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Windows Live® Suchergebnisse SpruchdichtungEnzyklopädieartikel
Spruchdichtung, von dem Altphilologen Karl Simrock 1833 in seiner Ausgabe der Werke Walthers von der Vogelweide eingeführter Begriff zur Bezeichnung mittelhochdeutscher Lieder und Gedichte, die sich thematisch und zum Teil auch formal vom Minnesang unterscheiden; innerhalb der Literaturwissenschaft wird der Terminus heute für Denk- und Weisheitssprüche allgemein verwandt (siehe Spruch). Jedoch wurden bei dem Begriff Spruchdichtung, wie Hermann Schneider zeigte, zwei Dichtungsarten miteinander vermengt. Es sind dies der gesprochene Sprechspruch sentenziös-didaktischen Inhalts in vierhebigen Reimpaaren, auf den sich das mittelhochdeutsche spruch ausschließlich bezog, und der einstrophige lyrische Sangspruch persönlichen, politischen, religiösen oder allgemein lehrhaft-moralischen Inhalts zum rezitativischen Vortrag. Hauptvertreter des Sprechspruchs sind Freidank (um 1230), später Heinrich der Teichner und Peter Suchenwirt, schließlich auch Hans Sachs. Meisterhafte Qualität erreichte die mittelhochdeutsche Sangspruchlyrik mit großem formalem und thematischem Reichtum bei Walther von der Vogelweide, der meist sechs bis zwölf achthebige alternierende Verse mit kompliziertem Reimbau verwandte. Die Spruchdichtung wurde hauptsächlich von fahrenden Sängern verfasst, war also überwiegend Gebrauchslyrik. Aus der Vielzahl der Spruchdichter des 13. und frühen 14. Jahrhunderts ragen Reinmar von Zweter, Bruder Werner, der Marner, Konrad von Würzburg und Heinrich von Meißen hervor. Die anfangs sprichwortähnlich knappe Form wurde im Lauf der Jahrhunderte immer länger, bis im bürgerlichen Mittelalter Lied- und Spruchdichtung allmählich miteinander verschmolzen und der Sangspruch im Meistersang aufging (siehe Meistersinger). Der Begriff der Spruchdichtung bezeichnet auch eine nordische Eigengruppe der Edda, in der Mahnsprüche, Lebensregeln, Zaubersprüche und Rätsel zu einem längeren Lehrgedicht zusammengefasst sind. In der neueren Literaturgeschichte findet sich Spruchdichtung als didaktische Vollform in der Alterslyrik Johann Wolfgang von Goethes oder bei Friedrich Rückert (Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839). Mit der Mischung bzw. Auflösung der lyrischen Gattungen in der Moderne verlor das Spruchgedicht seine Sonderstellung. Die stilistischen Merkmale der Gattung aber – prägnante, an ein Publikum adressierte Aussage, allgemeine Geltung etc. – werden von spruchhafter Lyrik weitertradiert.
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