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Windows Live® Suchergebnisse Kunst und Architektur der nordamerikanischen IndianerEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Skulptur; Keramik; Graphik und Malerei; Schmuck, Textilgestaltung, Flechterei; Architektur
Kunst und Architektur der nordamerikanischen Indianer, das Kunstschaffen der Indianer in Alaska, Kanada, den USA und Nordmexiko von den prähistorischen Anfängen bis zur Gegenwart. Zur Kunst und Architektur mittel- und südamerikanischer Indianerkulturen siehe die Artikel Präkolumbische Kunst und Architektur, Olmeken-Kultur, Mesoamerika, Inka, Azteken und Maya. Die Formensprache indianischen Kunstschaffens ist äußerst vielfältig. Schon in voreuropäischer Zeit reichte sie von realistischen Skulpturen über abstrahierte Tier- und Menschendarstellungen zu verspielter Ornamentik, geometrischer Symbolik und dynamischen Szenenbildern mit kraftvoller Linienführung. Ob abstrakt oder gegenständlich – die Werke hatten immer eine eindeutige Aussage, die von zeitgenössischen Betrachtern verstanden wurde. Jede Region hatte ihre charakteristischen Stile, Kunstformen und Techniken. Reger Austausch zwischen den Regionen neben immanentem Wandel sorgte im Lauf der Geschichte für immer neue Ausdrucksformen. Diese Beständigkeit und kreative Innovation sicherte das Überleben indianischer Kunst und Kultur. Nach der Ankunft der Europäer nahmen regionale Unterschiede in Folge erzwungener Umsiedlungen ab, und neue panindianische Stile entstanden. Auch die bauliche Tätigkeit war ursprünglich sehr stark regional geprägt. Gemeinsam war der Architektur, dass sie weniger formal-ästhetischen als vielmehr gesellschaftlichen und religiösen Kriterien folgte. Jeder Pfosten, die Form des Hauses und die verwendeten Farben spiegelten soziale oder religiöse Inhalte wider. Sakraler Raum selbst wurde meist nicht durch Bauwerke geschaffen. Vielerorts war es geradezu verboten, Orte von sakraler Bedeutung zu verändern oder gar zu bebauen. Kunst um der Kunst willen gab es im voreuropäischen Nordamerika nicht. Sprachlich wurde in keiner indianischen Sprache Nordamerikas zwischen Kunst und Nicht-Kunst unterschieden. Kunstwerke entstanden vielmehr als Gebrauchsgegenstände oder im sakralen Bereich. Dennoch kann eine Vielzahl der vor langer Zeit entstandenen Gegenstände nach heutigen ästhetischen Kriterien wie auch nach den Maßstäben des Kunstmarktes zweifellos als Kunst eingestuft werden. In der zeitgenössischen Kunst der Indianer Nordamerikas haben überlieferte und moderne Kunstformen zu einer Symbiose gefunden. Beide existieren nebeneinander und beeinflussen sich wechselseitig. Die Grenze zwischen Kunst und Kunsthandwerk ist fließend. So haben beispielsweise Kachina-Figuren einzelner Hopi-Künstler Eingang in den internationalen Kunstmarkt gefunden, gleichzeitig werden Kachina-Figuren für den Touristenmarkt und den eigenen Gebrauch hergestellt. Im Bereich des Kunsthandwerks führen derzeit Fälschungen aus Billiglohnländern zu finanziellen Einbußen der betroffenen indianischen Handwerker.
Schon ab etwa 500 v. Chr. stellten die Indianer des Waldlandes stark abstrahierte und extrem glatt polierte Skulpturen von Vögeln (so genannte Vogelsteine) her, die ursprünglich als Gewichte für Speerschleudern dienten, aber bald ein begehrtes Handelsgut wurden. Sie finden sich neben steinernen Pfeifenköpfen in Gestalt von Menschen oder Tieren und neben figürlichen Silhouetten aus Glimmer in den Grabhügeln der Adena- und Hopewellkulturen. Vor allem die figürlichen Pfeifenköpfe sind aufgrund ihrer künstlerischen Ausgestaltung als Kleinskulpturen zu werten. Später brachte die Mississippikultur (900-1600 n. Chr.) Marmorskulpturen hervor, die erstmals losgelöst von Gebrauchsfunktionen waren. Aus historischer Zeit (16.-19./20. Jahrhundert) sind Skulpturen aus Stein, Holz, Horn und Knochen bekannt. Die Bewohner der Prärien und Plains setzten die prähistorische Tradition steinerner Pfeifenköpfe mit teils naturalistischen, teils abstrahierten Figuren fort. Überwiegend wird heute der rote Pfeifenstein (Katlinit) verwendet, der als heilig gilt. Von der prähistorischen Anasazi-Kultur (200 v. Chr. bis 1500 n. Chr.) sind winzige, teils schematisierte Tierdarstellungen aus verschiedenen Gesteinen erhalten. Die Zuñi-Indianer New Mexicos stellen ähnliche Figuren heute noch her. Ursprünglich waren sie für den religiösen Gebrauch bestimmt und ihr Wert war besonders hoch, wenn der Stein möglichst wenig bearbeitet war. Mit ihrer kunsthandwerklichen Vermarktung im 20. Jahrhundert wurden sie feiner bearbeitet und glatter poliert. Von großer Bedeutung für den Kunstmarkt sind die geschnitzten Holzskulpturen der Nordwestküste: bemalte, monumentale Ahnenpfähle, große tiergestaltige Masken, reliefierte Hausteile, Truhen und kleinere beschnitzte Gegenstände wie Rasseln, Löffel und Gefäße. Häufig vereinen die Figuren menschliche mit tierischen Merkmalen, da die Religion von einer Seelenverwandtschaft zwischen beiden ausgeht. Die Darstellungen sind in charakteristischer Weise abstrahiert, zum Teil im Röntgenstil oder als Doppelprofil, und unterscheiden sich regional. Die hierarchische Überflussgesellschaft der Nordwestküste ermöglichte eine berufsmäßige künstlerische Betätigung im Auftrag der Adelsschicht. Heutige Künstler setzen die Tradition der Holzschnitzerei fort, teilweise auch mit internationalem Erfolg. Die Irokesen des östlichen Waldlandes wurden durch ihre Falschgesichtsmasken bekannt, die sie für Zeremonien aus lebenden Bäumen schnitten. Die Kachina-Figuren der Hopi, anfangs fast zweidimensionale hölzerne Abbilder der Kachina-Tänzer, entwickelten sich zu dynamischen Kleinskulpturen. Gleichzeitig durchliefen sie eine Wandlung vom pädagogischen Kinderspielzeug für den eigenen Gebrauch zu marktrelevantem Kunsthandwerk und zu Kunst. Die moderne indianische Bildhauerei entwickelte sich im 20. Jahrhundert zunächst losgelöst von traditionellen Vorbildern aus den Schulen der Malerei heraus. Erst der Apache Allan Houser verhalf ihr mit seinen monumentalen und dynamischen Werken von individueller Ausdruckskraft um 1940 zum Durchbruch.
Seit 2000 v. Chr. wurde in Nordamerika Gebrauchskeramik hergestellt. Bemalte Gefäße sind seit etwa 500 v. Chr. im südlichen Nordamerika nachzuweisen, was möglicherweise auf Kontakte mit den altmexikanischen Kulturen schließen lässt. Gefäße und Figuren wurden in Spiralwulsttechnik oder Treibtechnik hergestellt, denn die Töpferscheibe war unbekannt. Dennoch entstanden vor allem im Südwesten und Südosten der heutigen USA sehr dünnwandige, hochwertige Keramiken. Während im Südwesten Gefäße mit mehrfarbiger Bemalung dominierten, brachten die frühen Kulturen des Südostens auch Figurinen und Gefäße mit figuralen Aufsätzen hervor. Auch nach der Ankunft der Europäer wurden weiterhin Keramiken mit den alten Techniken, Formen und Designs hergestellt, die sich später bei Sammlern großer Beliebtheit erfreuten. In einigen Gegenden war die Töpferei um 1870 an einem Tiefpunkt angelangt, wurde aber durch die Nachfrage von Museen, Sammlern und Touristen wiederbelebt. Bei den Hopi begann die Töpferin Nelly Nampeyo Ende des 19. Jahrhunderts, inspiriert von prähistorischen Scherben, einen eigenen Stil zu entwickeln, der von anderen Hopi fortgesetzt als „Hano-Polychrom” in die wissenschaftliche Literatur einging. Heute hat jede der Pueblosiedlungen des Südwestens ihren eigenen Keramikstil. Acoma ist seit dem 19. Jahrhundert für seine mit Pflanzen- und Tiermotiven bemalten Gefäße bekannt, im 20. Jahrhundert kamen polychrome, geometrische Dekorationen hinzu. Santa Clara und San Ildefonso sind dagegen für ihre schwarzen Keramiken bekannt. Einer gänzlich anderen Tradition entspringen die Tonfiguren der Mohave, die ebenfalls im Südwesten beheimatet sind. Einfache, meist weibliche Figuren aus halbgebranntem Ton wurden bemalt und mit echtem Haar und Kleidung versehen. Die bis ins 19. Jahrhundert entstandenen Stücke erzielen auf dem Kunstmarkt Spitzenpreise. Im Osten kamen die vormals bedeutenden Keramiktraditionen nach der Ankunft der Europäer nahezu zum Erliegen. Wiederbelebungsversuche der Cherokee, Irokesen und anderer blieben marginal.
Die heutige Graphik und Malerei des indianischen Nordamerika schöpft aus verschiedenen Traditionen. In den Plains und Prärien war die figürliche Malerei einst den Männern vorbehalten, während sich die Frauen meist geometrischer Formen annahmen. Bemalt wurden Lederkleidung und -behälter, Tipis (Zelte), Einrichtungsgegenstände und auch der Körper von Pferden und Menschen. Die ornamental wirkenden Designs der Frauen sind aufs Äußerste abstrahierte Darstellungen von Tieren, Menschen, Pflanzen oder Symbole des sozialen Ranges. Die Symbolik war jedoch nicht standardisiert, sondern wurde individuell von ihrer Schöpferin kreiert. Die Männer bemalten u. a. die Lederseite von Fellen, die als Roben getragen wurden, oder die innere Verkleidung des Tipis. Diese farbigen, sehr dynamischen Bilder zeigten rituelle Tänze, Schlachten, Jagderfolge und historische Szenen in Bilderfolgen (Wintercounts), kamen aber ohne räumliche Tiefe aus. Typisch für diese Phase war, dass Tiere sehr viel detaillierter erscheinen als die dargestellten Menschen. In der frühen Reservatszeit wurden solche Darstellungen auf Papier übertragen und zum Teil verkauft. Obgleich sich die Handschrift einzelner Urheber erkennen lässt, waren die Malereien der Männer unpersönlich und folgten eher einem kollektiven Muster. Später knüpften die Indianer der ersten Kunstschulen an diese Art der Darstellung an. Die zweite Wiege der zeitgenössischen Malerei war der Südwesten. Die erwähnten bemalten Keramiken standen ebenso Pate wie Felsbilder, die bemalten Innenwände von Kivas (Zeremonialräume der Pueblokulturen und ihrer Vorläufer) und Sandbilder der Navajo und Apachen. Kivas wurden und werden mit flächigen, aber bewegten Darstellungen mythischer Wesen in plakativer Weise bemalt. Sandbilder waren aus losem, farbigem Sand auf die Erde aufgebrachte Bilder, die religiöse Inhalte in stark abstrahierten, fast geometrischen Formen zeigten. Sie wurden für Heilungszeremonien hergestellt und in deren Verlauf wieder zerstört. Heute werden neben den vergänglichen auch haltbare Sandbilder auf Platten mit leicht abgewandelten Motiven für den Verkauf hergestellt. Um 1890 begannen einige Hopi auf Anregung eines Ethnologen, Kachina-Tänzer auf Papier zu malen. Dies wird als Beginn der modernen indianischen Malerei des Südwestens betrachtet. Im nordöstlichen Waldland schöpfte man im 20. Jahrhundert künstlerisch aus der Mythologie und der verspielten traditionellen Ornamentik der Region. Anfangs stießen Künstler wie Narval Morriseau auf den Widerstand von Traditionalisten, die sich gegen die Preisgabe religiöser Inhalte in der Malerei stellten. In den Bildern der Waldland-Schule überwiegen leuchtende Farben mit kraftvoller Linienführung. Lebewesen sind oft im Röntgenstil mit sichtbaren Organen dargestellt. Vor allem in Kanada prägten die bemalten Holzschnitzereien der Nordwestküste die Malerei. Stil und Motive wurden zunächst auf Leinwand übertragen, wobei die Farben Rot, Schwarz und Weiß dominierten. Später lösten sich einzelne Künstler vom strengen Schema und experimentierten mit bewegteren Formen und weniger statischer Linienführung. Neben diesen vier stark von Traditionen geprägten Kunstregionen entwickelte sich eine panindianische Richtung in jenen Regionen, deren eigene Überlieferungen schon zu stark gebrochen waren, um wiederbelebt zu werden. Das Vakuum wurde meist mit Anleihen bei den Plains-Kulturen geschlossen. Zwar fand die indianische Kunst Nordamerikas seit etwa 1925 gerade durch ihre ethnisch geprägten Ausdrucksformen Anerkennung, doch diese Festlegung drängte das Kunstschaffen in Richtung der Volkskunst ab und verwehrte den Zutritt auf die internationale Kunstbühne. Diese Fesseln versuchten Nonkonformisten seit etwa 1960 zu sprengen, indem sie Anschluss an internationale Entwicklungen suchten und sich von der regional geprägten Formensprache lösten. Die verzerrten Porträts zeitgenössischer Indianer des Luiseño Fritz Scholder läuteten den Richtungswechsel ein. Heutige Nonkonformisten lassen sich nicht in eine gemeinsame Schule einreihen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht als Indianer, sondern als Künstler Anerkennung suchen, mit neuen Ausdrucksformen experimentieren und sich künstlerisch mit ihrer indianischen Herkunft auseinandersetzen.
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