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    Charles William Morris (* 23. Mai 1903 in Denver, Colorado; † 15. Januar 1979 in Gainesville, Florida) war ein US-amerikanischer Semiotiker und Philosoph.

  • Charles William Morris

    Charles William Morris Biografie – Web: http://www.pragmatism.org/genealogy/morris.htm Kurzbio & Bibliographie (John Shook, International Pragmatism Society) [visited: 2007-11 ...

  • Charles Morris

    A brief biography of Charles Morris's writings on semiotics, pragmatics, etc. ... A Brief Outline of His Philosophy. with relations to semiotics, pragmatics, and linguistics

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Charles Morris

Enzyklopädieartikel

Charles Morris (1901-1979), amerikanischer Philosoph. Mit seinen Schriften gehört er zu den Wegbereitern der modernen Semiotik.

Morris wurde am 23. Mai 1901 in Denver (Colorado) geboren. Zwischen 1931 und 1947 war er Professor an der University of Chicago, von 1958 bis 1971 dann in Gainesville (Florida), wo er, ausgehend vom Neopositivismus des Wiener Kreises, des Pragmatismus sowie des Behaviorismus eine sozialbehavioristische Philosophie vertrat und mit seiner Texttypologie Aspekte der pragmatischen Textanalyse vorwegnahm. Darüber hinaus veröffentlichte er Studien zur Werttheorie und zur Ästhetik. Morris starb am 15. Januar 1979 in Gainesville. Zu seinen wichtigsten Werken gehören Logical Positivism, Pragmatism and Scientific Empiricism (1937), Foundations of Theory of Signs (1938, Grundlagen der Zeichentheorie), Signs, Language and Behaviour (1946, Zeichen, Sprache und Verhalten) sowie Writings on the General Theory of Signs (1971).

Ausgehend vom funktionalen Modell des Zeichens bei Charles Sanders Peirce definierte Morris den Akt der Bedeutungsfindung (der Semiose) als „Prozess, in dem etwas als ein Zeichen fungiert”, und unterschied zwischen dem Zeichenträger oder sign vehicle, dem Interpretanten, d. h. dessen „Wirkung auf einen bestimmten Interpreten”, und dem Designat(um) bzw. Denotat(um) als dem, was in erster Linie durch den Zeichenträger bezeichnet, also denotiert werde. Das Designatum wurde später von ihm Signifikatum genannt. Anhand des triadischen Systems unterschied Morris drei Dimensionsebenen der Semiose, die er den – dadurch von ihm begründeten – semiotischen Teildisziplinen der Syntaktik, der Semantik und der Pragmatik zuzuordnen suchte: Während sich die Syntaktik mit der Relationsstruktur der Zeichen untereinander beschäftige, so Morris, sei es die Aufgabe der Semantik, das Verhältnis von Zeichenträger und Designatum aufzuzeigen, also den Aspekt der Bedeutung zu betrachten; der Pragmatik bleibe vorbehalten, das Bedingungsgefüge zwischen Zeichen und Benutzern näher zu beleuchten. (Morris’ Konstrukt wurde in der marxistischen Zeichentheorie, namentlich bei Georg Klaus, um die nur wenig ertragreiche, ideologisch motivierte Forschungsebene der Sigmatik erweitert, die unter der erkenntnistheoretischen Perspektive des Materialismus und der Widerspiegelungstheorie die Korrelation von Zeichen und abgebildeten Objekten betrachten soll.)

Anders als Peirce fasste Morris den Akt der Semiose nicht nach philosophischen, sondern nach sozialpsychologischen Kriterien, indem er das Zeichen als vorbereiteten Reiz begriff, der im Rezipienten gegenüber einem noch nicht vorhandenen Reizobjekt eine Erwartungshaltung provoziere. Semiotik definierte er universal als „eine allgemeine Theorie der Zeichen in allen ihren Formen und Erscheinungsweisen, sei es bei Tieren oder Menschen, normal oder pathologisch, sprachlich oder nichtsprachlich, persönlich oder sozial. Die Semiotik ist somit ein interdisziplinäres Unternehmen”. Demnach greift die semiotische Untersuchung methodologisch auch in Bereiche der Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Biologie und Psychiatrie. Mit seiner Position einer Semiose bei Tieren (Zoosemiotik) ging er noch weit über die kulturelle Semiotik Umberto Ecos hinaus, der die Setzung signifikanter Strukturen als bewußten Akt des Menschen von tierischen Signalen zu differenzieren suchte.

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