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Papuasprachen

Enzyklopädieartikel

Papuasprachen, von der austronesischen Sprachengruppe unabhängige Sprachen der in Hunderte von Ethnien aufgesplitterten Bevölkerung Neuguineas und seiner melanesischen Nebeninseln; es handelt sich hierbei um den reichsten Sprachenkomplex der Welt. Insgesamt existieren etwa tausend unterschiedliche Idiome, die in mehr als 60 zusammengehörende Sprachfamilien gebündelt werden können und aus fünf Hauptsprachstämmen erwachsen: dem Trans-Neuguinea-Stamm (507 Sprachen), dem West-Papua-Stamm (24 Sprachen), dem Sepik-Ramu-Stamm (98 Sprachen), dem Torricelli-Stamm (48 Sprachen) sowie dem Ost-Papua-Stamm (27 Sprachen).

Obschon Papua-Sprachen typologisch stark variieren, findet man eine Reihe signifikanter struktureller Gemeinsamkeiten. Phonologisch zeichnen sich die Idiome durch relativ einfache Lautsysteme aus, grammatikalisch besitzen die Papua-Sprachen eine relativ komplexe Verbalmorphologie neben einer eher einfachen Nominalmorphologie. Das Verb ist das Hauptelement des Satzes, es bezeichnet auch das pronominale Objekt, Tempus, Modus und Person mit. Dagegen ist bei den Substantiva die Kasusmarkierung oft die einzige morphologische Kategorie, allerdings unterscheiden die verschiedenen Sprachen bis zu fünfzig Nominalklassen, die semantisch (männlich, weiblich, nicht-menschlich, pflanzlich) und phonologisch differenziert sind. Numerus und Klasse der Nomina werden durch Affixe gekennzeichnet, gewisse Relationen (Instrumentalis, Komitativ, Lokativ usw.) erschließen sich aus Suffixen. Die ursprünglichen Zahlen sind meistens Vierer-, Dreier- oder Zweiersysteme. Die Anthropologie, die Vergleichende Sprachwissenschaft sowie die Soziolinguistik beziehen aus der Erforschung der Sprachen der Papua, von denen manche Ethnien bis vor kurzem noch auf der Stufe der Steinzeit verharrten, wichtige Erkenntnisse über die Entstehung von Sprache als menschheitsgeschichtliches Phänomen.

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