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Tausch

Enzyklopädieartikel

Tausch, eine Form der Transaktion, bei der Produkte und Leistungen wechselseitig zwischen sozialen Akteuren übertragen werden. Voraussetzung für das Zustandekommen einer Tauschaktion ist das Vorhandensein eines materiellen Überschusses, aber auch eines wirtschaftlichen, sozialen oder rituellen Bedürfnisses bei den Tauschpartnern. Die Zugehörigkeit der Tauschakteure ist dabei von der jeweiligen Handelssituation abhängig: Tausch kann zwischen kleinstmöglichen Verwandtschafts- oder Produktionseinheiten, aber auch unterschiedlichen ethnischen Gruppen vorgenommen werden. Demzufolge wird zwischen internen und externen Tausch unterschieden.

Man unterscheidet zwischen dem profanen oder ökonomischen Tausch, bei dem der wirtschaftliche Tauschwert und der materielle Gebrauchswert der ausgetauschten Güter entscheidend sind, und dem rituellen oder zeremoniellen Tausch mit symbolischen Charakter, bei dem religiöse, rechtliche, soziale und ähnliche Momente von Bedeutung sind. Beim profanen Tausch findet neben der sofortigen Transaktion bisweilen zwischen – unter Umständen verfeindeten – Ethnien oder Gruppen (beispielsweise den Wedda auf Sri Lanka, die mit Angehörigen der singhalesischen Bevölkerung Honig gegen Eisenwerkzeuge tauschen) ein verzögerter Austausch statt, der als stummer Handel bezeichnet wird und der ohne persönlichen Kontakt zwischen den Tauschakteuren vollzogen wird. Dabei werden die von einer Gruppe angebotenen Güter an einem festgelegten Ort abgelegt, die Anbieter ziehen sich zurück. Die andere Gruppe betrachtet die Güter, legt ihrerseits ihr Angebot ab und versteckt sich in der Nähe. Die erste Gruppe kehrt wieder zurück, und nimmt, wenn sie mit dem vorgeschlagenen Tausch zufrieden ist, die angebotenen Güter, anderenfalls wird der Handel auf dieselbe Weise fortgesetzt oder beendet. Allgemein wird beim ökonomischen Tausch die Tauschrate, das quantitative Verhältnis der getauschten Produkte zueinander, zumeist durch Feilschen bestimmt, wobei Geld als allgemeines Tauschmittel fungieren kann. Einer gängigen Definition zufolge erfordert der Handel gegenüber dem Tausch die Zwischenschaltung von Spezialisten.

Neben Bronislaws Malinowkis Arbeiten über den Kula, ein zeremonielles Tauschsystem in Melanesien (Argonauts of the Western Pacific, 1922), und Marcel Mauss’ Essay über die Gabe (Essai sur le don, 1923/24), haben die Arbeiten Karl Polanyis großen Einfluss auf die Theoriebildungen genommen, dem zufolge sich drei Hauptformen des Tauschs unterscheiden lassen, die auf reziproken, redistributiven oder auf Marktbeziehungen basieren. Beim reziproken Tausch wird keine unmittelbare, sofortige Gegenleistung des Nehmenden vorausgesetzt, der Wert der getauschten Güter und Leistungen untersteht keiner systematischen Berechnung. Empfänger der nach festen Regeln verteilten Produkte sind sowohl Produzenten als auch Nichtproduzenten. Beim redistributiven Tausch, der einen organisatorischen und koordinatorischen Apparat voraussetzt, werden größere Mengen von Produkten zentral gesammelt und über einen Redistributor verteilt. Während bei egalitären Gesellschaften der Redistributor auch Produzent ist und durch die Verteilung keinen materiellen Vorteil erlangt, sind Redistributoren in geschichteten Gesellschaften in der Regel nicht am Produktionsprozess beteiligt und erlangen durch die Verteilung wirtschaftlichen Gewinn. Beide Tauschaktionen sind Bestandteil eines ausgeklügelten Systems von Verwandtschafts- und Ritualbeziehungen, aber auch einfache Marktsysteme sind im Gegensatz zum Warentausch komplexer Ökonomien mit sozialen Beziehungen verbunden.

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