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Windows Live® Suchergebnisse Johannes von TeplEnzyklopädieartikel
Johannes von Tepl, auch Johannes von Saaz (um 1350 bis 1414), Dichter. Er ist der Verfasser der bedeutendsten spätmittelalterlichen Prosadichtung Der Ackermann aus Böhmen. Johannes von Tepl wurde in Westböhmen geboren. Wahrscheinlich stammt er aus Tepl (Teplá) oder Schüttwa (Sitbor). Vermutlich schon vor 1378 war er als Notar in Saaz tätig und übernahm dort spätestens 1383 die Leitung der Lateinschule. 1411 bekam Johannes von Tepl ein Amt als Stadtschreiber in der Prager Neustadt. Zwei Jahre später litt er offenbar an einer schweren Krankheit. Aus einer Urkunde vom April 1415 geht hervor, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Bei seinem um das Jahr 1400 entstandenen Ackermann aus Böhmen handelt es sich um ein Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod, das nach der Art des mittelalterlichen Gerichtsprozesses aufgebaut ist. Der Ackermann bringt dem Tod seine Klage über den Verlust seiner Frau entgegen, um diesen zur Rechenschaft für die Zerstörung einer diesseitigen Lebenserfüllung zu ziehen. Der Tod seinerseits nimmt für sich in Anspruch, Vertreter der Macht Gottes zu sein, und bezichtigt den Ackermann der Auflehnung gegen die bestehende Weltordnung. Das Gespräch erstreckt sich über 32 Kapitel, in denen Ackermann und Tod wechselweise zu Wort kommen. Beendet wird der Streit im 33. Kapitel durch ein Urteil Gottes, das den Gegenspielern Überheblichkeit vorwirft, jedoch beiden auch eine gewisse Rechtfertigung widerfahren lässt. Dem Ackermann billigt das Urteil Ehre zu, dem Tod hingegen den Sieg. Die sonst übliche Verbindung von Ehre und Sieg wird hier also getrennt. Das Motiv des Zwiegespräches zwischen Witwer und Tod geht auf eine Tradition des Mittelalters und der Antike (vor allem auf Seneca) zurück. In seiner Gestaltung dieses Themas stellt Der Ackermann aus Böhmen jedoch eine originäre Leistung dar. Auf die stilistische Geformtheit des Werkes sowie auf die rhetorische Gestaltung der Argumentation ist in der Forschung vielfach hingewiesen worden. Sprache und Stilistik des Ackermann aus Böhmen gehen jedoch nicht in der traditionellen Rhetorik auf, sondern weisen deutlich über sie hinaus. Bezeichnenderweise führt die Aufbietung der rhetorischen Mittel im Dialog gerade nicht zu einer eindeutigen Entscheidung zugunsten einer der beiden streitenden Parteien. Nicht im Sieg über den Tod liegt die Würde des Menschen, sondern in seiner Endlichkeit bzw. in der Weise, seine Endlichkeit angesichts des Todes sprachlich zu begreifen.
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