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Tristan und Isolde

Enzyklopädieartikel

Tristan und Isolde, Stoff um zwei zentrale Gestalten der Weltliteratur, der anhand seiner Protagonisten das Thema von der großen unglücklichen Liebe behandelt. Seine Herkunft ist umstritten; in der Forschung werden Ableitungen aus keltischen, anglonormannischen, französischen und persischen Fabeln angenommen. Die älteste namentlich erwähnte Gestaltung der Geschichte von Tristan und Isolde ist die im 12. Jahrhundert entstandene französische Estoire, die von der Forschung mit dem verlorenen Tristan des Chrétien de Troyes gleichgesetzt wird und aus dem mittelhochdeutschen Tristrant (um 1180) des Eilhart von Oberge erschlossen werden kann. Die Estoire bietet das narrative Gerüst für die gesamte mittelalterliche Tristan-Dichtung; sie weist alle drei Haupterzählstränge der Handlung auf. Dazu gehören das Morholt-Abenteuer (Tristan tötet Morholt, wird dabei verwundet und in Irland von der zauberkundigen Isolde geheilt), die Ehebruchsgeschichte (Tristan zieht für Marke auf Brautwerbung nach Irland, verletzt das reckenhafte Ideal der Mannentreue und bemüht sich selbst um die Gunst Isoldes; beide trinken versehentlich den Minnetrank, den Isoldes Mutter für Isolde und Marke bestimmt hatte; die Liebenden entziehen sich durch Flucht der Bestrafung) und die Isolde-Weißhand-Geschichte (Isolde wird Marke zurückgegeben, Tristan heiratet in Frankreich Isolde Weißhand; als Tristan im Sterben liegt, folgt Isolde seinem Ruf und kommt, um ihn zu heilen; Isolde Weißhand täuscht ihm den Tod Isoldes vor, er stirbt vor ihrer Ankunft, Isolde stirbt über seiner Leiche).

Die weiteren mittelalterlichen Gestaltungen des Stoffes überhöhen die Liebessymbolik: Die Fassung des anglonormannischen Dichters Thomas von Bretagne (1160-1165) trägt deutliche Züge des höfischen Liebesideals. In seiner sakralen Übersteigerung der Minne markiert Gottfried von Straßburgs Tristan (um 1210) den absoluten Höhepunkt der Tristan-Dichtung. Spätere Bearbeitungen, die die Phantastik und das Abenteuerliche des Stoffs herauszustreichen suchen, zeigen bereits die Entwicklung zu volkstümlicherem Geschmack. Dazu gehören Fassungen von Bérol (nach 1190), Ulrich von Türheim (um 1240) und Heinrich von Freiberg (um 1290). Aus dem 13. bis 15. Jahrhundert sind zahlreiche Bearbeitungen des Stoffes in allen europäischen Kulturen überliefert, darunter die norwegische Tristramssaga, das isländische Tristanlied, das englische Erzählgedicht Sir Tristrem, der französische Prosaroman Tristan en prose und italienische Novellen; im ausgehenden 18. Jahrhundert setzte mit Neuausgaben der mittelalterlichen Tristan-Dichtungen eine Renaissance des Stoffes ein. Zu den bedeutendsten Umsetzungen zählen Richard Wagners gleichnamige Oper von 1859 und Algernon Charles Swinburnes epische Dichtung Tristram of Lyonesse (1882). Die Tristandichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts sind vielfältig und beleuchten alle Varianten und Facetten der Problematik von Treue, Ehebruch und Schuld auch in Hinblick auf die Nebenfiguren; dies fand u. a. in den neuromantischen Dramen von Emil Ludwig (1909) und Ernst Hardt (1907) seinen Niederschlag.

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