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MärtyrerEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das Martyrium wird von den verschiedenen Religionen auf unterschiedliche Art und Weise belohnt. Im Islam ging Husain ins Paradies ein und erlangte außerdem die Vollmacht, anderen zur Aufnahme ins Paradies zu verhelfen. Auch wer im Jihad stirbt, wird ins Paradies aufgenommen. In der christlichen Tradition erlangt ein Märtyrer das Ewige Leben, ohne am Weltende gerichtet zu werden. Darüber hinaus können Märtyrer nach christlichem Verständnis Fürsprecher der Lebenden sein (siehe Heilige). Der Begriff „Martyrium” bezeichnet jedoch nicht nur den Tod für den eigenen Glauben oder die eigenen Prinzipien, sondern auch besondere Anstrengungen oder – etwa im Islam – die Überwindung der Leidenschaften, die der Unterordnung des eigenen Willens unter Allahs Willen entgegenstehen. Das „Martyrium” ist kein rein religiöses Phänomen, es wird auch mit dem Einsatz für soziale und politische Ideale in Verbindung gebracht. Man denke nur an Mohandas Gandhi oder an das Martyrium all derjenigen, die angesichts einer grausamen Unterdrückung mit ihrem Leben für ihre Überzeugung einstehen. Die Bewertung eines Martyriums richtet sich nach dem Standpunkt des Betrachters. So werden Selbstmordattentäter von den Opfern als Terroristen angesehen, während sie von denen, in deren Namen sie ihre Selbstmordaktion unternahmen, als Märtyrer für ihre Sache betrachtet werden. Im Tokyoter Yasukuni-Heiligtum wird aller japanischen Kriegstoten als Märtyrer gedacht, auch der Kamikaze-Flieger, die ihre Flugzeuge auf feindliche Kriegsschiffe abstürzen ließen. In allen Zusammenhängen, seien sie religiös oder nicht-religiös, gibt es im Allgemeinen implizite oder explizite Regeln für das Martyrium. Theologen bestehen häufig darauf, dass das Martyrium nicht gesucht oder ersehnt sein darf, da dies einem Selbstmord gleichkäme. Die strengen islamischen Regeln für die Führung eines Jihad und die zahlreichen Regeln in dieser und anderen Religionen, die ihren Anhängern angesichts von Intoleranz und Unterdrückung die Verheimlichung ihres Glaubens erlauben, erklären sich zum Teil aus dieser Furcht. Es gibt sogar eine Vorbereitung auf das Martyrium. Die frühen Christen in Rom wurden darin ausgebildet, wie sie die Fragen im Verhör beantworten sollten. Diejenigen, von denen man annehmen konnte, dass sie diese schreckliche Erfahrung machen würden, wurden durch Lernen und Gebet in der Tradition des Leidens und des Martyriums unterwiesen. Das Martyrium schweißt die verfolgte Gemeinschaft enger zusammen und lässt sie anwachsen. Dieser Auffassung war auch der Theologe und Bischof Irenäus von Lyon, der das viel zitierte Wort zur Auswirkung des Martyriums auf die frühe Christenheit prägte: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche”. In der Hand skrupelloser Führer kann das Martyrium auch benutzt werden, um Macht und Herrschaft zu erlangen.
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