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Armin Mueller-Stahl

Enzyklopädieartikel

Armin Mueller-Stahl (*1930), deutscher Schauspieler. Mit Filmen wie Lola (1981), Night on Earth (1991) und Shine – Der Weg ins Licht (1996) profilierte er sich auch international als einer der gefragtesten deutschen Charakterdarsteller seiner Generation.

Mueller-Stahl wurde am 17. Dezember 1930 als Sohn eines Beamten in Tilsit (Ostpreußen) geboren. Im Prenzlau absolvierte er die Schule; anschließend ließ er sich am Berliner Konservatorium zum Musiklehrer und Konzertgeiger ausbilden. Nach Abschluss seines Studiums unterrichtete er ein Jahr lang und wandte sich dann der Schauspielerei zu. Ab 1952 trat Mueller-Stahl an Ostberliner Bühnen auf, von 1954 bis 1979 gehörte er dem Ensemble der Berliner Volksbühne an, und bis 1955 stand er auch für die DEFA und bei Fernsehproduktionen vor der Kamera. Durch sein Mitwirken an der Fernsehserie Flucht aus der Hölle (1960) erreichte er einen größeren Bekanntheitsgrad. Bemerkenswerte Darstellungen bot er in den sechziger und siebziger Jahren u. a. in den DEFA-Filmen Fünf Patronenhülsen (1960), Königskinder (1962), Nackt unter Wölfen (1963, nach dem Roman von Bruno Apitz) und Jakob der Lügner (1974; nach dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker), jeweils unter der Regie von Frank Beyer. Großes Zuschauerinteresse erzielte der mehrteilige Fernsehfilm Wolf unter Wölfen (1964). Neben seiner Arbeit als Schauspieler war Mueller-Stahl auch als Synchronsprecher tätig.

Aufgrund seiner Kritik an der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR 1976 erhielt er keine Engagements mehr und emigrierte daraufhin 1980 in den Westen. Hier drehte er Anfang der achtziger Jahre mit Rainer Werner Fassbinder: Sowohl in Lola (1981) als auch in Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982) hinterließ Mueller-Stahl, dessen Markenzeichen die stahlblauen Augen sind, einen starken Eindruck. Es folgten Auftritte in Werken renommierter Autorenfilmer, darunter in Patrice Chéreaus L’homme blessé (1983; Der verführte Mann), Herbert Achternbuschs Rita Ritter (1983), Andrzej Wajdas Un amour en Allemagne (1983; Eine Liebe in Deutschland), Hans-Christoph Blumenbergs Tausend Augen (1984), István Szabós Oberst Redl (1984), Alexander Kluges Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985), Xaver Schwarzenbergers Der Fall Franza (1986; nach Ingeborg Bachmann) und Bernhard Wickis Joseph-Roth-Adaption Das Spinnennetz (1989).

Mit Constantin Costa-Gavras’ Music Box (1989; Music Box – Die ganze Wahrheit) begann Mueller-Stahls Hollywood-Karriere. In der Folge war er in zahlreichen amerikanischen Produktionen zu sehen, in künstlerisch anspruchsvollen Werken ebenso wie in kommerziell ausgerichteten Großproduktionen, und avancierte zum erfolgreichsten deutschen Schauspieler des US-Kinos. So spielte er in den neunziger Jahren u. a. in Jim Jarmuschs Episodenfilm Night on Earth (1991; Night on Earth), Steven Soderberghs Kafka (1991; Kafka), Bille Augusts Isabel-Allende-Verfilmung House of the Spirits (1994; Das Geisterhaus), William Friedkins 12 Angry Men (1997; Die zwölf Geschworenen), Mimi Leders The Peacemaker (1997; Projekt: Peacemaker) und in der Jurek-Becker-Neuverfilmung Jacob the Liar (1998; Jakob der Lügner). Mueller-Stahl drehte aber auch weiterhin in Deutschland hochwertige Filme, so wirkte er in den Literaturverfilmungen Der Kinoerzähler (1993, nach Gert Hofmann, Regie Bernhard Sinkel) und Der Unhold (1996, nach Michel Tournier, Regie Volker Schlöndorff) mit. Seinen größten Erfolg in den neunziger Jahren feierte Mueller-Stahl mit dem australischen Film Shine (1996; Shine – Der Weg ins Licht), in dem er als tyrannischer Vater des australischen Pianisten David Helfgott brillierte. Diese Rolle brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein. Im selben Jahr war der äußerst wandlungsfähige Charakterdarsteller in seinem Regieerstling Gespräch mit dem Biest/Conversation with the Beast als Adolf Hitler zu sehen.

Auch im neuen Jahrhundert blieb Mueller-Stahl in Deutschland einer der gefragtesten Stars seiner Generation, während seine US-Engagements seltener wurden. Unter der Regie von Heinrich Breloer übernahm er in dem TV-Mehrteiler Die Manns – ein Jahrhundertroman (2001) den Part des Schriftstellers Thomas Mann, der ihm eine Grimme-Preis-Auszeichnung eintrug. Anerkennung erhielt er auch für seine Rolle in Margarethe von Trottas Ich bin die Andere (2006). In David Cronenbergs Thriller Eastern Promises (2007; Tödliche Versprechen), angesiedelt im Milieu der Londoner „Russenmafia”, verkörperte Mueller-Stahl einen Syndikatspatriarchen von bedrohlicher Sanftheit.

Neben seiner Arbeit als Schauspieler trat Mueller-Stahl auch als Schriftsteller hervor. In dem autobiographischen Buch Verordneter Sonntag (1980) beschrieb er seine Erlebnisse vor seiner Ausreise aus der DDR, unter dem Titel Unterwegs nach Hause (1997) legte er seine Memoiren vor. Darüber hinaus erschienen das Tagebuch Drehtage (1991), die Erzählung Hannah (2004), das halb fiktive „amerikanische Tagebuch” Venice (2005) und die Erzählsammlung Kettenkarussell (2006).

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