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Windows Live® Suchergebnisse VagantendichtungEnzyklopädieartikel
Vagantendichtung (von lateinisch vagari: umherschweifen); innerhalb der Literaturwissenschaft nicht unumstrittene Bezeichnung für die weltliche lateinische Dichtung vor allem des 12. und 13. Jahrhunderts, insbesondere für mittellateinische Lyrik verschiedenster Gattungen, die zumeist aus der Perspektive sozial nicht Etablierter geschrieben ist. Dazu gehören Liebes-, Tanz-, Trink-, Spiel-, Bettel- und Scheltlieder, Spruchdichtung, Parodien, politische Satiren und Schwänke. Vermutlich wurde ein Teil der meist anonym überlieferten Texte von fahrenden Sängern und Scholaren, den so genannten Vaganten, verfasst. Doch kommen als Autoren auch Geistliche in Frage. Die meist gesungen vorgetragene Vagantendichtung zeichnet sich aus durch Unbekümmertheit und kritischen Witz sowie durch einen anspielungsreichen, realistischen Stil und einen volkstümlichen Ton. Für die Bildung der Verfasser spricht die formal und inhaltlich starke Anlehnung an die antike Dichtung und Rhetorik. Der Lobpreis einer sinnenhaften Lebensfreude, des Weltgenusses und der Liebeslust gilt als ein Hauptmerkmal. Innerhalb der Mediävistik gilt die Vagantendichtung als Produkt eines ersten europäischen Gelehrtenproletariats, das sein Publikum an den Höfen geistlicher Fürsten, in Klöstern, bei gebildeten weltlichen Herren, an Universitäten und Domschulen unterhalten wollte. Einige der zahlreich überlieferten Texte lassen sich namhaften Autoren zuschreiben, etwa dem Primas Hugo von Orléans (1093-1160), dem so genannten Archipoeta aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Walter von Chatillon (um 1135 bis 1201) und Petrus von Blois (um 1135 bis 1204). Ein Großteil der Lieder ist gesammelt in der Handschrift der Carmina Burana, die im 13. Jahrhundert entstand und im Kloster Benediktbeuern gefunden wurde; einige dieser Lieder vertonte Carl Orff 1937 in seinem gleichnamigen Chorwerk.
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