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Windows Live® Suchergebnisse AntikommunismusEnzyklopädieartikel
Antikommunismus, Bezeichnung für politisch-ideologische Überzeugungen und Konzepte und gesellschaftliche Kräfte, die durch die Gegnerschaft zum Kommunismus geprägt sind. Historisch entwickelte sich der Antikommunismus als Reaktion der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auf die politische Theorie des Kommunismus und den als Bedrohung empfundenen Vormarsch der Arbeiterbewegung im Zeichen des Marxismus und der Sozialdemokratie. Unter dem Eindruck der Oktoberrevolution 1917, nach der sich in Russland ein kommunistisches Regime etablierte, das die Weltrevolution propagierte, nahm der Antikommunismus in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine militante Tendenz an und gehörte zum ideologischen Rüstzeug von Nationalisten, Faschisten und Antisemiten. In der Weimarer Republik gewann er u. a. durch die geschickte Propaganda der Dolchstoßlegende, die die Schuld für die militärische Niederlage im 1. Weltkrieg den Sozialisten anlastete, eine Massenbasis und prägte sich in Deutschland aufgrund des zunehmenden Einflusses der den Weisungen Stalins unterworfenen KPD besonders extrem aus. Zahlreiche politische Morde – an prominenten Kommunisten wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (1919), aber auch an Nichtkommunisten – waren antikommunistisch motiviert. Häufig wurden solche Verbrechen nur nachlässig verfolgt oder mit milden Urteilen geahndet, weil sich die Justiz im antikommunistischem Affekt auf dem rechten Auge als blind erwies. Unter nationalsozialistischer Herrschaft, die den Reichstagsbrand unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 zum Anlass genommen hatte, alle kommunistischen Organisationen zu zerschlagen und ihre Führer und zahlreiche Anhänger zu verhaften und in Konzentrationslager zu deportieren, gehörte der Antikommunismus als „Antibolschewismus” zur Staatsdoktrin. Adolf Hitler bezeichnete den „russischen Bolschewismus” als Versuch des „Judentums”, „sich die Weltherrschaft anzueignen”. Nach dem 2. Weltkrieg lieferte der Antikommunismus die ideologische Legitimation für die Frontstellung der westlichen Länder im Kalten Krieg gegen den von der Sowjetunion geführten Ostblock. Unter dem Bedrohungsszenario eines möglichen Atomkrieges diente er in einigen westlichen Ländern in der Innenpolitik zugleich zur Herstellung eines breiten gesellschaftlichen Konsenses zur Verfolgung politischer Gegner und missliebiger Intellektueller. Zum Synonym dafür wurde in den USA die Antikommunismuskampagne des Senators Joseph Raymond McCarthy. In Westdeutschland diente der überkommene und durch die Spaltung Deutschlands neu genährte Antikommunismus dazu, die Bundesrepublik gegen den „kommunistischen Totalitarismus” der DDR abzugrenzen und die Integration des neuen Staats in das westliche Bündnissystem zu legitimieren. Trotz Entspannungsphasen in den Ost-West-Beziehungen wie vor allem in den siebziger Jahren verschaffte der Antikommunismus den Führungen in den westlichen Ländern die politische Basis in der Bevölkerung, die sie in die Lage versetzte, aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorzugehen. Der Zerfall der kommunistischen Regime seit Mitte der achtziger Jahre war nicht zuletzt Folge des Rüstungswettlaufs, den die USA unter dem sich offen zum Antikommunismus bekennenden Präsidenten Ronald Reagan noch einmal gesteigert hatten und der den wirtschaftlichen Niedergang der Sowjetunion unaufhaltsam machte. Ihr gesellschaftliches System, das mit Kommunismus wenig gemein hatte, verlor damit auch in den Augen der eigenen Bevölkerung die Existenzberechtigung. Nicht nur in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, sondern auch in allen anderen ehemals „kommunistisch” regierten Staaten gewannen große Teile der Bevölkerung aufgrund der eigenen Erfahrungen antikommunistische Einstellungen.
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