Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Bilderbuch", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Bilderbuch

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Bilderbuch

Enzyklopädieartikel
Multimedia
George Cruikshank: Illustration aus Oliver TwistGeorge Cruikshank: Illustration aus Oliver Twist

Bilderbuch, kurz nach der Erfindung des Buchdrucks geprägte Bezeichnung für ein mit Bildern ausgestattetes Buch. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts findet der Begriff fast nur noch in Bezug auf – meist großformatige – illustrierte Kinderbücher Anwendung, in denen die Bilder gegenüber dem Text vorherrschen. Bilderbücher wenden sich an Kinder ab etwa dem zweiten Lebensjahr und sind, abhängig von der angesprochenen Altersstufe, unterschiedlich ausgestattet, was das Material, die Art und Anzahl der Illustrationen sowie den Umfang des Textes anbelangt.

Die Geschichte des Bilderbuchs begann im ausgehenden Mittelalter mit illustrierten Schriften religiösen Inhalts, ABC-Büchern und Fibeln sowie bebilderten Fabelsammlungen. Ein frühes Beispiel für ein mit ganzseitigen Holzschnitten (siehe Druckgraphik und druckgraphisches Gestalten) bebildertes Buch für junge Leser ist Der Seele Trost (1478). Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts folgten Sachbücher, so der Orbis Pictus sensualium (1658) von Johann Amos Comenius, der viele Nachahmer fand, beispielsweise das Elementarwerk (1770-1774) von Johann Bernhard Basedow und Johann Christian Bertuchs Bilderbuch für Kinder (1792-1830). Seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden im Geist der Spätromantik vorwiegend illustrierte Märchen- und Sagenbücher, die zunächst für Erwachsene gedacht waren, sowie Werke mit Illustrationen zu Volksliedern und Kinderreimen. Neben diesen poetischen Bilderbüchern gab es in diesen Jahren auch Werke, die das bürgerliche Lebensideal im Stil der Genremalerei mit harmlosen Szenen des Alltagslebens propagierten. Die klassischen Bilderbücher Der Struwwelpeter (1845) von Heinrich Hoffmann, auch als erstes echtes Bilderbuch für Kleinkinder bezeichnet, und Max und Moritz (1865) von Wilhelm Busch kamen auf den Markt. Bedeutende Künstler dieser Epoche sind Hugo Bürkner, Fedor Flinzer, Theodor Hosemann, Wilhelm von Kaulbach, Julius Kleinmichel, Paul Konewka, Lothar Meggendorfer, Adolf Oberländer, Oscar Pletsch, Franz Graf von Pocci, Ludwig Richter, Moritz von Schwind, Otto Speckter, Gustav Süs und Hermann Vogel. Von großem Einfluss auf die Gestaltung deutscher Bilderbücher im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert waren die englischen Illustratoren, darunter John und Thomas Bewick, Randolph Caldecott, Walter Crane, George Cruikshank, Kate Greenaway, Helen Beatrix Potter, Arthur Rackham und John Tenniel. Ähnlich einflussreich waren auch die Franzosen Grandville und Gustav Doré.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert begannen Jugendstil und Kunsterziehungsbewegung die Bilderbuchproduktion entscheidend zu beeinflussen. Wichtige Vertreter dieser Zeit sind der Schweizer Ernst Kreidolf, die Schweden Elsa Beskow und Carl Olof Larsson sowie Sibylle von Olfers. Idealistisch-romantische „Heile-Welt”-Vorstellungen herrschten in der Zwischenkriegszeit vor. Das Bilderbuch dieser Epoche prägten vor allem Else Wenz-Viëtor, Gertrud Caspari, Elsa Eisgruber, Fritz Koch-Gotha (Häschenschule, 1924), Ernst Kutzer (In Sonne und Wind, 1929) und Walter Trier. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bildeten tendenziöse Bilderbücher, die von „Blut- und Boden-” oder Rassenideologie durchzogen waren, den Schwerpunkt (Trau keinem Fuchs auf grüner Heid, trau keinem Jud bei seinem Eid, 1936). Neben Nachdrucken von Werken aus der Zeit vor 1933 entstanden nach dem 2. Weltkrieg Publikationen der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Neue pädagogische und psychologische Aspekte sowie sozialkritische, zeitgeschichtliche, belehrende und komische Elemente flossen in die Bilderbücher ein. Gegenwärtig beherrschen zudem zahlreiche internationale Produktionen den Büchermarkt. Von den ausländischen Illustratoren erfreuen sich besonders Leo Lionni, Guillermo Mordillo, Maurice Sendak, Peter Sís und Tomi Ungerer in Deutschland großer Popularität. Wichtige deutsche Bilderbuchkünstler sind Quint Buchholz, Klaus Ensikat, Josef Hegenbarth, Egbert Herfurth, Janosch, Reinhard Michl, Luis Murschetz, Jürgen Spohn und Friedrich Karl Waechter, die teils auch ein großes Publikum im Ausland gefunden haben.

Umfangreiche Sammlungen von Bilderbüchern beherbergen die Internationale Jugendbibliothek in München und das Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt am Main. Siehe auch Bilderbogen, Comics und Karikatur.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft