![]() Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Reconquista", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Reconquista |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse ReconquistaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Hintergründe; Die Anfänge der Reconquista in Kantabrien; Die Anfänge der Reconquista in den Pyrenäen; Erfolge und Rückschläge; Die Hauptphase der Reconquista; Der Abschluss der Reconquista: Die Eroberung von Granada
Reconquista, (spanisch, „Rückeroberung”), Bezeichnung für die Kriege christlicher Heere im mittelalterlichen Spanien und Portugal zur Rückeroberung der seit 711 von muslimischen Mauren besetzten Iberischen Halbinsel.
Die Reconquista wird traditionell als ein einziger, langer Kreuzzug der Christen gegen die „Ungläubigen” dargestellt, es wird also die religiöse Dimension der Reconquista in den Mittelpunkt gestellt. Dieser Aspekt wurde allerdings während der Reconquista selbst bis ins ausgehende 11. Jahrhundert, als der christliche Westen zu seinen Kreuzzügen ins Heilige Land aufbrach, in Spanien praktisch nicht wahrgenommen. Ein zweites Charakteristikum der Reconquista war das Bestreben der christlichen Herrscher auf der Iberischen Halbinsel, das untergegangene westgotische Reich wieder herzustellen; die christlichen Herrscher sahen sich als dessen legitime Erben, reklamierten einen Rechtsanspruch auf die muslimischen Gebiete und untermauerten diesen Anspuch u. a. dadurch, dass sie al-Andalus (das muslimische Südspanien) unter sich aufteilten, noch bevor sie es erobert hatten. Verträge zwischen Kastilien und Aragonien aus dem 12. und 13. Jahrhundert belegen diese Teilungsabsichten. Beweggründe und Verlauf der Reconquista waren außerordentlich vielfältig und unterlagen demographischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Einflüssen. In jedem Fall aber bedeutete die Reconquista und die damit einhergehende Wiederbesiedelung der eroberten Gebiete durch Christen eine ständige Bewegung großer Menschenmengen, und zwar in erster Linie in Nord-Süd-Richtung. In wirtschaftlicher Hinsicht brachte die Inbesitznahme der ehemals muslimischen, in der Regel deutlich weiter entwickelten Gebiete den Christen erhebliche Vorteile: Die wirtschaftliche Produktivität wurde gesteigert und diversifiziert. Reconquista und Wiederbesiedelung spielten daher bei der Entwicklung der christlichen Gesellschaft im mittelalterlichen Spanien eine große Rolle.
Die muslimische Invasion in Spanien begann im Jahr 711. Bereits einige Jahre später hatten die Muslime die gesamte Iberische Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht – sie waren auf ihrem Eroberungszug kaum auf Widerstand gestoßen. Denn ein Großteil des westgotischen Adels akzeptierte die Invasoren, sofern im Gegenzug Privilegien und Besitz des Adels gewahrt wurden. Die Muslime schenkten allerdings nicht allen Regionen der Iberischen Halbinsel dieselbe Aufmerksamkeit; al-Andalus, der muslimisch beherrschte Raum, reichte vielmehr im Norden nur bis zum Kastilischen Scheidegebirge und ins Ebrotal. Im Becken des Duero z. B. gab es dagegen lediglich einige verstreute muslimische Stützpunkte, die allem Anschein nach schon um die Mitte des 8. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurden. Im übrigen Spanien, also in den Gebirgsregionen im Norden, vom Kantabrischen Gebirge bis hin zu den Pyrenäen, dominierten weiterhin die präromanischen Völker, darunter die Asturier, die Kantabrier und die Basken, zusammengefasst als hispani (Hispanier). Der Ausgangspunkt der Reconquista lag im Gebiet von Asturien und Kantabrien. Die hier ansässigen Völker leisteten den Mauren Widerstand, wie zuvor schon den Römern und den Goten. Im Norwesten übten die Mauren auf jeden Fall weniger Druck aus als beispielsweise im Nordosten, in der Gegend um die Pyrenäen: Hier beherrschten sie das Ebrotal und hatten in großem Umfang Truppen stationiert, um mögliche Angriffe aus Frankreich abzuwehren. Dies erklärt, warum die Reconquista im Westen der Iberischen Halbinsel schneller voranschritt als im Osten: So siedelten sich Christen bereits um 900 wieder im Duerobecken an, während sie im Ebrotal erst zwei Jahrhunderte später, um 1100, Fuß fassen konnten. 722 besiegten die Asturier unter dem westgotischen Adligen Pelayo in der Schlacht von Covadonga ein maurisches Heer, das über die Picos de Europa vorgestoßen war. Ihr Sieg brachte den Asturiern in militärischer Hinsicht kaum Vorteile; aber die später im Umkreis des asturischen Hofes entstandenen christlichen Chroniken bezeichneten ihn als „Rettung Spaniens”. Gestärkt durch diesen Erfolg gegen die Mauren formierte sich nun im Kantabrischen Gebirge ein erstes Zentrum des Widerstands gegen die Muslime auf der Iberischen Halbinsel – das Königreich Asturien. Im 9. Jahrhundert dehnte sich das Königreich Asturien bis nach Galicien und zur Ebene des Duero aus – in dem Maße, wie dies die demographische Entwicklung der asturischen Bevölkerung und der Widerstand der Mauren zuließen. Die Inbesitznahme dieser Gebiete ging ohne militärische Eroberung vonstatten, da es sich zumeist um herrschaftsfreies Niemandsland handelte. Unter Ordoño I. erreichte die südliche Grenze des kleinen asturischen Reiches die Linie Tuy–Astorga–León. Tuy und Astorga wurden 854 wieder besiedelt bzw. kolonisiert, León wurde 856 in das Königreich Asturien integriert. Am Ende des 9. Jahrhunderts waren die Christen unter Alfons III. am Duero angelangt, wobei ihr Vorstoß durch innere Konflikte unter den Muslimen in al-Andalus begünstigt wurde. Zunächst siedelten sich die Christen in Oporto an (866), einige Jahre später auch in Zamora (893), Simancas (899) und Toro (900). Im Osten des Königreichs von Asturien-León, d. h. in Kastilien, wurde 884 die Stadt Burgos gegründet. Nur wenig später erreichten auch die kastilischen Grafen das Gebiet des Duero, was im Jahre 912 zur Wiederbesiedelung von Roa, Osma und San Esteban de Gormaz führte.
Parallel zum Königreich Asturien bildeten sich auch in den Pyrenäen verschiedene Herrschaftsbereiche heraus: das Königreich von Pamplona (Navarra) im Westen, die Grafschaft Aragonien im Zentrum und die Hispanische Mark im Osten. Eine wichige Rolle spielte hier das karolingische Frankenreich: Zusammen mit den ansässigen hispani eroberten die Karolinger Gerona (785) und Barcelona (801) und errichteten eine Reihe von Grafschaften, die zusammen die Hispanische Mark bildeten und als Bollwerk gegen ein mögliches Vordringen der Muslime nach Norden, ins Frankenreich, dienen sollten. Während der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts besiedelte der Graf von Barcelona, Guifré el Pilós, die Ebene von Vic und die angrenzenden Gebieten neu, wobei die Flüsse Llobregat und Cardoner die südliche Grenze bildeten. Die Könige von Navarra näherten sich dem Ebrotal und eroberten zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Städte Calahorra und Nájera.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |