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Yes

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Yes, englische Rockgruppe, die in den siebziger Jahren zu den herausragendsten Vertretern des musikalisch komplex und großorchestral arrangierten Art-Rock gehörte. Im Gegensatz zu anderen Bands dieser Musikrichtung, wie etwa Genesis, blieben Yes ihrem Stil im Wesentlichen treu.

Die Formation wurde 1968 in London von Jon Anderson (*25. Oktober 1944; Gesang) und Chris Squire (*4. März 1948; Bassgitarre) gegründet. Zu ihnen stießen Peter Banks (Gitarre), Tony Kaye (Tasten) und Bill Bruford (Schlagzeug), mit denen sie ihre ersten Alben Yes (1969) und Time and a Word (1970) einspielten, die jedoch auf nur wenig Resonanz beim Publikum stießen.

2

Die siebziger Jahre

Der internationale Durchbruch gelang Yes mit der Langspielplatte The Yes Album (1971), auf der Steve Howe den Gitarristen Peter Banks ablöste. Weitere Bestseller folgten: Fragile (mit Rick Wakeman an den Keyboards), Close to the Edge (beide 1972) und Tales from Topographic Oceans (1974) mit Alan White am Schlagzeug.

Trotz der häufigen personellen Umbesetzungen konnten Yes ihren eigenen Stil weiterentwickeln. Besonders der extravagante Rick Wakeman (*18. Mai 1949) an den Tasteninstrumenten trug entscheidend zum kontrovers diskutierten Stil der Band bei: Während viele Kritiker die Produktionen als übertriebenen Kitsch und maßlose Selbstgefälligkeit bezeichneten, lobten andere wiederum die Experimentierfreudigkeit und das technische Können der Musiker, die es sich zum Ziel setzten, ihre Stücke auch live auf der Bühne in derselben Qualität darzubieten wie im Studio. So zählt das Live-Dreifachalbum Yessongs (1973) zu den legendären Veröffentlichungen des Quintetts. Auf Relayer (1974) wurde Wakeman, der vermehrt Soloprojekte verfolgte, durch den Schweizer Patrick Moraz ersetzt. Auch die anderen Bandmitglieder spielten teils experimentelle Soloalben ein.

Kennzeichnend für den auch von der Klassik inspirierten Musikstil sind neben Andersons hoher Gesangsstimme die bombastischen Keyboardarrangements, die in breit angelegten sinfonischen Kompositionen zum Tragen kommen. Neben häufigen Tempiwechseln und ausgefeilten Rhythmen erklingen aber auch eingängige balladenartige Melodien. Die poetischen, häufig surrealistischen Texte basieren auf literarischen Werken (z. B. Hesses Siddharta und Tolstojs Krieg und Frieden), sind aber auch von fernöstlicher Philosophie und New-Age-Gedankengut durchdrungen. Yes zelebrierten ihre Tourneen, die sich jedem neuen Album anschlossen, mit einem bis dahin kaum gekannten technischen Aufwand, so dass sie während der siebziger Jahre zu den schillerndsten Livebands zählten.

Nach einer Schaffenspause kamen 1977 Going for the One und 1978 Tormato heraus. Wakeman, der auf diesen beiden Alben wieder mitgewirkt hatte, verließ die Gruppe erneut, da sie musikalisch nichts Neues mehr hervorbrachte. Auch Anderson trennte sich von Yes und realisierte einige Projekte mit Vangelis. Das mit dem Sänger Trevor Horn und dem Keyboarder Geoff Downes eingespielte Album Drama (1980) lieferte zwar wie gewohnt perfektes musikalisches Handwerk, gilt aber allgemein als schwächste Veröffentlichung.

3

Die achtziger Jahre

1981 trennte sich die Band – Howe und Downes zählten zu den Gründungsmitgliedern von Asia –, formierte sich jedoch bald wieder neu. Zu der Stammbesetzung Anderson, Squire und White kam Kaye wieder zurück, und der kongeniale Trevor Rabin übernahm die Gitarre und zeichnete mit dem nun als Produzent wirkenden Trevor Horn für einen kommerzielleren, strafferen Stil verantwortlich. Das 1983 erschienene Album 90125 mit dem Superhit Owner of a Lonely Heart wurde ein internationaler Kassenschlager, und die sich anschließende Tour brach in Nordamerika alle Besucherrekorde. Ebenfalls erfolgreich war die Produktion Big Generator (1987), die in derselben Besetzung und in ähnlichem Stil eingespielt wurde.

4

Seit den neunziger Jahren

In den Folgejahren kam es immer wieder zu Auflösungserscheinungen der Gruppe und zu Wechseln der Bandmitglieder. Trotzdem erschienen weitere aufwendig produzierte Alben wie Union (1991) und Talk (1994), die allerdings von der Fangemeinde der siebziger Jahre mit weniger Begeisterung aufgenommen wurden. Im März 1996 nahmen Yes (wieder in der Besetzung Anderson, Howe, Squire, Wakeman und White) an drei Abenden die Livealben Keys to Ascension (1996) und Keys to Ascension 2 (1997) auf: Neben alten Yes-Klassikern sind auf den Doppelalben jeweils zur Hälfte auch neue Studiostücke im epischen Stil der siebziger Jahre zu hören, die später unter dem Titel Keystudio (2001) als eigenes Album erschienen. Für Open Your Eyes (1997) kam Billy Sherwood (Keyboards und Gitarre) zur Band, der bereits bei früheren Yes-Produktionen mitwirkte. Auf der sich anschließenden Tournee spielte er Gitarre, an den Tasten brillierte der Russe Igor Khoroshev. Während Open Your Eyes kaum Akzente zu setzen vermochte, kam mit The Ladder 1999 ein Album heraus, das komplex arrangierte Stücke mit Mainstream und World Music verband. Im Juni 2000 verließ Billy Sherwood die Band, und Igor Khoroshev widmete sich im Anschluss an die „Masterworks”-Tour eigenen Projekten. Auf Magnification (2001) übernahm ein komplettes Sinfonieorchester den Keyboardpart. Unterstützt von einem Orchester und Tom Brislin an den Tasten, wurde das Album im Rahmen einer ausgedehnten Tournee live präsentiert. Im Herbst 2002 stieß Rick Wakeman erneut zur Band, nachdem er zuvor wiederholt eine Zusammenarbeit ausgeschlossen hatte.

Zu den weiteren Veröffentlichungen zählen: Yesterdays (1975), Yesshows (1980), Classic Yes (1983), 9012 Live: The Solos (1985), Yesstory und Yesyears (beide 1991), Highlights: The Very Best of Yes (1993), Friends and Relatives (1998), Something’s Coming (1998), The Best of Yes (2000), House of Yes: Live from the House of Blues (2000) und In A Word: Yes (2002). Außerdem sind die einzelnen Bandmitglieder auf zahlreichen Soloalben, als Gastmusiker oder als Mitglieder anderer Formationen zu hören. Erwähnenswert ist auch die Einspielung Anderson, Bruford, Wakeman, Howe (1989).

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