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Eurotunnel

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Eurotunnel-Terminal in KentEurotunnel-Terminal in Kent

Eurotunnel, auch Kanaltunnel, unterseeische Verkehrsverbindung zwischen Großbritannien und Frankreich bzw. dem europäischen Festland, 1994 eröffnet. Der über eine Länge von 50,4 Kilometern unter dem Ärmelkanal der Nordsee hindurchführende Eisenbahntunnel mit Autoverladung hat seine Endpunkte in Coquelles bei Calais auf der französischen und Cheriton in der Nähe von Folkestone auf der britischen Seite.

Das besonders in der britischen Bevölkerung bis zuletzt umstrittene Bauwerk kann auf eine jahrhundertelange Ideengeschichte zurückblicken. Überlegungen zu einer festen Verbindung der Britischen Insel mit dem europäischen Festland wurden trotz politischer und kultureller Vorbehalte im 18. Jahrhundert bereits ansatzweise in die Tat umgesetzt, scheiterten jedoch in der Bauphase an den zunächst unüberwindlichen technischen Problemen. Erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Pläne für einen Eisenbahntunnel (ein Autotunnel erschien als zu riskant und unzweckmäßig) wieder konkretisiert. 1990 erfolgte schließlich der Durchstich, d. h. das Aufeinandertreffen der von zwei Seiten auf die Mitte zuarbeitenden Bautrupps. Ein internationales Bankenkonsortium trug die Baukosten in Höhe von 13,5 Milliarden DM.

Das aus zwei Transportröhren und einem erheblich kleineren Service- und Rettungstunnel in der Mitte oberhalb der beiden anderen bestehende Bauwerk verfügt über eine projektierte Kapazität von bis zu 600 Zügen pro Tag und Fahrtrichtung, die jedoch bisher bei weitem nicht ausgenutzt wurde. Die etwa 25 bis 40 Meter unter dem Meeresboden verkehrenden Züge nehmen neben Passagieren auch Personen- und Lastkraftwagen auf und bieten eine neben dem traditionellen Schiffsfährverkehr erheblich reduzierte Fahrzeit von 35 Minuten. Der Wasserweg ist darüber hinaus in der besonders während der Herbst- und Wintermonate gefährlich stürmischen Nordsee stark witterungsabhängig und nicht immer komfortabel. „Le Shuttle”, wie das neuartige Transportsystem offiziell auch genannt wird, bietet zudem durchgehende Zugverbindungen zwischen Paris (bzw. Brüssel) und London (Fahrzeit 3,5 Stunden), die auch in Konkurrenz zum Flugverkehr treten.

Dennoch hatte die private Betreibergesellschaft von Beginn an mit zum Teil existenzgefährdenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch die immensen Baukosten und den schleppenden Beginn des Tunnelverkehrs waren bis zum Frühjahr 1997 Schulden in Höhe von rund 25 Milliarden Mark aufgelaufen. Ein Brand in einer der Tunnelröhren im Herbst 1996 (zwei Jahre nach Eröffnung) hatte darüber hinaus weitere Einnahmeausfälle verursacht. Festgestellte Sicherheitsmängel blockierten bis ins Jahr 1997 den Lkw-Transport, der das Kerngeschäft des Tunnelverkehrs darstellen soll. Zugleich geriet der traditionelle Fährverkehr über den Ärmelkanal durch die Konkurrenz des Eurotunnels ebenfalls in eine Krise. Die Betreiber von Fähren, Tragflügel- und Luftkissenbooten (den legendären Hovercrafts) in den bekannten Häfen Ostende, Dover und Calais mussten im selben Jahr bereits Buchungsrückgänge um bis zu 50 Prozent hinnehmen.

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