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Wilhelm Heinrich Wackenroder

Enzyklopädieartikel

Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773-1798), deutscher Schriftsteller. Sein schmales literarisches Werk lieferte einen wichtigen Impuls für das Entstehen der Frühromantik und beeinflusste vor allem die in Rom wirkende Malervereinigung der Nazarener. Im Zentrum seiner Ästhetik steht das „Kunstheilige”, die subjektiv-emphatische Neuinterpretation des Kunstwerks als Gegenstand göttlicher Offenbarung.

Wackenroder wurde am 13. Juli 1773 als Sohn eines Geheimen Kriegsrats in Berlin geboren. Er besuchte dort bis 1792 das Friedrichswerdersche Gymnasium und schloss Freundschaft mit seinem Mitschüler Ludwig Tieck. Ab 1789 hörte Wackenroder Vorlesungen zur Kunst- und Literaturgeschichte, daneben erhielt er gründlichen Musikunterricht. Als Student der Rechte unternahm er gemeinsam mit Tieck im Sommer 1793 von Erlangen aus eine Reise nach Nürnberg, Bamberg und Pommersfelden, auf der beide aus der Begegnung mit der „altdeutschen” Kunst Albrecht Dürers und der christlich-religiösen Malerei Raffaels und Leonardo da Vincis entscheidende Anregungen für ihre Kunstauffassung empfingen. 1793/94 studierte Wackenroder zwei Semester in Göttingen. In dieser Zeit betrieb er gründliche philologische und bibliographische Studien zur älteren deutschen Literaturgeschichte. Nach Berlin zurückgekehrt, wurde er 1797 Referendar am Kammergericht. Wackenroder starb am 13. Februar 1798 in Berlin.

Die von Tieck anonym zum Druck beförderten und um wenige eigene Beiträge und ein Vorwort ergänzten Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1796) sind das erste literarische Dokument der Frühromantik. In dieser kleinen Sammlung hagiographischer Künstlerviten und kunsttheoretischer Aufsätze wird eine deutliche Abgrenzung zur rationalistischen Kunstauffassung der Aufklärung und zu Winckelmanns Ästhetik des Klassizismus vorgenommen; die angeschlossene autobiographische Erzählung Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger huldigt einem sakralen Musikideal. Nach Wackenroders frühem Tod nahm Tieck sich als Herausgeber des Nachlasses an und publizierte die Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst (1799). Einige Passagen im ersten Teil von Tiecks Künstlerroman Franz Sternbalds Wanderungen (1798) werden der Autorschaft Wackenroders zugeschrieben.

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