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Windows Live® Suchergebnisse Roland ToporEnzyklopädieartikel
Roland Topor (1938-1997), französischer Zeichner, Illustrator und Schriftsteller polnischer Abstammung. Bekannt wurde er durch seine erotisch-makabren Bildfolgen sowie durch parodistische bzw. phantastische Romane wie Der Mieter (1964) und Memoiren eines alten Arschlochs (1975). Topor wurde am 7. Januar 1938 als Sohn des polnisch-jüdischen Malers und Bildhauers Abram Topor in Paris geboren und studierte an der École des Beaux Arts. 1958 kam seine erste Veröffentlichung in der Zeitschrift Bizarre heraus. 1962 gründete er gemeinsam mit seinem Freund Fernando Arrabal und anderen die absurde Groupe Panique als „die einzige Gruppe, die nicht existiert”. Zwei Jahre später kam der Roman Der Mieter (1964) heraus, die Geschichte eines schüchternen Angestellten, der nach dem Selbstmord seiner Vormieterin eine Pariser Altbauwohnung bezieht. Durch zudringliche Nachbarn, die eigene labile Psyche und eine Atmosphäre der Isolation bedingt, verwischen in der Folge die Grenzen der beiden Identitäten immer stärker, bis der Mieter, von Wahnvorstellungen heimgesucht, in Frauenkleidern das Schicksal seiner Vorgängerin imitiert. Gekonnt entwickelt Topor im Roman den irrationalen Schrecken des Verfolgungswahns aus banalen Details einer ins Groteske übersteigerten Innen- und Außenwelt. Der Mieter wurde 1976 von Roman Polanski mit ihm und Isabelle Adjani in den Hauptrollen unter dem Titel Locantaire kongenial verfilmt. Für die beklemmend-dunklen Bilder zeichnete Kameramann Sven Nykvist verantwortlich, der u. a. mit Ingmar Bergman und Woody Allen zusammengearbeitet hatte. 1973 erhielt Topor gemeinsam mit René Laloux für den Zeichentrickfilm Der fantastische Planet den Spezialpreis beim Filmfestival von Cannes. 1975 erschien der aggressiv-parodistische Roman Memoiren eines alten Arschlochs, der die Gattung der Memoirenliteratur persifliert. Ende 1976 wurde Topors europaweit erfolgreiches Theaterstück Leonardo hat’s gewußt in Brüssel uraufgeführt, in dem Fäkalien eine entscheidende Rolle spielen („Die Scheiße ist keine Metapher – die Metapher ist scheiße”). Gemeinsam mit Otto Jägersberg und Peter Fleischmann schrieb der Autor das Drehbuch für den Katastrophenfilm Die Hamburger Krankheit (1979), in dem neben Arrabal u. a. Ulrich Wildgruber und Tilo Prückner mitwirkten. Das provozierende Ankündigungsplakat des Dramas Das Baby von Monsieur Roland (1991) verursachte in Paris einen Skandal. Topor starb am 16. April 1997 in Paris. In seinen oft von schwarzem Humor durchsetzten Illustrationen und Plakaten (u. a. seit 1990 für die Münchner Kammerspiele) in der gedanklichen Tradition des Surrealismus gestaltete Topor einen oftmals makaber-grausamen, bisweilen skatologischen Bilderkosmos. Dabei setzte er auf eine dezidiert einfache Zeichensprache und auf schwarzweiße Flächigkeit. Unter anderem fertigte der Künstler die erotische Laterna-magica-Sequenz in Federico Fellinis Kinoopus Casanova sowie die Bühnenbilder für die Revue Oh, Calcutta und die Opern Ubu Rex von Krzysztof Penderecki bzw. Le Grand Macabre von György Ligeti. Als Schauspieler war er etwa in Werner Herzogs Nosferatu und in Volker Schlöndorffs Proust-Verfilmung Eine Liebe von Swann zu sehen. Filmplakate schuf Topor für Schlöndorffs Die Blechtrommel und Nagisa Oshimas Im Reich der Leidenschaft, wo er in einer Art Kippbild den stilisierten Vulkanausbruch des Fujiyama in den Unterkörper einer Frau übergehen ließ. Weitere Werke sind Toxicologie (1970, mit einem Nachwort von Jacques Prévert), Tragödien, Zeichnungen 1958-1968 (1971), Phallunculi oder Vom Wesen des Dinges (1975), Tagträume. Zeichnungen 1964-1974 (1975), Therapien. Zeichnungen 1970-1981 (1982), Susanne – Geschichte eines Fußes (1985) und Roland Topor’s theatralische Sendung (1994). 1989 entstand ein surrealistischer Kurzfilm über den Marquis de Sade, in dem Topor als Drehbuchautor und Regisseur die Hauptfigur in der Bastille am Vorabend der Französischen Revolution mit seinem Phallus diskutieren und sein Personal in skuril-grotesken Tiermasken agieren ließ. Des Weiteren illustrierte er Romane und Erzählungen von Nikolaj Gogol, Lew Tolstoj, Carlo Collodi, Anatole France und Patricia Highsmith. Der Kurzfilm Der schönste Busen der Welt von Rainer Kaufmann, der 1990 nach einer Erzählung Topors entstand (Der schönste Busen der Welt. Zweiundfünfzig Geschichten und eine Utopie, 1986), wurde 1991 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.
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