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Russische Revolution (1905), die erste Phase der politischen Umwälzungen in Russland 1905 bis 1907, in deren Folge in der Februarrevolution 1917 der Zarismus abgelöst und in der Oktoberrevolution eine kommunistische Herrschaft etabliert wurde.
Seit dem späten 19. Jahrhundert machte sich in weiten Teilen der russischen Bevölkerung zunehmend Unzufriedenheit breit: Die Erwartungen der Bauern an den Erwerb von Landbesitz waren durch die Bauernbefreiung von 1861 nicht befriedigt worden; die Belastungen und Folgen der fortschreitenden Industrialisierung brachten ein wachsendes, unzufriedenes Proletariat in den Städten hervor; die Nationalitäten in den Randzonen des Russischen Reiches widersetzten sich mehr und mehr der Russifizierung; und in der Intelligenz, der gebildeten Oberschicht, sowie bei liberalen Teilen des Adels, der sich zunehmend in den Semstwos, den seit 1864 bestehenden Selbstverwaltungsorganen, engagierte, wurden Forderungen nach sozialen Reformen und einer Verfassung laut. Seit dem späten 19. Jahrhundert entstanden sowohl in Russland selbst als auch unter Exilrussen im Ausland am Marxismus ausgerichtete revolutionäre Zirkel, die sich zunehmend in (illegalen) Parteien organisierten. 1897 wurde die erste überregionale sozialdemokratische Gruppierung ins Leben gerufen, der allgemeine jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland; 1898 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), die sich 1903 in die Fraktionen der Bolschewiki und der Menschewiki spaltete, gegründet, und 1902 entstand aus Narodniki-Gruppen die Partei der Sozialrevolutionäre. Alle diese Gruppierungen und Parteien agitierten bei den Bauern, dem Proletariat und bei der Intelligenz für einen evolutionären bzw. revolutionären Umsturz der sozialen und politischenVerhältnisse. Im November 1904 forderte ein Semstwo-Kongress die Einberufung eines Parlaments (siehe Duma) und die Umwandlung des Staates in eine konstitutionelle Monarchie. Eine schwere Wirtschaftskrise, die auch durch den Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) verursacht worden war, sowie die sich abzeichnende Niederlage in diesem Krieg führte zur Zuspitzung der inneren Krise und löste Anfang 1905 eine Streikbewegung aus.
Am 22. Januar 1905 schossen zaristische Truppen in eine vor dem Winterpalais in Sankt Petersburg friedlich für wirtschaftliche und soziale Reformen demonstrierende Menschenmenge (siehe Blutsonntag). Daraufhin kam es beinahe überall im Land zu Unruhen, Streiks und Aufständen. Am 3. März 1905 kündigte Zar Nikolaus II. die Einberufung einer beratenden Versammlung an, woraufhin die Unruhen vorübergehend abflauten. In den folgenden Monaten entstanden in der Intelligenz, unter den Arbeitern und den Bauern revolutionäre Gruppen, auch Teile des Militärs schlossen sich dem Aufstand an (Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potjomkin am 14. Juni 1905). Im Oktober weiteten sich die Aktivitäten zum Generalstreik aus; in Sankt Petersburg trat erstmals ein Rat (Sowjet) der Arbeiterdeputierten zusammen, Moskau und schließlich das ganze Land folgten dem Petersburger Beispiel. Nikolaus sah sich nun zu Zugeständnissen gezwungen und erließ am 30. Oktober das so genannte Oktobermanifest, in dem er die Einberufung einer Volksvertretung mit eingeschränkter gesetzgebender Gewalt und den Erlass einer Verfassung zusagte sowie die bürgerlichen Grundrechte wie Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit zugestand. Sergej J. Witte wurde Ministerpräsident. Durch diese Zugeständnisse war die bürgerliche Opposition – Oktobristen und Kadetten – im Wesentlichen zufrieden gestellt; die Kadetten verlangten allerdings über das Oktobermanifest hinaus die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie. Die sozialdemokratischen und -revolutionären Gruppen, insbesondere die Bolschewiki, setzten unterdessen die Unruhen und Erhebungen gegen die Regierung fort. Am 16. Dezember 1905 wurde der Petersburger Sowjet verhaftet; der anschließende Arbeiteraufstand in Sankt Petersburg (22. Dezember 1905 bis 1. Januar 1906) wurde blutig niedergeschlagen, ebenso die spontanen Bauernaufstände auf dem Land. Am 2. Mai 1906 wurde der Ministerpräsident Witte entlassen. Am 6. Mai, noch bevor die erste gewählte Duma zusammentrat, erließ Nikolaus die „Reichsgrundgesetze”. Diese oktroyierte Verfassung schränkte die Autokratie des Zaren nur unwesentlich ein und etablierte neben der Duma einen Reichsrat, der in etwa dieselben Kompetenzen wie die Duma hatte und dessen Mitglieder zum Teil vom Zaren ernannt wurden; zudem musste jedes von der Duma vorgelegte Gesetz vom Reichsrat und vom Zaren gebilligt werden. Am 10. Mai trat die erste Duma zusammen. In ihr waren die Kadetten stärkste Partei; die Linken hatten die Wahl boykottiert und waren nicht in der Duma vertreten. Bereits am 21. Juli wurde die Duma aufgrund der radikalen Forderungen der Kadetten wieder aufgelöst. Neuer Ministerpräsident wurde im Juli Pjotr A. Stolypin. Am 5. März 1907 trat die zweite Duma zusammen, der nun auch Vertreter der revolutionären Gruppierungen angehörten und in der die Kadetten sich nun für eine Zusammenarbeit mit der Regierung aussprachen, sich allerdings nicht gegen die Linken durchsetzen konnten. Am 16. Juni 1907 wurde auch diese zweite, radikalere Duma auf Initiative Stolypins aufgelöst. Am selben Tag wurde ein neues Wahlgesetz erlassen, das die besitzenden Klassen eindeutig bevorzugte und Zar und Regierung eine konservative, loyale Mehrheit in der Duma garantierte. Die nach diesem Zensuswahlrecht gewählte dritte Duma, die am 14. November 1907 ihre Arbeit aufnahm, entsprach den Vorstellungen von Zar und Regierung und hatte eine volle Legislaturperiode von fünf Jahren (bis zum 22. Juni 1912) Bestand. Ihre Rechte waren im Vergleich zu denen der beiden vorhergehenden Dumen noch weiter eingeschränkt; sie war weitgehend wirkungslos. Das liberale Bürgertum war mit seiner Forderung nach einer konstitutionellen Monarchie ebenso gescheitert wie die revolutionären Kräfte mit ihrem Ziel einer weiter gehenden Umgestaltung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Aber unter den Bedingungen des Scheinkonstitutionalismus entwickelten sich Strukturen, die schließlich in der Februarrevolution 1917 die Ablösung des Zarismus ermöglichten.
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