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Windows Live® Suchergebnisse TrivialliteraturEnzyklopädieartikel
Trivialliteratur, nicht klar abgegrenzter Sammelbegriff für fiktionale Texte, die den ästhetischen, formalen und funktionalen Kriterien der Literaturwissenschaft für so genannte „Hochliteratur” nicht entsprechen und sich durch die Reproduktion etablierter Schemata auszeichnen; die neuere Forschung spricht daher auch von „Schemaliteratur”. Der Begriff Trivialliteratur umfasst im Grunde alle fiktionalen Texte, die aus inhaltlichen oder sprachlich-stilistischen Gründen nicht den geltenden Maßstäben für gehobene oder hohe Literatur entsprechen. Die Literaturwissenschaft geht gelegentlich auch von einem Dreischichtenmodell literarischer Qualität aus, in dem die Trivialliteratur die unterste, die Unterhaltungsliteratur die mittlere und die Hochliteratur die oberste Schicht darstellt; diese Einteilung erweist sich aber als problematisch, insbesondere aufgrund der unscharfen Unterscheidung zwischen Trivial- und Unterhaltungsliteratur. Diese beiden Begriffe werden daher oft auch synonym gebraucht. Trivialliteratur umfasst alle Textarten, vor allem Erzähltexte (Illustrierten-, Groschen- bzw. Schundroman), aber auch Lyrik (Gassenhauer, Schlager), anspruchsloses Unterhaltungstheater (Volkstheater) oder Fernsehproduktionen (Soap-Opera). Ihre Publikationsform tendiert zur Serie, etwa bei Fortsetzungsroman, Comic oder Romanheft. Der Trivialliteratur zuzurechnende Werke finden sich in der erzählenden Literatur insbesondere in den (indes keineswegs per se zur Trivialliteratur zählenden) Genres Liebesroman, Schicksalsroman, Heimatroman, Adelsroman, Arztroman, Abenteuerroman, Ritterroman, Räuberroman, Wildwestroman, Kriegsroman, Spionageroman, Kriminalroman, Horrorroman, Schauerroman, Sciencefictionroman und Fantasy-Roman. Der Typus des Trivialen ergibt sich aus der Aufnahme populärer Stoffe, etwa von Abenteuer- und Liebesgeschichten, und aus einer vereinfachenden, klischeeverhafteten, auf direkte Wirkung abzielenden Schreibintention. Kennzeichnend sind dabei eine konventionelle Stilhaltung sowie die Verwendung konstanter Grundmuster. Das in der Trivialliteratur transportierte Weltbild ist verzerrend unkomplex; zumeist wird eine „heile Welt” vorgegaukelt, in der eindeutige moralische Normen und eine klare, in grober Schwarzweißmalerei getroffene Unterscheidung zwischen Gut und Böse bestehen. Trivialliteratur ist im Hinblick auf Verständlichkeit (der Sprache wie der Handlungsführung) und Emotionalität stets so strukturiert, dass sie den Erwartungen eines Massenpublikums zu entsprechen trachtet, wodurch sie einen starken affirmativen (die herrschenden Verhältnisse sowie bestehende Vorurteile und Gesellschaftsbilder bestätigenden) Charakter besitzt; man spricht in diesem Sinn auch von affirmativer Literatur. Unkünstlerisches, Naives oder Banales rechtfertigen daher den Trivialitätsverdacht nicht allein; wesentlich für die Bestimmung von Trivialität kulturindustrieller Produkte ist die Ideologiekonformität (siehe Ideologiekritik). Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno geprägte Formel „Vergnügtsein heißt Einverstandensein” lässt sich demgemäß auch auf die affirmative Unterhaltungsliteratur übertragen. Als Vorläufer der Trivialliteratur können die seit dem 15. Jahrhundert verbreiteten Einblattdrucke und Flugblätter gelten, die formell zwar Nachrichten und andere Informationen vermittelten, mit ihrer Ausrichtung auf Sensationelles (z. B. Naturkatastrophen oder Ausbreitung von Seuchen) aber vor allem einfache Unterhaltungsbedürfnisse befriedigten. Die Trivialliteratur im engeren Sinn entstand im 18. Jahrhundert mit der zunehmenden Lesefähigkeit der Menschen und den technischen Voraussetzungen für eine massenhafte Buchproduktion; insbesondere das erstarkende Lektürebedürfnis von nun lesefähigen Frauen führte zur Ausbreitung von empfindsam-sentimentalen Liebesromanen. Erfolgreiche Vertreterinnen einer solchen modernen, an Frauen gerichteten Trivialliteratur waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert Eugenie Marlitt und Hedwig Courths-Mahler. Parallel entstanden im 18. und 19. Jahrhundert der von der englischen Gothic Novel inspirierte Schauerroman sowie die Heimatliteratur und Räuberromane. Eine große Rolle bei der Verbreitung dieser Literatur spielte die Kolportage, also der Verkauf der Bücher durch Hausierer an der Tür; der so genannte Kolportageroman kann in diesem Sinn als Vorläufer des heutigen, an Kiosken oder in Supermärkten zu erstehenden Groschen- oder Heftchenromans gelten. Lange Zeit von der Forschung gänzlich missachtet, wird Trivialliteratur immer stärker zum Gegenstand der Germanistik bzw. Literaturwissenschaft. Insbesondere nach 1968 wurden Forschungen angestoßen, diejenigen Werke in die literaturgeschichtlichen Untersuchungen mit einzubeziehen, die „wirklich gelesen” werden; vielfach rezipiert wurde hierbei der von Walter Benjamin bereits 1932 verfasste richtungweisende Aufsatz Was die Deutschen lasen, während ihre Klassiker schrieben. Plausible, erschöpfende Erklärungen für den anhaltenden Erfolg der Trivialliteratur fehlen indes und sind wohl eher von der (Sozial-)Psychologie als der Literaturwissenschaft zu erwarten; die Trivialliteratur regte u. a. auch Umberto Eco im Rahmen seiner kulturellen Semiotik zu Untersuchungen an.
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