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Helge Schneider

Enzyklopädieartikel

Helge Schneider (*1955), deutscher Musiker, Sänger, Schauspieler, Autor und Komiker. Bekannt wurde er durch seine unverwechselbare anarchische Komik, aber auch durch populäre Nonsenslieder in der Art des deutschen Schlagers wie Katzeklo.

Schneider wurde am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) geboren. Mit fünf Jahren lernte er Klavier spielen, mit zwölf Jahren erhielt er Cellounterricht. 1971 verließ Schneider das Gymnasium und begann eine Lehre als Bauzeichner; ein Jahr später legte er die Sonderbegabtenprüfung des Duisburger Konservatoriums ab und studierte anschließend Musik mit Schwerpunkt Piano. Daneben arbeitete er als Verkäufer, Bürogehilfe und Fabrikarbeiter. 1974 brach er eine im Jahr zuvor begonnene Ausbildung zum Landschaftsgärtner ab und startete eine reine Musiker- und Sängerkarriere. Er spielte zunächst Saxophon und Akkordeon in mehreren Bands; seinen Lebensunterhalt bestritt er als Tournee- und Studiomusiker für andere Künstler, als Komponist von Filmmusiken, als Sprecher in Hörspielen und als Stummfilm-Pianist.

1984 begann er mit eigenen abendfüllenden Programmen, in denen er als Sänger, Instrumentalist und Komiker auftrat. Die hier von ihm kreierte Mischform aus dilettantisch improvisiert wirkender Nonsens-Comedy und virtuosen musikalischen Einlagen, präsentiert in phantasievoll-skurriler Verkleidung (Plateauschuhe, Schlaghosen, Perücke etc.), brachte der „singenden Herrentorte aus dem Ruhrgebiet” (Selbstbezeichnung) schnell viele Anhänger ein und verschaffte ihm Ende der achtziger Jahre den Nimbus eines Kultstars. 1989 erschien mit Seine größten Erfolge das erste Soloalbum. Schneiders folgende Plattenveröffentlichungen, oft Ausschnitte aus seinen Bühnenprogrammen, waren zum Teil eher komödiantisch geprägt, zum Teil aber auch rein musikalisch. Der endgültige Durchbruch gelang ihm mit den Platten Guten Tach! (1992) und Es gibt Reis Baby (1993), Letztere mit dem Blödelhit Katzeklo. Seitdem unternimmt Schneider regelmäßig ausgedehnte Tourneen in den größten Hallen, teilweise solo, teilweise mit Begleitband (u. a. „Hardcore”, „Die alten Wurstgesichter mit den unterlaufenen Augen und den unter den Achseln kneifenden zu engen Jäcklein” und „The Firefuckers”). Weitere Alben Schneiders waren Es rappelt im Karton (1996), Da Humm (1997, mit dem Singlehit Fitze Fitze Fatze), Eiersalat in Rock (1999), Hefte raus – Klassenarbeit (2000) und Out of Kaktus (2003, mit dem Hit Helges Möhrchen-Lied). Außerdem schrieb er bewusst improvisiert wirkende Hörspiele, in denen er oftmals selbst mehrere Sprechrollen übernahm.

Ab Anfang der neunziger Jahre veröffentlichte Schneider zudem zahlreiche Bücher, darunter die „AutobiographieGuten Tach. Auf Wiedersehen (1992) und eine Reihe von grotesk-absurden Kriminalromanen um „Kommissar Schneider”: Zieh dich aus, du alte Hippe (1994), Das scharlachrote Kampfhuhn (1995), Der Mörder mit der Strumpfhose (1996), Der Scheich mit der Hundehaarallergie (2001) sowie Aprikose, Banane, Erdbeer (2004). Unter dem Autorennamen Helga Maria Schneider erschien Eiersalat. Eine Frau geht seinen Weg (1999). Mit Globus Dei. Vom Nordpol bis Patagonien (2005) veröffentlichte Schneider einen sehr erfolgreichen fiktiven Reiseroman.

Schneider, der bereits seit den achtziger Jahren gelegentlich als Filmschauspieler in Erscheinung trat (insbesondere in Werken von Regisseur Christoph Schlingensief), ist seit Beginn der neunziger Jahre parallel zu seiner musikalischen, komödiantischen und schriftstellerischen Arbeit auch als Filmemacher tätig. Sein Regiedebüt Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) wurde der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 1994. Es folgten die banalisierende James-Bond-Parodie 00 Schneider – Die Jagd auf Nihil Baxter (1994) sowie die Nonsenskomödien Praxis Dr. Hasenbein (1996) und Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm (2004). Für alle seine Filme zeichnete er auch als Drehbuchautor und Hauptdarsteller verantwortlich. Sprechrollen übernahm er in den Trickfilmen Felidae (1993, nach Akif Pirinçci), Kleines Arschloch – Der Film (1997, nach dem Comic von Walter Moers) und Käpt’n Blaubär (2002, ebenfalls nach Moers).

Mit dem handlungsarmen Pferde-Musical Mendy – ein Wusical (2003), seiner ersten Theaterregie, profilierte sich der eigenwillige Humorist als später Nachfahre der Dadaisten. Für Dani Levy stand Schneider in dessen Hitler-Satire Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (2007) vor der Kamera; er distanzierte sich jedoch von der endgültigen Fassung des Films. Schneider wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Prix Pantheon (2004), dem Deutschen Comedypreis (2005) und dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft (2006).

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