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Allgemeine Psychologie

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Allgemeine Psychologie, Zweig der wissenschaftlichen Psychologie, der Gesetzmäßigkeiten erforscht, die in Abgrenzung zur Persönlichkeitspsychologie und zur Sozialpsychologie universell für alle Individuen gelten.

Die allgemeine Psychologie umfasst als Teilgebiete vor allem die Wahrnehmungs-, Gedächtnis-, Sprach-, Denk- sowie Motivations- und Emotionspsychologie. Sie hat als Grundlagenfach zahllose Befunde aus den verschiedenen Zweigen der Psychologie vereinheitlicht sowie auch die inhaltlichen und methodischen Grundlagen für speziellere Forschungsarbeiten in anderen Bereichen gelegt (siehe Psychologie).

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Entwicklung der allgemeinen Psychologie

Erste Ansätze einer einheitlichen Beschreibung von psychologischen Vorgängen stammen aus der Assoziationslehre des griechischen Philosophen Aristoteles und ihrer Anwendung auf gesellschaftliche Zusammenhänge durch den griechischen Philosophen Platon. Der Beginn einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit den allgemein psychologischen Gesetzmäßigkeiten liegt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine führende Rolle übernahm dabei die deutsche Psychologie mit der Gründung des ersten psychologischen Labors durch Wilhelm Wundt, das 1879 in Leipzig eröffnet wurde. Wundt und seine Schüler verwandten als Forschungsmethode vielfach die innere Einsicht und subjektive Einschätzungen ihrer Versuchspersonen, die Introspektion.

Einige seiner Schüler erforschten mit Hilfe von physiologischen und physikalischen Messungen in genau kontrollierten Laborexperimenten die Leistung der menschlichen Wahrnehmung und entwickelten auf diese Weise Methoden zur Bestimmung von Wahrnehmungsschwellen und Empfindungen beim Hören, Sehen und Tasten (z. B. Weber-Fechner-Gesetz). Aus diesen psychophysiologischen Arbeiten entstanden zahlreiche statistische Auswertungsmethoden (z. B. Spearmans Korrelationskoeffizient) und spezielle Wahrnehmungstheorien (z. B. Farbwahrnehmungstheorie von Hermann von Helmholtz.

Ein für die Wahrnehmungs- und Denkpsychologie wichtiger Ansatz war um die Wende zum 20. Jahrhundert die so genannte Gestaltpsychologie und die „Frankfurter Schule” der Gestaltpsychologie, die wesentlich von Max Wertheimer geprägt wurde. Die Gestaltpsychologie wollte Wahrnehmungs- und Denkleistungen auf der Grundlage angeborener Wahrnehmungsschemata erklären. Gestaltpsychologen entdeckten und beschrieben viele „Wahrnehmungsgesetze”, die zur Ordnung und Erfassung von Sinneseindrücken dienen, z. B. Gesetz der Nähe (nahe stehende Figuren werden gruppiert), Gesetz der geschlossenen Gestalt (Lücken werden geschlossen), Gesetz der guten Fortsetzung (Linien und Bewegungen werden ohne Brüche und Ecken ergänzt).

Die wissenschaftliche Erfassung von Lernprozessen wurde vor allen durch John B. Watsons vorangebracht. Der von Watson vertretene Behaviorismus lehnte subjektive Urteile und Introspektion als Forschungsmethoden ab und konzentrierte sich ganz auf die exakte Messung und Beschreibung direkt beobachtbaren Verhaltens. Einer der führenden Theoretiker des Behaviorismus war Edward L. Thorndike, der das Gesetz der Auswirkung formulierte, das besagt, dass ein Verhalten, das einen angenehmen Zustand herbeiführt, in der Zukunft häufiger gezeigt werden wird.

Diese zumeist in Tierversuchen gewonnenen Erkenntnisse wurden später zu umfassenden Lerngesetzen erweitert und wurden etwa bei der Verbesserung von Lehrmethoden im Schulunterricht angewendet. Ein führender Vertreter bei der Entwicklung von Unterrichtsmethoden und Lehrmaschinen, die auf behavioristischen Lerngesetzen beruhten, war Burrhus F. Skinner.

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Teilgebiete der allgemeinen Psychologie

Diese frühen Ansätze der allgemeinen Psychologie sind nicht unwidersprochen geblieben. Insbesondere die auf der Zusammenfassung vieler Einzelbeobachtungen beruhenden, abstrakten Schlussfolgerungen der Behavioristen wurden angezweifelt. Ein führender Kritiker war Gordon Williard Allport, der es für unmöglich hielt, sinnvolle psychologische Aussagen zu machen, ohne das kulturelle, soziale und biographische Umfeld eines Menschen zu berücksichtigen.

Auch zeigten einzelne Pionierleistungen, dass allgemein gültige Erkenntnisse durch die exakte Beobachtung von Einzelpersonen gewonnen werden können. Zu diesen Pionieren gehört Hermann Ebbinghaus, der im Selbstversuch in zahllosen Experimenten die Grundlagen der modernen Gedächtnispsychologie legte, indem er beispielsweise untersuchte, wie viel Lernmaterial in bestimmten Zeiträumen gelernt und wieder vergessen wird.

Die Arbeiten über Wahrnehmungsschwellen, Gestaltwahrnehmung und Farbwahrnehmung führten zu einer Flut weiterer Untersuchungen, deren Ergebnisse den Behaviorismus schließlich in wesentlichen Teilen widerlegten.

Entscheidend für eine erweiterte Sicht der allgemeinen Psychologie waren Arbeiten über physiologische Grundlagen des Lernens, etwa des russischen Physiologen Iwan P. Pawlow, und über die biologische Entwicklung des Lernens und Denkens, z. B. durch den Schweizer Biologen Jean Piaget. Diese Forschungsarbeiten machten deutlich, dass lediglich auf das direkt beobachtbare Verhalten gründende Theorien biologische Grundlagen und individuelle Denkleistungen des Menschen nicht ausreichend erklären können. In der Folge entwickelten sich ein Kernbereich der allgemeinen Psychologie, die kognitive Psychologie, die eine übergreifende Erfassung und Beschreibung menschlichen Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Denkvermögens zum Inhalt hat. Die kognitive Psychologie ist ein Kernbereich der interdisziplinären Kognitionswissenschaften, die Forschung aus dem Bereich der Neurologie, der Psychologie und der Computerwissenschaften zusammenfasst.

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