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Valenz (Sprache)

Enzyklopädieartikel

Valenz (Sprache), Wertigkeit von Wörtern. Der Begriff der Valenz stammt aus der Chemie. Dort bezeichnet er die Fähigkeit von Atomen, Elektronen einer bestimmten Anzahl im Molekül zu binden. In der Sprachwissenschaft spricht man von der Wertigkeit bzw. Valenz eines Lexems (z. B. eines Adjektivs, eines Nomens oder eines Verbs). Damit bezeichnet man zunächst den Umstand, dass in der Umgebung eines Lexems nicht beliebige, sondern vielfach nur bestimmte (syntaktische, semantische und pragmatische) Einheiten möglich sind. Im weitesten Sinne ist die Valenz eines Lexems bzw. eines Wortes die Gesamtheit der Kombinationsmöglichkeiten dieses Wortes.

Als Beispiel mag das Verb dienen: Das Verb eröffnet Leerstellen, die, um die Grammatikalität eines Satzes aufrechtzuerhalten, entweder besetzt werden müssen oder aber besetzt werden können. Die Notwendigkeit, diese Leerstellen zu besetzen, ist zunächst syntaktischer Art. Man spricht von Subjekt- bzw. Objektergänzungen. Von der Grammatikalität des Satzes ausgehend wird zwischen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen einer Verbalhandlung unterschieden. Die Verben werden, je nachdem, wie viele obligatorische Ergänzungen sie fordern, als nullwertig, einwertig, zweiwertig und dreiwertig oder auch als avalent (z. B. Witterungsverben wie regnen: Es regnet), monovalent (z. B. tanzen: Ich tanze.), bivalent/divalent (z. B. kaufen: Ich kaufe ein Buch.) und trivalent (z. B. geben: Ich gebe der Frau das Buch) bezeichnet. Von den Ergänzungen unterscheidet man die freien Angaben, die nicht zu den valenzabhängigen Komponenten eines Satzes zählen. Die Valenzgrammatik stellt heute eine eigene Forschungsrichtung innerhalb der Sprachwissenschaft dar. Sie wurde Ende der fünfziger Jahre von dem französischen Sprachwissenschaftler Lucien Tesnière begründet mit dem Werk Élements de syntaxe structurale (1959, Grundzüge der strukturalen Syntax).

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