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Biermösl Blosn

Enzyklopädieartikel

Biermösl Blosn (bairisch: Biermösl Clique), Mitte der siebziger Jahre gegründete und aus den Musikern Hans Well (*1953), Christoph Well (genannt Stopherl, *1959) und Michael Well (*1958) bestehende bayerische Musikgruppe. Die Texte ihrer Volksmusik sind satirisch geprägt. Oft stehen sie gemeinsam mit Gerhard Polt auf der Bühne. Aus dem Kreis der Well-Familie entsprangen noch einige andere Musikgruppen und Projekte, wie z. B. die Wellküren (ein kabarettistisches Frauen-Trio) oder die Well-Buam, die sich die Wiederentdeckung der authentischen bayerischen Volks(tanz)musik zum Anliegen gemacht haben.

Die Biermösl Blosn entstammen einer 17-köpfigen Familie aus dem bayerischen Dorf Günzelhofen im Landkreis Fürstenfeldbruck (in der Nähe des Biermooses), wo der Vater, ein Dorfschullehrer, sich für die Pflege der traditionellen bayerischen Volksmusik engagierte. Im Gegensatz hierzu zeichnet sich das musikalische Konzept der Gruppe durch die zum Teil ironische Integration fremder Musikstile wie etwa der keltischen Folklore, ungewöhnliche Instrumentierungen wie Dudelsack, Alphorn, Harfe oder Didjeridu und vor allem durch pointiert politische bzw. gesellschaftskritische Texte aus, die häufig auf traditionellen bayerischen Gesangs- und Reimstilen (wie etwa dem frech-satirischen Gstanzl) basieren und im Dialekt vorgetragen werden. Insofern befinden sich die Multitalente der Biermösl Blosn – jeder der drei Musiker, vor allem aber Christoph Well, beherrscht verschiedene Instrumente – in der Nachfolge einer traditionell gegen die „Großkopferten” aufbegehrenden Volksmusik, wie sie beispielsweise von dem regional sehr bekannten Roider Jackl in den sechziger und siebziger Jahren gepflegt wurde. Bundesweite Bekanntheit erlangte das Trio erstmals, als es, „versehentlich” zum traditionellen Starkbieranstich einer Münchner Brauerei eingeladen, die Regierungspartei CSU kritisierte und so einen politischen Eklat verursachte.

Die Biermösl Blosn begannen 1976 während des Studiums mit Auftritten in der Umgebung, ähnlich denen, die sie zuvor unter Anleitung ihres Vaters und mit weiteren Familienmitgliedern auf Dorffesten und ähnlichen Veranstaltungen absolviert hatten (1978 und 1979 erschienen Doppel-CDs mit Aufnahmen der Well-Familie). Christoph Well konnte dabei auf eine Ausbildung als Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und als Konzertharfenist aufbauen, Michael Well auf eine Ausbildung zum Solotubisten und Baritonisten (ebenfalls bei den Münchner Philharmonikern). Hans Well, der Germanistik und Geschichte studierte, zeichnet vor allem für die Texte der Gruppe verantwortlich. Er beteiligte sich von Anfang an auch als Textschreiber für verschiedene Theaterproduktionen und Fernsehsendungen, so für Dieter Hildebrandts Scheibenwischer und Gerhard Polts Fast wia im richtigen Leben mit Polt und Gisela Schneeberger. Von Bedeutung ist hierbei auch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Autor Hanns-Christian Müller. Die meist als Live-Einspielungen entstandenen Plattenaufnahmen wie Ex Voto (1980), Grüß Gott, mein Bayernland (1982) und Tschüß Bayernland (1985) bedienten sich eines zum Teil bodenständig-deftigen Humors, der auch in den gemeinsamen Bühnenauftritten mit Gerhard Polt (München leuchtet, 1984; Exoten, 1986; Diri-Dari, 1988; Tschurangrati, 1994; Bayern Open, 1996) zum Tragen kam. Auftritte und Plattenveröffentlichungen wie Freibank Bayern (1987) und die Jodelhorrormonstershow (1990, beide mit Polt) und Wo samma (1994) lassen das kabarettistische Element mehr in den Vordergrund treten. 1984 erhielt die Gruppe in Mainz den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis. In Bayern wurden ihr 1985 und 1996 trotz eindeutiger Nominierungen durch die jeweilige Jury entsprechende Auszeichnungen verweigert. Der Bayerische Rundfunk beantwortete das politische Engagement der Musiker (z. B. gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf) mit einem zeitweiligen Sendeboykott.

Nach dem Vorbild der Biermösl Blosn entstand ab den späten achtziger Jahren eine blühende bayerische Musikszene, die die traditionelle Folklore sowohl textlich wie musikalisch zum Teil radikal neu interpretierte und auch im größeren Zusammenhang einer grenzübergreifend alpenländischen Musikbewegung (mit Österreich und der Schweiz) gesehen werden kann. Exponenten dieser Neuen Volksmusik sind auf bayerischer Seite z. B. die eher ruhig-meditative Fraunhofer Saitenmusik, die Guglhupfa (mit einem weiteren der Well-Brüder), der Hackbrettspieler Rudi Zapf, der Bayerisch-Diatonische Jodelwahnsinn, die dem Punk verhafteten Hundsbuam, Miserablige und das in Bereiche des Free Jazz vorstoßende Bläser-Trio Die Interpreten.

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