Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse SexualdimorphismusEnzyklopädieartikel
Sexualdimorphismus (griechisch di-: zwei; morphē: Gestalt), Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht hinsichtlich phänotypischer Merkmale. Auffälliger Sexualdimorphismus, wie er bei vielen Tierarten auftritt, steht meist im Zusammenhang mit sexueller Selektion. Unterschiede zwischen den Geschlechtern entstehen im Lauf der Evolution dadurch, dass männliche und weibliche Individuen einer Art unabhängig voneinander danach streben, ihre genetische Fitness zu steigern, also vor allem die Zahl überlebender und sich erfolgreich fortpflanzender Nachkommen zu erhöhen. Nach der Theorie des „egoistischen Gens” von Richard Dawkins geht es dabei nicht nur um eine optimale Zusammenarbeit mit dem Sexualpartner bei der Erzeugung und Aufzucht der Jungen, sondern auch darum, dieses Ziel mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen (siehe Verhaltensökologie). Nach den Worten von Sir Ronald Fisher entwickelt sich ein „evolutionäres Wettrennen” zwischen den Geschlechtern um die beste Anpassung, wobei die optimale Strategie von Art zu Art schwankt. Sexualdimorphismus entwickelt sich in erster Linie unter dem Einfluss von Sexualhormonen. Als primären Sexualdimorphismus bezeichnet man die Unterschiede in Bau und Größe der Geschlechtsorgane sowie der Keimzellen getrenntgeschlechtiger Tiere und des Menschen (siehe Sexualität). Der sekundäre Sexualdimorphismus betrifft Körpergröße, äußere Gestalt und Färbung. Vor allem in der Evolution von Arten mit einem komplexeren Sozial- und Balzverhalten – wie bei vielen Säugetieren, Vögeln und einigen Insekten – ist er von großer Bedeutung. Bei Säugern sind die Männchen in der Regel größer und kräftiger als die Weibchen. Manche besitzen vergrößerte Zähne, Hörner oder Geweihe, die als Waffen im Kampf eingesetzt werden, aber auch als Signal für Artgenossen. Im sozialen System dieser Arten spielen Auseinandersetzungen zwischen Rivalen eine entscheidende Rolle, in denen sich das überlegene Männchen ein eigenes Revier bzw. Zugang zu den paarungsbereiten Weibchen erkämpft (siehe Harem). Viele Vogelmännchen besitzen im Gegensatz zu den Weibchen ein auffälliges, farbenprächtiges Federkleid, beispielsweise Paradiesvögel, viele Entenarten oder der Argusfasan. Während der Balz wählen die Weibchen ihren Sexualpartner anhand dieses Merkmals. William Donald Hamilton und Marlene Zuk stellten bereits 1982 im Wissenschaftsjournal Science die These auf, ein schönes Gefieder weise darauf hin, dass das betreffende Männchen gesund sei, und sei damit ein allgemeines Zeichen für „gute Gene”. In einigen Fällen haben sich sexuell selektierte Organe so überdimensional entwickelt, dass sie bei der Nahrungssuche oder Flucht hinderlich sein können. So besitzen Winkerkrabbenmännchen eine extrem vergrößerte Schere, die sie zum Anlocken der Weibchen nutzen, aber auch im ritualisierten Kommentkampf (siehe Beschädigungskampf) mit Rivalen der eigenen Art einsetzen. Pfauenmännchen erwecken mit ihrem Rad aus stark verlängerten und auffallend gemusterten Oberschwanzdecken den Eindruck überlegener Größe, können aber Fressfeinden aufgrund dieser langen Federn nicht so leicht entkommen. Wie delikat die Balance zwischen sexueller und natürlicher Selektion ist, zeigt sich auch am Beispiel von Hirschen: Sie werfen ihr Geweih nach der Brunst ab und bilden es in der folgenden Saison neu, weil ein permanentes Geweih sie nicht nur in ihrer Beweglichkeit einschränkt, sondern auch den Energiebedarf des Körpers erhöht. Tendenziell sind allerdings Weibchen das größere Geschlecht, insbesondere bei vielen Mollusken, Krebstieren, Insekten, Fischen, Amphibien, Schildkröten und Schlangen. In einigen Fällen beträgt der Größenunterschied mehr als das Zehnfache; die so genannten Zwergmännchen dieser Arten sind vor allem effektive Samenproduzenten. In Lebensräumen wie der Tiefsee, wo Nahrung knapp oder die Suche nach Sexualpartnern schwierig ist, lässt sich dieses Phänomen häufiger beobachten, z. B. bei manchen Kraken. Bei Anglerfischen aus der Ordnung der Armflosser saugen sich die winzigen Männchen oft zu mehreren am Bauch eines Weibchens fest, verwachsen mit diesem und bilden die meisten eigenen Organe zurück; die Hoden dagegen wachsen und produzieren die zur Befruchtung nötigen Spermien. Die Zwergmännchen der parasitischen Meeresschnecke Enteroxenos leben sogar innerhalb des Körpers des Weibchens, genauso wie die der Igelwurmart Bonellia viridis.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |