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Arisierung

Enzyklopädieartikel

Arisierung, nationalsozialistische Bezeichnung für die Enteignung der Juden und die Überführung ihres Eigentums in „arischen” Besitz; im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff die Verdrängung der Juden aus ihren Berufen und dem öffentlichen Leben im nationalsozialistischen Deutschland insgesamt. Eine der „gesetzlichen” Grundlagen der Arisierung waren die Nürnberger Gesetze von 1935, die die staatsbürgerlichen Rechte der Juden in Deutschland massiv einschränkten und sie zu Bürgern zweiter Klasse herabstuften.

Die Arisierung im weiteren Sinne setzte bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ein, so etwa mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums vom 7. April 1933, das die Versetzung von Beamten „nicht arischer Abstammung” in den Ruhestand verfügte (siehe auch Arierparagraph). Die eigentliche Arisierung begann Ende 1937 mit der schrittweisen Enteignung kleinerer Betriebe jüdischer Gewerbetreibender und der beruflichen Diskriminierung jüdischer Ärzte und Rechtsanwälte. Nach „Arisierungsverordnungen” vom 26. April und 14. Juni 1938 mussten Juden ihre Betriebe und ihr Vermögen über 5 000 Reichsmark registrieren lassen und verloren die freie Verfügungsgewalt über ihr Eigentum. Die Inszenierung der so genannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 diente maßgeblich der Beschleunigung und Vollendung der Arisierung. Im Rahmen dieses Pogroms wurden insbesondere wohlhabende Juden in Konzentrationslager verschleppt und mussten dort unter Zwang ihr Eigentum weit unter Wert verkaufen. Die auf Initiative Hermann Görings zustande gekommene 1. Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 zwang praktisch alle gewerbetreibenden Juden in Deutschland, ihre Geschäfte und Betriebe zu schließen. Es folgten Verteilungskämpfe der „arischen” Privatwirtschaft um jüdisches Eigentum, das in der Regel weit unter Wert den Besitzer wechselte. Per Verordnung vom 3. Dezember 1938 durften Juden auch ihren Grundbesitz nur mehr zu offiziell festgelegten Preisen veräußern, Wertgegenstände konnten sie nur an amtliche Ankaufsstellen und unter Wert verkaufen. Eines der Ziele der Arisierung war, durch diese und ähnliche Zwangsmaßnahmen die Juden zur Auswanderung zu zwingen; allerdings wurden durch die Art und Weise der Arisierung den Juden die zur Auswanderung notwendigen Mittel weitgehend entzogen und die bis zum Beginn des 2. Weltkrieges vom NS-Staat forcierte Vertreibungspolitik erheblich erschwert.

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