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Greifvögel, Ordnung mit rund 300 Arten fast ausschließlich räuberisch oder von Aas lebender Vögel, die früher als Raubvögel bezeichnet wurden.
Kennzeichnend für die Greifvögel sind ein massiver, scharfkantiger und hakenförmig zugespitzter Schnabel sowie kräftige Fänge mit zumeist gebogenen Krallen – beides Anpassungen an ihre Lebensweise als Fleischfresser. Greifvögel haben ein sehr gutes Gehör und einen hervorragenden Gesichtssinn: Das räumliche Auflösungsvermögen ihrer Augen ist zwei- bis viermal (an den Sehgruben bis zu achtmal) so hoch wie das des menschlichen Auges. Die Gesichtsfelder der Augen von Greifvögeln überschneiden sich, so dass ihnen ein räumliches Sehen möglich ist. Dank ihrer Fähigkeit, UV-Licht wahrzunehmen, können sie auch die für andere Tiere unsichtbaren Urinmarkierungen potentieller Beutetiere visuell erkennen. Der als Supraorbitale bezeichnete Knochen über der Augenhöhle schützt das Auge und verleiht dem Greifvogel seinen charakteristischen Gesichtsausdruck. Im Bereich des oberen Schnabelansatzes liegt eine ungefiederte, die Nasenlöcher umgebende Wachshaut, die bei vielen Arten gelb, rot oder bläulich gefärbt ist. Greifvögel haben einen relativ kurzen, kräftigen Körper mit stark ausgeprägten Flugmuskeln und meist einen abgerundeten Kopf. Männchen sind in der Regel kleiner als Weibchen, wodurch Nahrungskonkurrenz zwischen den Geschlechtern vermieden wird. Das Gefieder ist zumeist in Braun-, Grau-, Schwarz- oder Weißtönen gehalten; nur wenige Arten sind (vor allem am Kopf) bunter gefärbt. Bei einigen Arten sind Männchen und Weibchen unterschiedlich gefärbt (z. B. beim Turmfalken), oder es existieren genetisch bedingte Farbvarianten (etwa beim Mäusebussard); auch weisen junge Greifvögel oft ein anderes Gefieder auf als ältere. Das Federkleid erstreckt sich bei den meisten Greifvögeln auch auf die Beine, bei manchen Arten (z. B. vielen Adlern) sogar bis zu den Füßen. Die Flügel derjenigen Greifvögel, die als Segelflieger Aufwinde nutzen (etwa Adler, Bussarde und Geier), sind lang und breit gefächert. Arten wie die Falken, die ihre Beute im schnellen Flug jagen, haben dagegen relativ schmale, spitze Flügel, während die Flügel von Habichten, die auf der Jagd zwischen Bäumen manövrieren, relativ kurz sind.
Greifvögel sind, abgesehen von der Antarktis, weltweit verbreitet. Sie besiedeln Wälder, offene Landschaften und Kulturlandschaften, der Turmfalke z. B. auch menschliche Siedlungen, und dringen bis ins Hochgebirge und in Wüsten vor. Greifvögel leben vorwiegend von Wirbeltieren, manche Arten ernähren sich auch von Früchten, Wirbellosen und – insbesondere Geier – von Aas. Unverdauliche Nahrungsreste würgen Greifvögel als Gewölle hervor. Ihre Beute schlagen die räuberischen Arten meist durch einen raschen, überfallartigen Angriff, meist von einem Aussichtspunkt (Ansitz) oder vom Flug in größerer Höhe aus; lediglich der Sekretär jagt meist am Boden laufend. Manche Greifvögel, etwa der Turmfalke, sind in der Lage zu „rütteln”, d. h., sie „stehen” in der Luft und halten dabei nach Beute Ausschau. Die meisten Greifvögel leben einzelgängerisch bzw. als Paar und verteidigen ein Revier, das bei größeren Arten in entlegenen Regionen (z. B. Steinadler oder Bartgeier) weit über 100 Quadratkilometer umfassen kann. Ihr Nest (den Horst) errichten Greifvögel im Fels, in Bäumen oder auf dem Boden. Die Gelegegröße kann bis zu zehn Eier betragen (bei Weihen), ist aber meist deutlich geringer; sie wird bei vielen Arten von der Beutedichte beeinflusst. Da die Eier im Lauf mehrerer Tage gelegt werden, schlüpfen die Jungen in der Regel nacheinander. Sie sind Nesthocker, weisen beim Schlüpfen aber bereits ein Daunengefieder auf und haben offene Augen. Bei den meisten Greifvögeln schafft das Männchen die Nahrung heran, die dann vom Weibchen an die Jungen verfüttert wird. Greifvögel stehen in ihrem Ökosystem meist an der Spitze der Nahrungskette; ihr Bestand wird (ebenso wie die Größe ihres Reviers) in der Regel stark von der Bestandsdichte ihrer Beutetiere beeinflusst. Unabhängig davon sind viele Greifvogelarten durch Lebensraumzerstörung, Verfolgung durch den Menschen und die schädliche Wirkung von Pestiziden (vor allem DDT) auf die Fortpflanzung in ihrem Bestand gefährdet. Auch die in einigen Teilen der Welt seit Jahrhunderten praktizierte Beizjagd hat zum Rückgang der Greifvögel beigetragen. Viele der in Deutschland brütenden Greifvogelarten werden in den Roten Listen der gefährdeten Arten geführt; in Mitteleuropa stehen alle Arten unter Naturschutz, so dass sich die Bestände teilweise erholt haben.
Greifvögel bilden die Ordnung Falconiformes der Klasse Aves.
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