende Ausbildung und studierte die klassischen Lehrinhalte des Konfuzianismus sowie moderne Sprachen. Bereits früh entwickelte Ba Jin politisch linksgerichtete Ansichten und wählte schließlich sein Pseudonym nach den Namen der russischen Anarchisten Michail Bakunin und Pjotr Kropotkin. Nach seinen Studien in Shanghai und Nanjing (1923-1926) ging Ba Jin für zwei Jahre nach Frankreich und studierte Französische Sprache und Französische Literatur in Paris. Daneben arbeitete er als Übersetzer, und es setzte seine literarische Produktiviät ein; zu seinen Vorbildern zählte u. a. der französische Naturalist Émile Zola.

Nach der Veröffentlichung seines gefeierten Romanerstlings Miewang (1929), der vom Leben junger Revolutionäre im Shanghai der zwanziger Jahre erzählt, kehrte er nach China zurück. In den dreißiger Jahren verfasste Ba Jin weitere Romane, die den Umbruch der chinesischen, konfuzianisch geprägten Gesellschaft beschreiben. In dieser Schaffensperiode entstand auch Ba Jins eindrucksvollstes Werk Chia (1931; Die Familie), ein Generationenroman über die rebellische Jugend, gleichzeitig der erste Teil der autobiographischen Trilogie Jiliu, die mit Chun (1937) und Chiu (1940) fortgesetzt wurde. 1934/35 lebte Ba Jin einige Monate lang in Japan, um dem Druck der Kuomintang zu entkommen. Es folgten die Romantrilogie Huo (1938-1943) sowie die Romane Qu Yuan (1944) und Han Ye (1945; Kalte Nächte).

Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 wandte sich Ba Jin gezwungenermaßen vom Anarchismus ab und beteiligte sich an der Leitung mehrerer bedeutender Kulturorganisationen. In den Jahren 1954 und 1959 war er als Abgeordneter der Provinz Sichuan im Nationalen Volkskongress vertreten. Wegen seiner nonkonformistischen Grundhaltung während der Kulturrevolution mit Schreibverbot und anderen Repressionen belegt und als Konterrevolutionär angeprangert, zog sich Ba Jin bis 1977 aus dem öffentlichen Leben zurück. Danach bekleidete er zahlreiche Kulturämter, u. a. war er ab 1980 Vorsitzender des chinesischen PEN-Zentrums, ab 1981 Vorsitzender des chinesischen Schriftstellerverbandes. Obwohl er nach dem Ende der Kulturrevolution 1977 rehabilitiert worden war, reduzierte er in der Folge seine schriftstellerische Tätigkeit. 1979 und 1984 veröffentlichte er noch je einen Essayband. Seit Anfang der neunziger Jahre litt er an der Parkinson-Krankheit. Ba Jin starb am 17. Oktober 2005 in Shanghai.

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