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Windows Live® Suchergebnisse RiesenschildkrötenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Galápagos-Riesenschildkröte; Gattung der Seychellen-Riesenschildkröten; Systematische Einordnung
Riesenschildkröten, vier Arten und zwei Gattungen zugeordnete Landschildkröten: die auf den Galápagos-Inseln lebende Galápagos-Riesenschildkröte und drei Arten auf den Seychellen heimischer Seychellen-Riesenschildkröten. Die beiden sehr weit voneinander entfernt lebenden Gattungen sind nicht näher miteinander verwandt; ihre ungewöhnlichen Größen entwickelten Galápagos- und Seychellen-Riesenschildkröten aus unbekannten Gründen unabhängig voneinander. Riesenschildkröten wurden früher von Seefahrern in großer Zahl als „Lebendkonserven” in dunklen Frachträumen gestapelt, in denen die Tiere ohne Futter bis zu ein Jahr dahinvegetieren mussten. Durch gewaltige Abschlachtaktionen und die Einführung von Hunden, Katzen, Ratten, Schweinen, Ziegen und Eseln, welche die im Boden abgelegten Eier und Jungschildkröten fraßen bzw. den Schildkröten die Nahrung streitig machten, wurden die Riesenschildkröten weiter dezimiert. Mehrere Arten und Unterarten von Riesenschildkröten wurden ausgerottet. Zwei Arten überlebten im Freiland und zwei weitere in Gefangenschaft.
Der Rückenpanzer (Carapax) der Galápagos-Riesenschildkröte kann im Freiland eine (als gerade Strecke gemessene) Länge von etwa 1,3 Metern erreichen; die Tiere werden maximal rund 290 Kilogramm schwer. Ihr Lebensraum ist vielfältig: Dornstrauchvegetation mit Kakteen, Gebüsche, offener Wald mit zahlreichen Tümpeln sowie geschlossener Laubwald. Die Nahrung der Schildkröten besteht aus Gräsern, Kräutern, Kakteen, Blättern, Früchten und Flechten; Feigenkakteen (Opuntien) dienen auch der Versorgung mit Flüssigkeit. Während der heißen Mittagszeit ruhen die Schildkröten. Das Weibchen legt nahe der Küste in selbst gegrabenen Gruben 8 bis 17 Eier; die Jungen schlüpfen nach vier bis acht Monaten. Ebenso wie die Schlüpflinge der Seychellen-Riesenschildkröten können sie bis zu einen Monat unter der Erde bleiben und ernähren sich in dieser Zeit von Dotterresten, die vor dem Schlüpfen in ihren Körper eingezogen werden. Sowohl Galápagos- als auch Seychellen-Riesenschildkröten können älter als 150 Jahre werden. Eine 1835 von Charles Darwin mit der Beagle nach England verfrachtete, damals etwa fünf Jahre alte weibliche Galápagos-Riesenschildkröte, die man wenige Jahre später nach Australien brachte, wurde 2005 im Zoo von Brisbane ungefähr 175 Jahre alt. Nach der Entdeckung der Galápagos-Inseln 1535 durch spanische Seefahrer wurden von den ursprünglich 14 Unterarten der Galápagos-Riesenschildkröte vier ausgerottet; allein im 19. und 20. Jahrhundert sollen 100 000 bis 200 000 dieser Schildkröten abgeschlachtet worden sein. Die vom Menschen auf den Galápagos-Inseln eingeführten Haustiere sind nicht nur Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten, insbesondere Ziegen dezimieren auch die für Schildkröten als Schattenspender lebenswichtige Vegetation. Der Charles Darwin Research Station auf der Galápagos-Insel Santa Cruz gelang seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Aufzucht und Auswilderung von mehreren tausend Riesenschildkröten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es wieder etwa 20 000 Galápagos-Riesenschildkröten.
Ursprünglich waren auf zahlreichen Inseln im Indischen Ozean – von Madagaskar über die Seychellen bis zu den Maskarenen – mehrere Arten von Seychellen-Riesenschildkröten verbreitet. Diese Schildkröten wurden vor allem ab dem 16. Jahrhundert von Seefahrern und Siedlern dezimiert; noch im 18. Jahrhundert lebten jedoch auf etwa 20 Inseln vor der Ostküste Afrikas Riesenschildkröten. Seit etwa 1840 ist nur noch die auf dem Aldabra-Atoll der Seychellen beheimatete Aldabra-Riesenschildkröte als überlebende Spezies bekannt.
Die maximale Länge des Rückenpanzers der Aldabra-Riesenschildkröte beträgt bei Männchen dieser Art zumeist etwa 1,2 Meter (ausnahmsweise 1,5 Meter), bei Weibchen 0,9 Meter. Die Männchen können im Freiland ein Maximalgewicht von 250 Kilogramm erreichen, das durchschnittliche Gewicht, das u. a. von Populationsdichte, Nahrungsangebot und Altersstruktur der Population abhängt, liegt jedoch nur bei 20 bis 50 Kilogramm. Die meisten Schildkröten dieser Art leben auf der vorwiegend mit Gebüschen, Gräsern und Kräutern bestandenen Hauptinsel Grand Terre des Aldabra-Atolls. Ihre Nahrung ist in der Regel vegetarisch (Kräuter, Gräser, Blätter, Früchte, Blüten), selten nehmen die Tiere auch Aas. Die Schildkröten sind zumeist am Morgen und Abend aktiv, tagsüber suchen sie unter Büschen Schutz vor der Sonne und klettern bei einem Mangel an schattigen Plätzen auch übereinander. Das Weibchen legt zumeist 4 bis 14 Eier in eine etwa 25 Zentimeter tief gegrabene Grube. Die Jungen schlüpfen nach durchschnittlich zwei bis vier Monaten. Die stark geschrumpften Bestände der Aldabra-Riesenschildkröte erholten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Heute leben auf mehreren Inseln des Atolls insgesamt etwa 100 000 Tiere; auf einigen dieser Inseln wurden die Schildkröten wahrscheinlich vom Menschen eingebürgert. Auch auf anderen Inseln der Seychellen wurden insgesamt etwa 5 000 Aldabra-Riesenschildkröten eingebürgert, die dort zum Teil als Haustiere gehalten werden. Im Zoo von Kalkutta starb 2006 eine Aldabra-Riesenschildkröte, die den Unterlagen des Zoos zufolge 1750 aus dem Ei geschlüpft und demnach rund 255 Jahre alt geworden war.
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