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  • Sozialisation – Wikipedia

    Die Sozialisation (aus dem Lateinischen, sociare = verbinden) ist die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch Internalisation (Verinnerlichung) von Normen.

  • Sozialisation

    Sozialisation . Auch Sozialisierung; Englisch socialization; Definition Der Begriff Sozialisation ist nicht eindeutig und allgemein verbindlich definiert.

  • Peter Möller - Sozialisation

    Sozialisation ... Sozialisation. Sozialisation ist ein in den Sozialwissenschaften oft gebrauchter Begriff, der manchmal unzulässig verkürzt mit "Erziehung" übersetzt wird.

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Sozialisation

Enzyklopädieartikel

Sozialisation, auch Sozialisierung oder Vergesellschaftung, Prozess der Eingliederung eines Menschen in eine soziale Gruppe bzw. in die Gesellschaft. Die von der Soziologie beschriebene Sozialisation unterscheidet sich von den in der Entwicklungspsychologie thematisierten Verläufen, da sie mehr Gewicht auf die sozialen Vorgänge legt.

Im Sozialisationsprozess werden die Verhaltensweisen erlernt, die das Individuum zur Teilnahme an der Gesellschaft benötigt; unterschieden wird dabei zwischen der primären und der sekundären Sozialisation. Die primäre Sozialisation – zuweilen auch „soziokulturelle Geburt” genannt – findet in der Regel in der Familie statt und unterteilt sich in drei Phasen.

Die erste Phase trägt die Bezeichnung Soziabilisierung, weil das Neugeborene hier überhaupt erst einmal mit „dem Sozialen”, der Tatsache, dass es nicht allein auf der Welt ist, bekannt gemacht wird, vor allem mit seiner ersten Bezugsperson, meist der Mutter. Im (zunächst insbesondere körperlichen) Kontakt mit der Mutter erlernt der Säugling den Bezug zu einem anderen, das Eingehen auf die Reize, die von diesem gesendet werden, und das Aussenden eigener Reize, die eine bestimmte Reaktion beim anderen hervorrufen. Der Säugling erwirbt in dieser ersten Phase im Idealfall eine emotionale Fundierung (Dieter Claessens) bzw. ein Urvertrauen (Erik H. Erikson), das ihm für das weitere Leben eine Grundlage vermittelt, auf der sein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbauen können. Bleibt in dieser wichtigen Phase der Menschwerdung die notwendige emotionale Zuwendung aus, so können Entwicklungsschäden auftreten, die in schlimmen Fällen bis zum Hospitalismus (René A. Spitz) reichen können.

In einer zweiten Phase lernt das Kind durch Kontakt mit anderen, sich als soziales Wesen in einer Gruppe zu bewegen, und entwickelt dabei schrittweise seine Persönlichkeit. Es erfährt aus den zustimmenden oder ablehnenden, belohnenden oder strafenden Reaktionen der anderen, dass dieses Handeln erwünscht und jenes unerwünscht ist. In immer stärkerem Maße lernt es, seine Handlungen an den Erwartungen der anderen zu orientieren (was nicht bedeutet, ihnen blind durch Anpassung zu entsprechen) und sich durch deren Augen wahrzunehmen. Die Gruppe fungiert dabei als verallgemeinerter anderer (George H. Mead) und bildet eine Art Spiegel (Charles H. Cooley) für das kindliche Ich, das schrittweise die für die Selbstreflexion notwendige Distanz zu sich und die Kontrolle seiner Impulse erlernt. Durch diese Distanz zu sich kann das Kind ein Selbstbewusstsein entwickeln, in dem es sich selbst zum Objekt, zum Gegenstand des Nachdenkens über sich und seine Handlungen machen kann. Wichtig in dieser Phase ist das Spiel, in dem das Kind Rollen übernimmt und spielerisch ausprobiert. Langsam begreift es auch den Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen sowie die Tatsache, dass es selber einmal „groß” sein wird. Auf diesem Weg wird der natürliche Egozentrismus durchbrochen, indem Frustrationen, denen das Kind in einem erträglichen und zu verarbeitenden Ausmaß ausgesetzt ist, in die Persönlichkeit integriert werden. Aus psychoanalytischer Sicht findet hierbei eine andauernde Auseinandersetzung zwischen Es, Über-Ich (dem „inneren Vertreter” der Gesellschaft mit ihren Geboten und Verboten) und dem sich erst noch bildenden Ich statt; wird dabei ein zu starker Triebverzicht (unter Umständen sogar durch Gewalt) erzwungen, kann es zu Entwicklungsschäden kommen, die sich (später) in Neurosen oder anderen Psychopathologien zeigen.

In der dritten Phase wird das Kind in die jeweilige Kultur eingeführt. Da es mittlerweile auch seine Sprache weit genug entwickelt hat, um sich mit anderen unterhalten zu können, kann es mit Normen und Regeln vertraut gemacht werden. Es lernt, was in seiner sozialen Umwelt als gut und böse, moralisch und unmoralisch, liebenswert und verhasst gilt – und was dies für sein Verhalten bedeutet. Hier entsteht ein Vorrat an Grundwerten, die für die jeweilige Gesellschaft wichtig und typisch sind und die vom Kind internalisiert, verinnerlicht werden. Durch diese Identifizierung mit den gesellschaftlichen und kulturellen Moralprinzipien bildet sich das Gewissen als soziale Instanz in der Seele des Individuums. Als ideales Ergebnis der primären Sozialisation verfügt der Mensch über die Grundlage für eine gefestigte Ich-Identität, die ihm die Auseinandersetzung zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft ermöglicht; Entwicklungen, die in der primären Sozialisation versäumt wurden, sind später nur unter großen Schwierigkeiten nachzuholen.

Die sekundäre Sozialisation findet in einem Umfeld statt, das sich mit zunehmendem Alter immer weiter von der Familie entfernt. Sozialisationsräume werden nun Schule, Berufsausbildung, Freundeskreise, Vereine und Ähnliches; der Mensch lernt neue Wirklichkeiten kennen, die sich unter Umständen sehr von denen seiner Familie, Schicht und Kultur unterscheiden, und muss sich in ihnen „bewähren”, indem er die hier notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt.

Sozialisation findet immer im Hinblick auf eine bestimmte Gesellschaft statt; sie setzt also soziale Handlungsziele, Rollen, Formen sozialer Beziehungen, Normen und Werte (auch wenn diese dauernd in Bewegung sind) bereits voraus. Eine geschlechtsspezifische Sozialisation setzt – historisch und kulturell verschiedene – inhaltlich unterschiedliche Schwerpunkte in der Erziehung von Mädchen und Jungen, und eine schichtspezifische Sozialisation vermittelt das Normen- und Wertesystem sowie das Rollenverhalten der Herkunftsschicht. Je komplexer eine Gesellschaft, desto weniger reicht die zunächst prägende Kleingruppe aus, desto mehr schulisches und berufliches Wissen muss erlernt werden und desto mehr kulturelle Fertigkeiten werden verlangt. Im eigentlichen Sinn des „Hineinwachsens in eine Gesellschaft” endet Sozialisation im Lauf des Lebens niemals, besonders nicht in einer modernen, stark ausdifferenzierten Gesellschaft.

Früher wurde in der kritischen Soziologie die Funktion der Familie als „Sozialisationsagentur” dafür kritisiert, dass sie tendenziell zur Anpassung an „das System” erziehe und den eigentlichen Sozialisationsauftrag nicht erfülle, nämlich erwachsene, selbstbewusste, moralisch aufrechte Menschen zu bilden. Heute ist immer häufiger davon die Rede, dass die Familie wichtige Bildungsleistungen wie Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltekraft oder Verantwortungsbewusstsein und grundlegende Werte nicht mehr vermittele, so dass sie ihre Kinder mit mangelhaften Persönlichkeitsstrukturen in die Gesellschaft entlasse.

Im (wirtschafts-)politischen Bereich wird der Begriff Sozialisierung für die Überführung von Privateigentum in Gemeineigentum verwendet.

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