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Windows Live® Suchergebnisse Kofi AnnanEnzyklopädieartikel
Kofi Annan (*1938), ghanaischer Diplomat, Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) (1997-2006), Friedensnobelpreisträger 2001. Kofi Annan wurde am 8. April 1938 in Kumasi in der damaligen britischen Kolonie Ghana geboren. Sein Vater, ein traditionelles Oberhaupt der Fanti, bekleidete das Amt eines Gouverneurs der Provinz Ashanti. Annan verließ bereits früh seine Heimat, um sein Studium, das er an der Universität Kumasi begonnen hatte, im Ausland fortzusetzen. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Minnesota und Genf sowie am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Annan ist in zweiter Ehe mit der Schwedin Nane Lagergren, einer Nichte Raoul Wallenbergs, verheiratet. Annan begann seine Laufbahn bei den Vereinten Nationen 1962 als Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Es folgte bis 1974 eine Reihe von Posten als Verwaltungsfachmann in den UN-Büros in Addis Abeba, New York, Ismailia, Genf und Kairo; dann unterbrach er seine Tätigkeit für die UN und leitete bis 1976 die Gesellschaft für die Entwicklung des Tourismus in Ghana. Zurück bei den Vereinten Nationen, arbeitete er zunächst beim UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), u. a. (ab 1980) als Leiter des Personalwesens und stellvertretender Verwaltungsdirektor, ehe er 1983 in die UN-Zentrale nach New York wechselte. Dort war er bis 1986 Verwaltungs- und Budgetdirektor, anschließend Beigeordneter Generalsekretär für Personalwesen und Sicherheitskoordinator für das UN-System (1987-1990) sowie Beigeordneter Generalsekretär für Programmplanung, Budget, Finanzen und Controlling (1990-1992). Während des 2. Golfkrieges verhandelte er im Auftrag von UN-Generalsekretär Pérez de Cuéllar mit der irakischen Regierung über die Freilassung von westlichen Geiseln, und nach dem Krieg leitete er die ersten Verhandlungen über das „Öl-für-Lebensmittel”-Programm mit dem Irak. Ab 1992 war Annan bis zu seinem Wechsel in das Amt des Generalsekretärs zunächst Beigeordneter Generalsekretär, dann (ab 1993) Untergeneralsekretär für Friedenssicherungseinsätze. In dieser Funktion hatte er eine der zentralen Positionen innerhalb der gesamten Organisation inne, denn nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem darauf folgenden Ausbrechen zahlreicher regionaler Konflikte war der Bedarf an friedenschaffenden und friedensichernden Einsätzen erheblich gestiegen. 1995, als der Umfang der UN-Friedensmissionen den Höhepunkt erreicht hatte, oblag Annan die Koordination von etwa 70 000 Einsatzkräften in 16 UN-Missionen. Ende 1995/Anfang 1996 war er als Sondergesandter des UN-Generalsekretärs Boutros Boutros-Ghali für die Überführung der UN-Schutztruppe im ehemaligen Jugoslawien (UNPROFOR) in die NATO-geführte Durchführungstruppe (IFOR) verantwortlich. Insbesondere seit seinen Verhandlungen mit dem Irak 1990 hatte sich Annan immer wieder als ebenso geschickter wie unparteiischer Diplomat bewiesen. Dies war ein Grund, weshalb die USA gegen einige Widerstände 1996 seine Wahl zum Nachfolger von Boutros-Ghali im Amt des UN-Generalsekretärs betrieben. Nach seiner Wahl im UN-Sicherheitsrat am 13. Dezember 1996, der Bestätigung durch die UN-Vollversammlung und seiner Vereidigung am 17. Dezember trat Annan am 1. Januar 1997 das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen an. Als wichtigste Aufgaben seiner Amtszeit stellte Annan die finanzielle Konsolidierung der hoch verschuldeten Organisation, eine gründliche Reform der Organisation und eine Neudefinition ihrer Ziele und Aufgaben nach dem Ende des Kalten Krieges heraus. Im Juli 1997 präsentierte er den UN-Mitgliedsstaaten seinen Reformplan „Erneuerung der Vereinten Nationen”, der vor allem strukturelle Reformen vorsah sowie Ausbau und Verbesserung der Kompetenzen der Vereinten Nationen. Die UN-Mitglieder billigten den Reformplan in wesentlichen Punkten, woraufhin mit der Umsetzung begonnen wurde. Als Annans regionaler Schwerpunkt kristallisierte sich im Verlaufe seiner Tätigkeit Afrika heraus, auf das als den am wenigsten entwickelten und am stärksten unter Konflikten leidenden Kontinent er immer wieder die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit lenkte. In engem Zusammenhang damit nahm er sich mit Nachdruck der AIDS/HIV-Problematik an. Einen ersten großen diplomatischen Erfolg erzielte Annan im Februar 1998, als es ihm gelang, mit dem irakischen Staatschef Saddam Hussein ein Abkommen auszuhandeln, das den Streit über die Rüstungsinspektionen im Irak beendete und einen möglichen Militärschlag der USA gegen den Irak abwendete. Gestärkt durch diesen Verhandlungserfolg suchte Annan im Sinne der finanziellen Konsolidierung der Vereinten Nationen die USA zur Zahlung der ausstehenden UN-Beiträge in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar zu bewegen, jedoch ohne Erfolg. Im Dezember 1998 brach der Konflikt mit dem Irak um die Rüstungsinspektion erneut aus, woraufhin die USA ohne Rücksprache oder Einwilligung des UN-Sicherheitsrates und Annans einen Militärschlag gegen den Irak unternahmen, was als schwere Niederlage Annans gewertet wurde. Weitere wichtige – erfolgreiche und erfolglose – Missionen und Aktionen in Annans erster Amtszeit waren u. a.: Initiative im Nahostkonflikt nach dem Prinzip „Land gegen Frieden” (1998), Unterstützung des Übergangs von einer Militär- zu einer Zivilregierung in Nigeria (1998), Verhandlungen mit Libyen wegen der Folgen des Lockerbie-Attentats (1998/99), Einsatz von UN-Friedenstruppen in Osttimor (1999), erneute Vermittlung im wieder eskalierten Nahostkonflikt (2000). Dass es nicht gelang, im Kosovo-Konflikt (1999) eine politische Lösung herbeizuführen, stattdessen die NATO ohne UN-Mandat Jugoslawien angriff, bewies die Handlungsunfähigkeit der Vereinten Nationen aufgrund eines nach wie vor nach Lagern und jeweiligen Eigeninteressen gespaltenen Sicherheitsrates, gegen den auch der Generalsekretär keine Macht hat. In seinem im April 2000 veröffentlichten Millenniumsbericht „Wir, die Völker: Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert” erklärte Annan die Schaffung von sozialer Sicherheit und Wohlstand, die Konfliktverhütung und den nachhaltigen Schutz der Umwelt zu den zentralen Herausforderungen der Zukunft. Die Millenniumserklärung, die die Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedsstaaten im September 2000 verabschiedeten, baute im Wesentlichen auf diesem Bericht auf. Im Juni 2001 wählte die UN-Generalversammlung auf Vorschlag des Sicherheitsrates Annan einstimmig per Akklamation für eine zweite Amtszeit als UN-Generalsekretär. Im Oktober 2001 wurde ihm und den Vereinten Nationen für ihren Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt zu gleichen Teilen der Friedensnobelpreis zuerkannt, womit die Organisation als diejenige Institution ausgezeichnet wurde, über die „der einzig verhandelbare Weg zu Frieden und Zusammenarbeit auf der Welt führt”, und Annan, weil er der Organisation neuen Schwung und neue Akzeptanz gebracht habe. Jedoch erwies sich gleichzeitig, dass die Vereinten Nationen bei internationalen Konflikten immer weiter ins Abseits gedrängt werden: Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 auf Ziele in New York und Washington D.C. nahmen die USA sowohl in Afghanistan als auch im Irak das Heft des Handelns in die Hand und übergingen die Vereinten Nationen, obwohl sich Annan insbesondere im Irak nach Kräften und mit einigem Erfolg um eine diplomatische Lösung bemühte und die USA nachdrücklich vor Militäraktionen warnte. Das Engagement der Vereinten Nationen war in beiden Fällen erst nach dem Ende der Kampfhandlungen bei der Etablierung von demokratischen Strukturen und dem Wiederaufbau wieder gefragt. Den Irak-Krieg bezeichnete Annan mit undiplomatischer Deutlichkeit als illegal, und am Ende seiner Amtszeit bezeichnete er den Irak-Krieg rückblickend als den „schlimmsten Moment” während seiner Tätigkeit als Generalsekretär. Trotz der zahlreichen Konflikte gerade in seiner zweiten Amtszeit, in denen die Vereinten Nationen sich als machtlos erwiesen oder nur mit Mühe Lösungen herbeiführen konnten – u. a. Afghanistan- und Irak-Krieg, Bürgerkrieg in der sudanesischen Provinz Darfur, weiter eskalierender Nahostkonflikt, Krieg Israels gegen den Libanon, Atomkonflikt mit dem Iran –, erklärte Annan wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt bei der Eröffnung der UN-Vollversammlung im September 2006, die Vereinten Nationen seien die „einzige Antwort auf eine gespaltene Welt”. Am 1. Januar 2007 wurde Annan von dem Südkoreaner Ban Ki-moon im Amt des UN-Generalsekretärs abgelöst. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt engagierte sich Annan weiter für den Weltfrieden, u. a. als Mitglied des Vorstandes der Carnegie-Stiftung.
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