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Ökologische Nische

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Ökologische Nische, zentraler Begriff der Ökologie für die Rolle oder Funktion, die eine bestimmte Tier- oder Pflanzenart innerhalb eines Ökosystems einnimmt.

Die ökologische Nische wird populärwissenschaftlich auch als der „Beruf” eines Lebewesens bezeichnet. Tatsächlich dient die so genannte Einnischung primär der Sicherung des Nahrungserwerbs, indem Konkurrenz mit anderen Arten um Ressourcen vermieden wird. Tiere spezialisieren sich auf eine bestimmte Art von Nahrung, auf Beutegrößen, aber auch auf den Ort der Jagd oder des Weidens und die Zeit, in der gefressen wird. Pflanzen nischen sich in erster Linie hinsichtlich Wuchshöhe (die vor allem in Wäldern dem Lichtbedarf entspricht), artspezifischer Vegetationsperiode, Bodenbeschaffenheit sowie der Vorliebe oder Toleranz gegenüber Temperatur, Feuchtigkeit und dem Gehalt bestimmter Stoffe im Boden ein. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten sind oft äußerst gering und manchmal nur durch detaillierte Untersuchungen zu erkennen. Die Breite der ökologischen Nischen aller Arten einer Biozönose ist entscheidend für die Größe und Beschaffenheit des Nahrungsnetzes: Je schmaler die einzelnen Nischen auf derselben trophischen Ebene (Ernährungsebene) sind, desto komplexer ist das gesamte Netz.

Eine ökologische Nische umfasst neben der Nutzung von Ressourcen alle Umweltfaktoren des Lebensraumes (Habitats), den der Organismus bewohnt, sowie insbesondere die artspezifische Fortpflanzung. Die meisten Arten zeigen mehr oder weniger große Differenzen zwischen einzelnen Individuen, Geschlechtern oder zwischen Larven und erwachsenen Tieren. Die zahlreichen Dimensionen der Nische sorgen dafür, dass oft ein einziger Unterschied – bei ansonsten völlig gleicher Lebensweise – für eine ökologische Trennung von Arten ausreichend ist. Dies zeigt sich besonders gut an den Buntbarschen der großen Seen Ostafrikas.

Zahlreiche Arten von Buntbarschen leben innerhalb desselben Gewässers, wo sie einer enormen Konkurrenz ausgesetzt wären, wenn sie nicht eine präzise umrissene Nische gebildet hätten. Sie grenzen sich z. B. hinsichtlich der Paarungszeit am Tag sowie innerhalb des Jahres, des Balzrituals oder des Ortes der Eiablage voneinander ab. Anders ausgedrückt: Eine variable Einnischung der Fische war hier überhaupt erst Voraussetzung für die Artbildung, sie ging mit diesem Prozess sozusagen Hand in Hand. Das Ergebnis einer Anpassung mit einhergehender Einnischung und Artbildung ist auch an den Darwinfinken der Galápagos-Inseln sehr gut zu beobachten (siehe adaptive Radiation).

Zwei wichtige Prinzipien innerhalb des Konzepts der ökologischen Nische sind die so genannte Stellenäquivalenz und das Konkurrenzausschlussprinzip. Erstere steht dafür, dass sich im Lauf der Evolution häufig in getrennten Abstammungslinien, die gleichartige Habitate in verschiedenen Erdteilen oder Regionen besiedeln, vergleichbare Arten mit sehr ähnlichen ökologischen Nischen entwickelt haben (siehe Konvergenz). Ein Musterbeispiel sind die Beuteltiere Australiens, Neuguineas und Südamerikas: Viele dieser Arten ähneln äußerlich und hinsichtlich ihrer Nischenbesetzung sehr stark manchen Arten der höheren Säugetiere (Plazentatiere). Bei Pflanzen zeigt sich dieses Phänomen beispielsweise an den Kakteen Nordamerikas und afrikanischen Sukkulenten aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Das Konkurrenzausschlussprinzip besagt, dass zwei Arten, die sich hinsichtlich ihrer ökologischen Nische entsprechen, nicht zusammen in einem Habitat (bzw. Biotop) leben können. Besonders konkurrenzstarke Arten können bei der Besiedlung eines neuen Lebensraumes die Nischen weniger starker Arten übernehmen (siehe Faunenverfälschung). Wenn eine Spezies die Möglichkeit hat, in einem Lebensraum eine bestimmte ökologische Nische zu bilden, bezeichnet man dies als ökologische Lizenz.

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