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Windows Live® Suchergebnisse VerfremdungseffektEnzyklopädieartikel
Verfremdungseffekt, in den dreißiger Jahren von Bertolt Brecht im Rahmen seiner Theorie des epischen Theaters entwickeltes Verfahren der dramaturgischen Praxis, mit dessen Hilfe allgemein Anerkanntes hinterfragt, die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Strukturen bloßgelegt und das Publikum im Rahmen eines dialektischen Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesses zu eigenständigem Denken erzogen werden soll. Als Distanzierungsmoment des Rezipienten unterscheidet sich diese Konzeption von der Verfremdung etwa im chinesischen Theater. Bei Brecht wird der Verfremdungseffekt z. B. durch die Unterbrechung eines Dialogs, durch Kommentare, Masken, Einblendungen, Songs und Projektionen hergestellt, aber auch durch die syntaktisch-semantische Veränderung etablierter Rede („Der Mensch denkt: Gott lenkt” statt „Der Mensch denkt, Gott lenkt”). Eine Vorform der Verfremdung in diesem Sinn deckte Wiktor Schklowskij bei Leo N. Tolstoj auf, der u. a. das Pathos einer Operninszenierung durch die Darstellung aus der Sicht eines Kindes ins Lächerliche zieht.
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