Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Schwarzer HumorEnzyklopädieartikel
Schwarzer Humor, von André Breton mit seiner Anthologie de l’Humor Noir (1937; Anthologie des schwarzen Humors) in den Literaturdiskurs eingebrachter Begriff, der das mitunter zynische oder sarkastische, immer aber von moralischen Skrupeln freie, intellektuelle Scherzen über – der Konvention nach – Grauenhaftes und Schreckliches bezeichnet. Dabei stehen häufig soziale Tabuthemen wie Tod, Verbrechen, Grausamkeit oder Behinderung im Zentrum des Interesses. Mit der Groteske hat schwarzer Humor den Hang zur Verfremdung und Übertreibung gemein. Durch die ihm zugrunde liegende moralische Indifferenz – und durch den oftmals fehlenden Zeitbezug – ist er von der nach Weltverbesserung strebenden Satire unterschieden. Im Gegensatz zur Ironie zielt schwarzer Humor nicht durch uneigentliches Sprechen auf eine vom Leser zu entschlüsselnde Botschaft (das „eigentlich Gemeinte”), sondern konstatiert lediglich die von ihm beschriebene Situation ohne weiter reichende Implikationen. Allgemein liegt schwarzem Humor das Vermögen zugrunde, eine von gesellschaftlicher Normierung abweichende Perspektive einzunehmen. Eine stark situationsgebundene Sonderform des schwarzen Humors ist der so genannte Galgenhumor, der das heitere Sichabfinden mit einer unausweichlichen oder gar tödlichen Situation – etwa den witzigen Einwurf des Delinquenten auf dem Weg zum Schafott – beschreibt. Von Sigmund Freud als „gröbster Fall des Humors” verunglimpft, zitiert Breton gerade den Galgenhumor als Beweis sublimer Wesensart. Auch ursprünglich satirisch gemeinte Werke wie Voltaires Candide oder Johann Carl Wezels Belphegor können aus heutiger Sicht, ihrer Zeitkritik enthoben, als Zeugnisse schwarzen Humors gelesen werden. Als erster Beitrag gilt Jonathan Swifts Ein bescheidener Vorschlag, wie man die Kinder der Armen daran hindern kann, ihren Eltern oder dem Lande zur Last zu fallen, der auf der Idee basiert, die Ernährungsprobleme der Armen durch gezielten Kannibalismus zu lösen. Vor allem die Literatur der Romantik festigte mit ihrer Entdeckung menschlicher Nachtseiten die Tradition. Wichtige Vertreter der Richtung waren u. a. François Rabelais, Edgar Allan Poe, Christian Dietrich Grabbe, Ambrose Bierce, Saki, Alfred Jarry und Roald Dahl. In der bildenden Kunst traten etwa Edward Gorey, Gary Larson und der belgische Zeichner Kamagurka, in der Musik Georg Kreisler und Ludwig Hirsch als schwarzhumorig hervor. Demgegenüber stellen die Bildergeschichten Wilhelm Buschs allenfalls einen Grenzfall dar, weil sie das Schreckliche (die Tabuverletzung) nur mehr als Medium zur Übermittlung einer Moral und einer Kritik an menschlichem Fehlverhalten funktionalisieren.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |