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    Otfrid von Weißenburg (* um 800; † nach 870) ist der erste namentlich bekannte althochdeutsche Dichter. Otfrid von Weißenburg war eine bedeutende Persönlichkeit im ...

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Otfried von Weißenburg

Enzyklopädieartikel

Otfried von Weißenburg (um 800 bis etwa 870), Dichter, Theologe und Lehrer. Er ist der erste namentlich bekannte Dichter der deutschen Literatur. Sein Werk gehört zu den bedeutendsten Überlieferungen der althochdeutschen Sprache.

Um etwa 807 wurde Otfried im elsässischen Kloster Weißenburg aufgenommen und erhielt dort wahrscheinlich um 830 die Priesterweihe. Anschließend übersiedelte er zu einem Studienaufenthalt nach Fulda, wo er zum Schüler des Hrabanus Maurus avancierte. Spätestens 847 kehrte Otfried wieder nach Weißenburg zurück und war dort in den fünfziger und sechziger Jahren als Bibliothekar, Schreiber, Grammatiklehrer und Bibelexeget tätig.

Das Hauptwerk Otfrieds ist das in südrheinfränkischer Mundart verfasste und vorrangig Ludwig dem Deutschen gewidmete Evangelienbuch (Liber Evangeliorum). Bei diesem zwischen 863 und 871 vollendeten Bibelepos handelt es sich um eine Evangelienharmonie, d. h. um eine aus den vier Evangelien zusammengestellte und chronologisch geordnete Darstellung der Leidens- und Heilsgeschichte Jesu, die das Fränkische gleichberechtigt neben das Lateinische und Griechische stellt. Über die epische Darstellung hinaus enthält das Evangelienbuch auch einige Kapitel mit moralisch-didaktischen bzw. allegorischen Deutungen und Kommentaren. Literaturgeschichtliches Interesse verdient vor allem die Versform des als Predigt angelegten Werks, die maßgeblich zur Einführung des Endreimes sowie des Alternierens (des Wechsels) von Hebung und Senkung in der deutschsprachigen Dichtung beigetrug. Bei dieser – allerdings nicht immer streng eingehaltenen – neuen Versform knüpfte Otfried an den ambrosianischen Hymnenvers der lateinischen Lyrik an (siehe Hymnus). Die genannten Neuerungen führten schließlich zu einer Ablösung der bis dahin für die althochdeutsche Dichtung charakteristischen Merkmale des Stabreimes und der rhythmisch freien Langzeile. Als weitere Schriften Otfrieds sind eine Reihe von Bibelkommentaren und Glossen überliefert.

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