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Blut und Boden

Enzyklopädieartikel

Blut und Boden, Propagandaformel, die auf der nationalsozialistischen Theorie basiert, dass ein „gesunder Staat” nur existieren könne auf der Grundlage der Einheit von reinem Blut (d. h. „Rasse”) und eigenem Boden. Der Begriff wurde erstmals verwendet von Oswald Spengler (in Der Untergang des Abendlandes, 1918-1922), seit den zwanziger Jahren in den so genannten Blut-und-Boden-Romanen verbreitet und besonders durch Richard Walter Darrés Buch Neuadel aus Blut und Boden (1930) popularisiert. Das „Bauerntum als Blutsquelle” des deutschen Volkes spielte bei der Umsetzung der Blut-und-Boden-Theorie in die Praxis eine zentrale Rolle. Das Reichserbhofgesetz vom September 1933 verwandelte zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe in so genannte Erbhöfe. Die Besitzer („Erbhofbauern”) durften den Erbhof nicht verkaufen und mussten ihn ungeteilt und unbelastet vererben, um die Verbindung von „Blut und Boden” im deutschen Bauerntum als existentiellen Bestandteil der Lebensfähigkeit von Volk und Staat zu sichern. Im 2. Weltkrieg stützte sich die nationalsozialistische Germanisierungspolitik auf die Blut-und-Boden-Theorie, um die Vertreibung und Vernichtung großer Teile der Landbevölkerung in Osteuropa zu rechtfertigen.

Der nationalsozialistische Staat sah in einer autarken Nahrungsmittelversorgung eine wichtige Voraussetzung für die Durchführung seines Expansions- und Kriegsprogramms. Ob die zum Reichsnährstand ernannten Bauern zu diesem Dienst in der Lage waren, erschien fraglich, da Konkurrenz, Steuerbelastung und Erbteilungen bereits während der Weimarer Republik zu einer so genannten Agrarkrise, bäuerlichem Elend und Radikalismus geführt hatten. Die zwangsweise Gleichschaltung der Bauern in der nationalsozialistischen Organisation Reichsbauernstand, die auch Produktion und Preise regulierte, sowie das Reichserbhofgesetz sollten den Bauern ermöglichen, ihre vorgesehene Aufgabe für den Staat zu erfüllen.

Die Beschaffung von „Arbeit und Brot” für das deutsche Volk war explizit nicht dafür gedacht, dieses mit materiellem Luxus zu verwöhnen, sondern sollte es dem nationalsozialistischen Staat ermöglichen, Deutschland zur Weltmacht zu führen. Der Beschaffung von ausreichendem Brot „mit dem Pfluge” diente die Eroberung von Boden „mit dem Schwerte”; die Lebensraum- und Bodenpolitik im Osten sah ein deutsches Wehrbauerntum als Herrenvolk vor.

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