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Sprachgesellschaften

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Andreas GryphiusAndreas Gryphius

Sprachgesellschaften, Bezeichnung für die gelehrten Vereinigungen des Barock im 17. Jahrhundert, die sich als Ausdruck humanistischer Gesinnung und in kulturreformerischer Absicht der Pflege der deutschen Sprache – der so genannten „Sprachreinigung” – und der Förderung der „Spracharbeit”, also philologischen, grammatikalischen, poetologischen und lexikographischen Studien, widmeten. Die Mitglieder waren zumeist Angehörige des Adels, Gelehrte und Hofbeamte; um Standesunterschiede zu egalisieren, erhielten sie einen Gesellschaftsnamen, unter dem sie ihre Werke veröffentlichten. Fast alle bedeutenden Dichter der Barockzeit waren Mitglied einer, oft auch mehrerer Sprachgesellschaften.

Nach dem Vorbild der florentinischen Accademia della crusca entstand 1617 als erste deutsche Sprachgesellschaft die von Ludwig Fürst von Anhalt-Köthen in Weimar errichtete Fruchtbringende Gesellschaft (auch Palmenorden). Während ihrer Blütezeit zwischen 1640 und 1680 umfasste sie über 500 Mitglieder, darunter Johann Valentin Andreae, Anton Ulrich von Braunschweig, Sigmund von Birken, August Buchner, Andreas Gryphius, Philipp Harsdörffer, Friedrich von Logau, Johann Michael Moscherosch, Martin Opitz und Philipp von Zesen. Nach ihrem Vorbild stiftete Zesen 1643 in Hamburg die Deutschgesinnete Genossenschaft, zu deren 207 Mitgliedern Catharina Regina von Greiffenberg, Johann Klaj, Harsdörffer, Birken und Moscherosch zählten. 1644 wurde der Pegnesische Blumenorden von Harsdörffer und Klaj gegründet, trat aber erst durch Birkens Mitarbeit deutlicher in Erscheinung. Er hatte den Charakter einer bürgerlichen Dichtervereinigung und beschränkte sein bis ins 18. Jahrhundert hineinreichendes Wirken auf den Nürnberger Raum. Johann Rist begründete 1658 in Hamburg den Elbschwanenorden, dem u. a. Georg Greflinger und Gottfried Wilhelm Sacer angehörten. Die bereits 1633 ins Leben gerufene Aufrichtige Tannengesellschaft in Straßburg hatte in ihrem Stifter Rompler von Löwenhalt ihren Mittelpunkt und unterhielt Kontakte zu Zesen, Moscherosch und Johann Heinrich Schill.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Sprachgesellschaften ihre Bedeutung, wurden aufgelöst oder änderten ihre Zielsetzung, wie die Görlitzische Poetische Gesellschaft, die sich unter der Leitung Johann Christoph Gottscheds neuen dichtungstheoretischen Fragen zuwandte.

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