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Windows Live® Suchergebnisse FlaneurEnzyklopädieartikel
Flaneur (von französisch flâner: bummeln), Bezeichnung für einen Menschen, der ohne bestimmtes Ziel auf den Geschäftsstraßen der Großstadt umherschlendert. Die Gestalt des Flaneurs ist ein Produkt der Pariser Passagen: Sie entstand im Zuge der verstärkten Urbanisierung der Metropole vor allem durch Georges Haussmann im 19. Jahrhundert. In den überdachten Ladenzeilen fand der Flaneur sein Asyl und setzte der Hektik des Verkehrs und dem Kaufrausch seiner Umgebung einen betont beschaulichen, die Warenwelt lediglich rezipierenden Müßiggang entgegen (einige Flaneure besiedelten die Passagen mit Schildkröten an Leinen, von denen sie sich die Taktfrequenz ihres Ganges vorschreiben ließen). Die Geisteshaltung des Flaneurs ist die eines dezidierten Ästhetizismus. Ein bekannter „Flaneur durch Kopenhagener Rendezvousstraßen” (Robert Müller) war Søren Kierkegaard. Mit Edgar Allan Poes Erzählung The Man of the Crowd (1840; Der Mensch der Menge) fand der Flaneur Eingang in die Literatur. Hier tritt der Ich-Erzähler als Analytiker in Erscheinung, der die am Kaffeehausfenster wie an einer Bühnenwand vorbeirauschende anonyme Großstadtmasse aufgrund ihrer signifikanten Merkmale sozial und biographisch zu unterteilen weiß. Am Wendepunkt der Geschichte schließt sich der Erzähler wie ein Detektiv einem alten Mann an, den er bei seinen ziellosen Streifzügen durch ein Kaufhaus bis zum Elendsquartier der Stadt verfolgt; schließlich stellt er fest, dass der Mann durch sein Verschwinden in der Menge die eigene Einsamkeit zu vergessen sucht: Beide Figuren Poes tragen somit Züge des Flaneurs. Nicht ohne auf Poe zu verweisen, setzten sich in der Folge Charles Baudelaire und theoretisch Walter Benjamin mit der Figur auseinander. In seinem zwischen 1927 und 1940 entstandenen Passagen-Werk (posthum 1982), das er zum – wenn auch geringen – Teil vermutlich mit dem Berliner Autor und Flaneur Franz Hessel (Spazieren in Berlin, 1929) gemeinsam verfasste, deutete Benjamin den Typus nicht zuletzt als eine Art Leser der Großstadt, die im Text des Urbanen sich umtue: Tatsächlich ist eine beliebte Metapher des literarischen Flanierens die vom „Buch der Stadt”, etwa bei Louis Sébastien Mercier. (Dieser Gedanke wurde später von der urbanen Semiotik um Jan Mukařovský, Roland Barthes und Max Bense wieder aufgegriffen.) Bei Benjamin avanciert Baudelaire zum melancholischen Müßiggänger, der die entfremdende Tendenz des Kapitalismus innerhalb einer Schwellenepoche „noch mit einem versöhnlichen Schimmer umspielt”.
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