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Autographen

Enzyklopädieartikel

Autographen, handschriftlich überlieferte Zeugnisse. Der Begriff kommt aus dem Griechischen. Der Autographenhandel konzentriert sich insbesondere auf handschriftliche Zeugnisse bedeutender Persönlichkeiten aus Geschichte und Politik, Literatur, Kunst und Musik, Wissenschaft, von Bühne und Leinwand.

Die Wertschätzung der Autographen ist aufs Engste mit der Entwicklung des individuellen Menschenbildes zur Zeit des Humanismus und der Reformation verbunden. Seit dieser Zeit werden in Stammbüchern und Alben aber auch als Einzelblätter Handschriften als unveräußerlicher Ausdruck der Persönlichkeit, gewissermaßen als geistiger Fingerabdruck, gesammelt. Bedeutende Autographensammlungen werden von den großen Bibliotheken und Literaturarchiven beherbergt, prominente Privatsammler waren Goethe (Goethes Autographensammlung. Katalog bearbeitet von H.-J. Schreckenbach, Weimar 1961) und Stefan Zweig (Die Autographensammlung als Kunstwerk).

Neben Privatpersonen, denen es an Erinnerungsstücken gelegen ist, sammeln auch Archive und Bibliotheken Autographen. Diese Sammlungen bilden eine wichtige Quelle für Historiker, Literatur- und Musikwissenschaftler. Man klassifiziert die Autographen nach Manuskripten besonders literarischer und musikalischer Werke, Briefen oft bedeutsamen Inhalts, Schriftstücken und so genannten Albumblättern, bei denen die ästhetische Gestaltung den Inhalt überwiegt.

Der Handelswert der Autographen ist von der historischen Bedeutung oft nicht direkt abhängig, wenngleich diese in der Bewertung eine wichtige Rolle spielt, er richtet sich nach Seltenheit, Bekanntheitsgrad des Schreibers, Schönheit, Erhaltung und Umfang. Am höchsten in der Wertschätzung stehen die Werkmanuskripte bedeutender Musiker und Dichter als materieller Niederschlag des meist im künstlerischen Intellekt bereits fertig gestellten und eigentlich immateriellen Werkes. Am unteren Ende der Skala stehen die so genannten „Autogramme”, Gefälligkeitssignaturen von Tagesberühmtheiten auf Blättchen und Porträtpostkarten. Gelegentlich kommt der Preis auch durch Umstände zustande, die mit dem Autograph nicht wirklich im Zusammenhang stehen: so trieb bei einer Auktion 1911 der amerikanische Bankier John Pierpont Morgan den Preis für einen Brief von Luther an Kaiser Maximilian bis auf 102 000 Mark, um ein Geschenk von repräsentativem Wert für den deutschen Kaiser Wilhelm II. zu haben.

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