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Reichsidee

Enzyklopädieartikel

Reichsidee, die meist mit dem Weltherrschaftsgedanken verbundene Vorstellung, dass der eigene Herrschaftsbereich universal und übernational sei und dass er auf bestimmten Traditionen und dem Gottesgnadentum basiere.

In der Antike prägte sich am Ende der Römischen Republik und zu Beginn der Kaiserzeit die Vorstellung der Einheit der Kulturvölker aus, die dem römischen Erdkreis, d. h. dem Erdkreis schlechthin entsprach (Imperium Romanum). Damit verbunden war eine auf das ganze Römische Reich ausgerichtete Befriedung (Pax Romana) und der Anspruch auf die Weltherrschaft Roms. Diese antike Reichsidee wurde im 4./5. Jahrhundert n. Chr. auf das Imperium Christianum übertragen; dieses Imperium Christianum schloss die Vorstellung einer überstaatlichen Einheit aller christlichen Völker unter einem Kaiser als Statthalter Gottes ein. Mit der Teilung des Römischen Reiches erlosch die Reichsidee im Weströmischen Reich zunächst. Seit Mitte des 8. Jahrhunderts wurde sie im Frankenreich unter maßgeblicher Beteiligung des Papsttums zu neuem Leben erweckt, und 800 erfolgte mit der Kaiserkrönung Karls des Großen die Translatio Imperii, die Übertragung des Kaisertums auf das Frankenreich; mit der Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 wurde das Kaisertum dann auf die Deutschen übertragen. Im mittelalterlichen Heiligen Römischen Reich war die Reichsidee und die ihr inhärente Verbindung zwischen Kaisertum und Kirche bzw. Papsttum Grundlage des Hegemonieanspruchs des Kaisertums innerhalb der Christenheit. Ab dem 13./14. Jahrhundert stellte sich der Reichsidee zunehmend die Idee eines souveränen Nationalstaates entgegen, die auch die universalistischen Reichsentwürfe Karls V. nicht mehr überwinden konnte. Aber trotz des Verfalls der politischen Macht des Kaisertums und der fortschreitenden Territorialisierung des Reiches blieb die Reichsidee bis zum Ende des alten Reiches 1806 erhalten. Nach 1806 lebte sie in der Auseinandersetzung um die deutsche Frage in der großdeutschen Lösung fort, wurde dann aber durch die Verwirklichung der kleindeutschen Lösung in der Reichsgründung von 1871 in den Hintergrund gedrängt. Im Nationalsozialismus wurde die Reichsidee in pervertierter Form zur Rechtfertigung der Rassen- und der Expansionspolitik wieder belebt.

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