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    Das Institut für Textkritik e.V., Heidelberg, unterstützt historisch-kritische Editionen von Hebel, Kafka, Kleist, Fontane, Svevo, Faulkner, Schickele

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Textkritik

Enzyklopädieartikel

Textkritik, diejenige philologische Methode innerhalb der Geistes-, Rechts- und Bibelwissenschaft, die bei der Sichtung und Untersuchung eines überlieferten Textes zum Zwecke einer kritischen Edition angewandt wird, wenn deren Authentizität nicht gesichert ist. Die Aufgabe des Herausgebers eines kritisch edierten Textes besteht darin, die nicht erhaltene Urform (Archetypus) oder eine vom Autor vermutlich intendierte Fassung eines Textes aus den erhaltenen Überlieferungen zu erschließen.

Die Textkritik gilt in erster Linie der kritischen Edition antiker oder mittelalterlicher Handschriften. Hierfür müssen zunächst sämtliche erhaltenen Fassungen gesammelt und beschrieben werden. Die Beschreibung enthält Angaben über den Fundort, die ursprüngliche Herkunft, die Anzahl der Blätter und Lagen sowie die Charakterisierung von Beschreibstoff, Schrift und Schreibern. Sodann müssen die Handschriften gelesen und verglichen werden. Durch das so genannte Kollationieren lassen sich Abhängigkeiten der Texte untereinander feststellen. Dies geht in Form eines Koordinatensystems vor sich: Eine Koordinate enthält den fortlaufenden Text, die andere die Varianten der anderen Handschriften, die z. B. farbig gekennzeichnet werden, damit Abhängigkeiten voneinander und zusammengehörige Handschriftenklassen erkennbar werden. Dies stützt sich auf den Umstand, dass in Antike und Mittelalter Texte vielfach so kopiert wurden, dass einer vorlas und mehrere Schreiber das Gehörte niederschrieben. Den Kopisten unterliefen dabei aus verschiedensten Gründen Lese- oder Schreibfehler, die sich in weiteren Kopien des fehlerhaften Textes fortsetzten. Bisweilen schlugen sich in solchen Abschriften auch lokale oder zeitbedingte Besonderheiten der Rechtschreibung nieder; es wurden ungebräuchliche oder unverständliche Wörter ersetzt oder der Inhalt durch Auslassungen oder Hinzufügungen verändert. An gemeinsamen, von anderen Überlieferungen abweichenden Lesarten erkennt die Textkritik die Verwandtschaft bestimmter Handschriften und kann durch Zuweisung eines Stammbaumes Abhängigkeiten der Textfamilien untereinander illustrieren. Falls kein Archetypus ausfindig gemacht werden kann, folgt der Editor entweder der besten Handschrift, oder er konstruiert einen Mischtext, bei dem er von Fall zu Fall selbst entscheidet, welche Lesart dem Original entsprochen haben dürfte. Auf jeden Fall müssen in einer kritischen Edition in den Anmerkungen, dem so genannten kritischen Apparat, zumindest die wichtigsten Textvarianten aufgeführt werden.

Textkritik wird auch zur Neuedition bereits gedruckter Texte angewandt, gestaltet sich jedoch mit Ausnahmen wesentlich einfacher. So gab Gerhard Rühm 1997 die Werke Konrad Bayers, die zum Teil lediglich handschriftlich bzw. in fehlerhaften Schreibmaschinenmanuskripten vorlagen, in einer dritten (und als endgültig bezeichneten) Edition heraus.

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