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FledermäuseEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Besonderheiten im Körperbau; Größen; Orientierung; Ernährung; Winterschlaf und Wanderungen; Fortpflanzung; Lebenserwartung und Feinde; Gefährdung; Systematische Einordnung
Die meisten Fledermäuse fressen Insekten und andere Wirbellose, die sie entweder im Flug erbeuten (wobei die Schwanzflughaut häufig als Käscher eingesetzt wird), von der Vegetation ablesen oder vom Boden aufnehmen. Viele Arten aus der Familie der Blattnasen ernähren sich von Früchten; andere nehmen mit Hilfe ihrer stark verlängerten Zungen den Nektar aus Blüten auf und tragen dabei zur Bestäubung von Pflanzen bei. Einige der größeren Blattnasen sind Allesfresser, die nicht nur Insekten und Früchte fressen, sondern auch kleine Lurche, Eidechsen, Vögel, Mäuse und sogar Fledermäuse ergreifen. Ebenfalls zu den Blattnasen gehören die Vampire der amerikanischen Tropen, die ausschließlich von Blut leben, das sie aus kleinen Wunden auflecken. Diese Wunden fügen sie ihrer Beute – Vögel, Huftiere und gelegentlich auch Menschen – vorsichtig mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen zu. Mindestens drei Fledermausarten fangen Fische, indem sie ihre großen, mit kräftigen Krallen bewehrten Füße im Flug dicht unter der Wasseroberfläche entlangziehen.
Da Insekten fressende Fledermäuse gemäßigter Breiten im Winter keine Nahrung fänden, fressen sie sich ab dem Spätsommer Fettvorräte an und halten Winterschlaf. Zur Überwinterung ziehen sie sich im Herbst u. a. in Felshöhlen, alte Bergwerksstollen, Kellergewölbe oder Baumhöhlen zurück. Ihre Körpertemperatur kann dann bis nahe an den Gefrierpunkt absinken; in diesem Zustand sind Fledermäuse nur noch zu langsamen, reflektorischen Bewegungen in der Lage. Winterschlafende Fledermäuse dürfen nicht gestört werden, da sie beim Aufwachen Energie verbrauchen und dabei ihre Vorräte an Körperfett abbauen; ihre Fettvorräte werden ohnehin dadurch reduziert, dass viele Fledermäuse auch von Natur aus gelegentlich den Winterschlaf unterbrechen. Auch im Sommer begeben sich Fledermäuse – vor allem tagsüber – bei kühler Umgebungstemperatur in einen Zustand, der dem Winterschlaf ähnelt, man nennt dies Tagesschlaflethargie. Manche in gemäßigten Zonen verbreitete Fledermausarten, etwa Abendsegler, legen zwischen Sommer- und Winterquartieren weite Wanderstrecken zurück. Die europäische Rauhautfledermaus kann sogar Distanzen von mehr als 1 900 Kilometer überwinden. Andere Arten leben stationär und überwintern in der Nähe ihrer Sommerquartiere.
Bei den Arten der gemäßigten Zonen findet die Begattung zumeist vor dem Winterschlaf statt, wenn diese Fledermäuse sich im Bereich der Winterquartiere versammeln, zum Teil auch während Unterbrechungen des Winterschlafs in den Winterquartieren. Die Spermien überleben in diesen Fällen zumeist während des Winterschlafes in der Gebärmutter des begatteten Weibchens. Die Befruchtung erfolgt dann erst nach der Freisetzung der Eizelle aus dem Eierstock, wenn die Fledermaus im Frühling erwacht ist. Ein anderes Fortpflanzungsmuster zeigt die europäische Langflügelfledermaus. Hier erfolgen Eisprung, Begattung und frühe Entwicklung des Embryos in ganz normaler Abfolge vor dem Winterschlaf. Doch dann ruht die weitere Entwicklung des Embryos bis zum Frühjahr. Die meisten Arten, u. a. diejenigen gemäßigter Breiten, haben ein promiskes Paarungssystem: Männchen und Weibchen paaren sich also mit jeweils mehreren Partnern. Bei manchen tropischen Fledermäusen verteidigen jeweils ein oder zwei Männchen einen kleinen Harem. Einige wenige andere Arten leben monogam und bilden kleine Familiengruppen. Trächtige Fledermausweibchen versammeln sich zu Gesellschaften, die als Wochenstuben bezeichnet werden; diese können je nach Art einige wenige bis Tausende von Weibchen umfassen. Die Jungen der meisten mitteleuropäischen Arten kommen nach etwa 50-tägiger Tragzeit zur Welt und werden maximal vier Wochen gesäugt. In dieser Zeit klammern sich die Jungen tagsüber zumeist am Fell der Mutter fest und werden abends vor Beginn des Jagdfluges der Alttiere im Quartier abgesetzt. Nach dem Ende der Säugeperiode sind die Jungen flugfähig und machen selbständig Beute. Nur wenige Fledermausarten bringen mehr als ein Junges zur Welt: Abendsegler und Zwergfledermäuse z. B. bekommen regelmäßig Zwillinge; die ebenfalls zur Familie der Glattnasen gehörenden Fledermäuse der Gattung Lasiurus bringen pro Wurf bis zu vier Junge zur Welt.
Fledermäuse können drei bis vier Mal so alt werden wie andere Kleinsäuger ihrer Größe; für mehrere Arten wurde ein Höchstalter von mehr als 30 Jahren (maximal 33 Jahre) nachgewiesen. Zu den Fressfeinden von Fledermäusen gehören Eulen, Greifvögel und Raubtiere; an den Eingängen tropischer Fledermaushöhlen lauern manchmal Schlangen auf Fledermäuse. Fledermäuse, auch solche europäischer Arten, können von Tollwutviren befallen sein, die jedoch nicht mit denen der Fuchstollwut identisch sind. In seltenen Fällen (nicht in Mitteleuropa) erkrankten auch Menschen an diesen Viren. Um Bisse zu vermeiden, empfiehlt es sich, Fledermäuse, die sich z. B. in eine Wohnung verflogen haben, nur mit Handschuhen zu ergreifen.
Fledermäuse sind in großen Teilen ihrer Verbreitungsgebiete, auch in Mitteleuropa, im Bestand bedroht. Zu den Hauptursachen für die Bestandsrückgänge gehören die Zerstörung von Naturlandschaften und der Mangel an Quartieren. So gibt es in mitteleuropäischen Forsten nur noch wenige Altbaumbestände, die Fledermäusen Quartier bieten könnten, und die moderne Bauweise ermöglicht Fledermäusen oftmals keinen Zugang zu Dachböden. Zudem reagieren Fledermäuse empfindlich auf Pestizide, etwa Holzschutzmittel auf Dachböden.
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