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Windows Live® Suchergebnisse CharakterdramaEnzyklopädieartikel
Charakterdrama, Untergattung des Dramas, bei der die Handlung in entscheidender Weise durch die besonderen Eigenschaften eines Charakters bedingt ist. Zwar zählt bereits Aristoteles in seiner Poetik den Charakter (ethe) zu den sechs Elementen der Tragödie, doch hält er ihn im Gegensatz zur Handlung (mythos) für entbehrlich. Hier ist der Charakter durch die Handlung bedingt, nicht aber umgekehrt. Das Charakterdrama im eigentlichen Sinn existiert erst seit Beginn der Neuzeit, mit dem sich die Vorstellung von der Individualität des Menschen durchzusetzen begann. In der Charaktertragödie geht der Konflikt entweder aus einem inneren Zwiespalt des Helden oder aber aus einer oft durch Fehleinschätzung bedingten Auseinandersetzung mit seiner Umgebung hervor. Die Grenzen zwischen Charakter- und Schicksalstragödie sind im letzten Fall fließend. Beispiele für die Charaktertragödie sind William Shakespeares König Richard III (erste bezeugte Aufführung 1593, Erstdruck 1597), Hamlet (erste belegte Aufführung 1602), Othello (erste bezeugte Aufführung 1604) und König Lear (erste bezeugte Aufführung 1606, Erstdruck 1608) sowie Johann Wolfgang von Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (1773) und Egmont (1788). Anders als in der Charaktertragödie wird in der Charakterkomödie oft nur eine einzige, zumeist negativ besetzte Eigenschaft des Helden (wie beispielsweise Geiz, Heuchelei oder Größenwahn) hervorgehoben und in stark überzeichneter Form dargestellt. Unmittelbarer Vorläufer war hier die Typenkomödie. Die Konzentration des Geschehens auf die Entfaltung dieser Marotte unterscheidet die Charakterkomödie von dem meist verwickelten Handlungsgefüge der Intrigenkomödie. Zu den Musterbeispielen gehören vor allem Stücke Molières wie Der Tartuffe (Uraufführung der endgültigen Fassung 1669, erschienen 1669), Der Geizige (Uraufführung 1668), Der Bürger als Edelmann (Uraufführung 1670) und Der eingebildete Kranke (Uraufführung 1673).
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