Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Kunstgeschichte

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Kunstgeschichte

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Giorgio VasariGiorgio Vasari

Kunstgeschichte, allgemein die Entwicklungsgeschichte der Kunst von ihren Anfängen, im Besonderen eine sich seit Ende des 18. Jahrhunderts ausdifferenzierende wissenschaftliche Teildisziplin der Kunstwissenschaft, die sich mit der Erforschung der bildenden Kunst (des Abendlandes) seit der Antike – im Gegensatz zu Archäologie und Ethnologie – befasst. Voraussetzung war die Ausbildung eines historischen Bewusstseins um 1700.

Die Ursprünge der Kunstgeschichte reichen bis in die Antike zurück. Ansätze von systematischen Darstellungen zu Bereichen der bildenden Kunst und Architektur finden sich – neben dem nicht erhaltenen Kanon des Polyklet – beispielsweise in den Reisebeschreibungen des Pausanias, der Naturgeschichte Plinius des Älteren oder den architekturtheoretischen Werken Vitruvs. Die Bemühungen des Mittelalters blieben eher bedeutungslos. In der Renaissance gaben die Schriften Leonardo da Vincis, Pieros della Francesca und Giottos, vor allem aber die Lebensbeschreibungen des Giorgio Vasari (1550, stark erweitert 1568) über Leben und Werk von Architekten, Malern und Bildhauern einen wichtigen Anreiz. Vasari gilt denn auch als Urvater der Kunstwissenschaft. Weitere wichtige Künstlerbiographien wurden in Holland von Carel van Mander (Het Schilder-Boeck, 1604), in Frankreich von André Félibien (1666-1688) und in Spanien von Antonio Palomino (1724) verfasst. In Deutschland erschien 1675 bis 1679 die zweibändige Studie L’Accademia Tedesca ... Oder Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste von Joachim von Sandrart. Den eigentlichen Grundstock zu einer Kunstgeschichte im heutigen Sinn aber legte Johann Joachim Winckelmann mit seiner Geschichte der Kunst des Altertums (1764): Wird hier doch erstmals der systematische Versuch unternommen, die Kunst in einen historischen, religiösen und soziokulturellen Kontext einzubetten sowie ihre Ursprünge und Entwicklungsstränge nachzuzeichnen und Epochen nach Stilrichtungen abzugrenzen. Danach folgten zahlreiche Werke mit kunsthistorischem Anspruch, darunter Johann Georg Herders Abhandlung über Plastik (1778), Goethes Versuch über die Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil (1789) und Johann Adolf Schlegels Die schönen Künste aus einem Grundsatz hergeleitet (1751, in Anlehnung an Charles Batteux’ Traité sur les beaux-arts réduits à un même principe, 1746). Wichtig waren auch die Kunstauffassungen der Romantik und des philosophischen Idealismus (Kant, Schelling, etc.). Vor allem bei Hegel gehen Ästhetik und kunsthistorische Entwicklung – zwei Bereiche, die sich später als Wissenschaftsdisziplinen voneinander emanzipierten – konform.

Der erste Lehrstuhl für Kunstgeschichte wurde 1844 in Berlin für Gustav Friedrich Waagen eingerichtet. Ein weiteres Zentrum zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Wien, wo Robert Eitelberger von Edelberg zwischen 1871 und 1882 die Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance in 18 Bänden herausgab. Des Weiteren war Giovanni Morelli bedeutend, dem es gelang, über charakteristische Details im Werk von Künstlern (etwa bei der Darstellung von Ohren und Fingern) bestimmte Gemälde genau zuzuschreiben. Vor allem aber Jacob Burckhardt schuf mit Die Cultur der Renaissance in Italien (1860) ein Werk, das Kunst im Kontext der Gesamtkultur sowie der politischen bzw. religiösen Voraussetzungen zu deuten suchte und damit der Kunstgeschichte eine entscheidende Richtung wies. Eine reine Formorientierung der Disziplin etablierten Conrad Fiedler mit seiner kunstautonomen Theorie des „reinen Sehens” sowie Heinrich Wölfflin, der Mal- und Stilwandel aus veränderten Wahrnehmungsmustern zu erklären suchte. Später brachten etwa Aby Warburg und Erwin Panofsky – ausgehend von Ernst Cassirer – den Begriff des „Symbols” in die Diskussion und betrachteten Kunst somit wieder als Verweisungssystem in einem umfassenden Gesamtkomplex.

Neben der Ikonographie – und strukturanalytischen Ansätzen (Hans Sedlmayr) – war die von Aby Warburg entwickelte und u. a. von Erwin Panofsky fortgeführte Ikonologie bis Mitte des 20. Jahrhunderts die zentrale Untersuchungsmethode der Kunstgeschichte. Daneben etablierten sich soziologische Ansätze (Arnold Hauser) und psychoanalytisch orientierte Theorien (Ernst Gombrich). Um die kunstgeschichtliche Untersuchung der Moderne bzw. Postmoderne machten sich z. B. Max Imdahl und Werner Hofmann verdient.

Siehe auch Ästhetik; Architekturtheorie

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft