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Edgar Reitz (*1932), deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann. Nachdem er sich als einer der wichtigsten Filmemacher des Neuen deutschen Films profiliert hatte, erlangte er großes nationales und internationales Renommee durch seinen monumentalen dreiteiligen Heimat-Zyklus (1984, 1992 und 2004), eine Familienchronik, die die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Reitz wurde am 1. November 1932 in Morbach (Hunsrück) geboren. Nach dem Abitur absolvierte er ein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft in München, ehe er ab 1957 Dokumentar- und Kurzfilme für die Industrie drehte. 1962 gehörte Reitz zu den Unterzeichnern des Oberhausener Manifestes, in dem eine Ablösung des deutschen Unterhaltungsfilms der fünfziger Jahre gefordert wurde. Zusammen mit Alexander Kluge rief er in Ulm das Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung ins Leben, wo er ab 1963 als Dozent tätig war. 1966 wirkte er als Kameramann bei Kluges Spielfilm Abschied von gestern mit. Im selben Jahr realisierte Reitz unter dem Titel Mahlzeiten seinen ersten eigenen Kinofilm; dieser wurde bei den Filmfestspielen von Venedig 1967 mit einem Preis für den besten Erstlingsfilm ausgezeichnet. 1969 entstand Cardillac (nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E. T. A. Hoffmann). Zusammen mit Ulla Stöckl drehte Reitz Die Geschichten vom Kübelkind (1970), ein Film, der aus zweiundzwanzig Episoden unterschiedlicher Länge besteht und die Geschichte eines negativ verlaufenden Sozialisationsprozesses erzählt. Es folgten Die Reise nach Wien (1973) und In Gefahr und in der Not bringt der Mittelweg den Tod (1974). Stunde Null (1976) bietet ein authentisches Bild der Situation in Thüringen und Sachsen unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, als die amerikanischen Soldaten abzogen und die Rote Armee nachrückte. 1977 steuerte Reitz eine kurze Episode zu Deutschland im Herbst bei, der gemeinsam mit anderen namhaften deutschen Autorenfilmern entstand, darunter Rainer Werner Fassbinder, Bernhard Sinkel und Alf Brustellin, Alexander Kluge und Volker Schlöndorff. Der Film fängt das politische Klima in der Bundesrepublik Deutschland unter dem Eindruck des RAF-Terrorismus ein. Es folgte das ehrgeizige Projekt Der Schneider von Ulm (1978) über den Schneider Berblinger, der Ende des 18. Jahrhunderts mit selbst gebauten Flugmaschinen versuchte, den Traum vom Fliegen wahr zu machen. Der Film wurde von Publikum und Kritik reserviert aufgenommen; auch der Regisseur selbst beurteilte sein Werk später als weitgehend missglückt. Der Dokumentarfilm Geschichten aus den Hunsrückdörfern, der auch Spielszenen enthält, ist eine sehr persönliche Annäherung an die Menschen seiner Heimat. Dieses Projekt mündete in die elfteilige, fünfzehneinhalbstündige Fernsehserie Heimat (1984), der auch international ein großer Erfolg wurde. Heimat ist die Chronik einer Familie in dem fiktiven Hunsrückdorf Schabbach im Zeitraum von 1919 bis 1982 und weist den Regisseur als großen Erzähler aus. Das Werk besticht u. a. durch seine Fabulierlust, seine Authentizität und seine hervorragenden darstellerischen Leistungen. Zentrale Figur ist Maria Simon, gespielt von Marita Breuer, deren Lebensgeschichte von der Zeit unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg bis zu ihrem Tod Anfang der achtziger Jahre erzählt wird. In narrativen Verästelungen wird auch die Geschichte der Familienmitglieder und anderer Nebenfiguren verfolgt. Das Drehbuch verfasste Reitz zusammen mit Peter Steinbach. Aus der Figur des Hermann Simon, Marias unehelicher Sohn, entwickelte Edgar Reitz den Protagonisten für sein noch umfangreicheres Werk Die zweite Heimat (1992). Das Epos umfasst dreizehn Teile und dauert insgesamt mehr als 26 Stunden. Es schildert die Erlebnisse des Komponisten und Pianisten Hermann Simon in München von Anfang der sechziger bis zu Beginn der siebziger Jahre. Die zweite Heimat überzeugt durch sein Lokalkolorit und die authentische Darstellung der Münchner Künstler- und Bohemienszene in den sechziger Jahren. In den Hauptrollen waren Henry Arnold, Salome Kammer und Anke Sevenich zu sehen. Sowohl Heimat als auch Die zweite Heimat wurden national und international gefeiert und brachten Edgar Reitz großes Renommee ein. Mit Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende (2004) beendete Reitz seinen monumentalen Erzählzyklus. Im Mittelpunkt des in sechs Episoden zu je eineinhalb Stunden gegliederten dritten Teils, der die gesellschaftliche Entwicklung vom Fall der Berliner Mauer im November 1989 bis zum Millennium verarbeitet, steht wiederum der Komponist Hermann Simon sowie seine Lebensgefährtin, die Sängerin Clarissa Lichtblau. Der Abschluss der Trilogie erreichte nach Auffassung der Kritik nicht das künstlerische Niveau der beiden vorangegangenen Teile. Der elegische Erzählstil entfaltet nicht die Kraft der Vorgängerwerke, die Aufarbeitung deutscher Zeitgeschichte ist nicht frei von Klischees und Stereotypen, die abgehobene Liebesgeschichte des Künstlerpaares Hermann und Clarissa vermag nicht zu fesseln, die Fäden der Familiengeschichte werden ohne Empathie weitergesponnen.
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