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Ernst Weiß

Enzyklopädieartikel

Ernst Weiß (1882-1940), Schriftsteller. Sein Werk steht in der Nähe des literarischen Expressionismus.

Weiss wurde am 28. August 1882 als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers in Brünn geboren. Nach einem Studium der Medizin in Prag und Wien arbeitete er nach 1908 als Arzt, zunächst (bis 1911) in Berlin, dann, unterbrochen durch eine Anstellung als Schiffsarzt (1912/13) und Kriegsteilnahme als Regimentsarzt (1914-1918), bis 1920 in Wien, Berlin und Prag. Deutlich ist bereits Weiss’ erster Roman Die Galeere (1913) über einen Röntgenologen von seinen Erfahrungen als Mediziner bestimmt (das Thema bestimmt noch das Buch Der Gefängnisarzt oder Die Vaterlosen von 1934). Im Erscheinungsjahr der Galeere lernte Weiss auch Franz Kafka kennen, mit dem er gemeinsam die Druckfahnen zu seinem zweiten Roman Der Kampf (1916; 1919 überarbeitet unter dem Titel Franziska) durchsah. Mensch gegen Mensch (1919) wirft vor dem Hintergrund der Kriegserfahrungen die Frage nach dem Wert menschlichen Lebens in der maschinellen Apparatur medizinischer Versorgung auf. Weiss’ Drama Tanja wurde bei der Prager Uraufführung begeistert aufgenommen.

1934 floh Weiss nach Paris, wo er als Beiträger für die Emigrantenzeitschriften Die Sammlung, Das neue Tage-Buch und Maß und Wert tätig war. Finanziell am Ende, mussten u. a. Stefan Zweig und Thomas Mann ihm helfen. Aus Dankbarkeit widmete er ihnen seine Romane Der arme Verschwender (1936) bzw. Der Verführer (1938). Den Versuch einer Abrechnung mit dem Hitler-Regime markiert Der Augenzeuge, der unter dem Titel Ich, der Augenzeuge allerdings erst posthum erschien. Am 15. Juni 1940, einen Tag nach dem Einmarsch deutscher Truppen, nahm Weiss sich in Paris das Leben.

Weitere Romane des Autors, die zumeist Protagonisten in existentiellen Grenzsituationen beschreiben, sind Nahar (1922), Die Feuerprobe (1923), Männer in der Nacht (1925) und Georg Letham. Arzt und Mörder (1931). Darüber hinaus publizierte Weiss zahlreiche Erzählungen und Essays.

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