Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "E. M. Cioran", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach E. M. Cioran |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse E. M. CioranEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
E. M. Cioran (1911-1995), rumänisch-französischer Philosoph und Schriftsteller. In seinen Werken vertrat er einen radikalen Skeptizismus. Emil Mihai (französisch Émile Michel) Cioran wurde am 8. April 1911 in einem kleinen Dorf südlich von Hermannstadt (Sibiu) als Sohn eines griechisch-orthodoxen Geistlichen und einer Adligen geboren. Nach einer glücklichen Kindheit im Haus seiner Großmutter in Siebenbürgen, wohin die rumänischstämmige Familie aus Ungarn vertrieben worden war, besuchte Cioran von 1920 bis 1928 eine Privatschule in Hermannstadt. Im Mittelpunkt seiner philosophischen Interessen standen zunächst deutsche Philosophen wie Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche. Früh bekannte er sich zum Agnostizismus und empfand, wie er es ausdrückte, ein tiefes „Unbehagen in der Existenz”. 17-jährig immatrikulierte er sich 1928 an der Universität Bukarest, wo er bis 1931 Philosophie studierte. Im Lauf seines Studiums wurde er insbesondere durch die Lektüre von Georg Simmel, Ludwig Klages und Martin Heidegger beeinflusst. Prägend wird weiterhin das Werk des russischen Philosophen Leo Schestow, der den Zufall in den Mittelpunkt seines Denkens stellte. 1932 schrieb Cioran eine Examensarbeit über den Intuitionismus Henri Bergsons. 1933 ermöglichte ihm ein Stipendium, seine philosophischen Studien in Berlin fortzusetzen, wo er Nicolai Hartmann und Ludwig Klages begegnete. 1937 zog er als Stipendiat nach Paris, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1995 als freier Schriftsteller lebte. Zu seinen Freunden zählten vor allem Exil-Rumänen wie die Schriftsteller Eugène Ionesco und Paul Celan sowie der Religionsphilosoph Mircea Eliade. 1994 wurde der seit etwa 1990 schwer kranke Cioran in ein Hospital eingeliefert, in dem er am 20. Juni 1995 verstarb.
Cioran gilt als einer der radikalsten Nihilisten und schärfsten Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts. Beeinflusst von so verschiedenen Traditionen wie der Mystik, dem Skeptizismus, der Existenzphilosophie sowie dem literarischen Werk Franz Kafkas interpretierte er den Menschen als Unfall der Natur. Unter Vorwegnahme zentraler Gedanken Albert Camus’ und Jean-Paul Sartres betonte Cioran schon früh die Absurdität des menschlichen Lebens. „Der Zerfall waltet allen Gesetzen des Lebens vor.” Alles Denken beruhe letztlich im körperhaften und subjektiven Erleben des Denkenden. Philosophische Systeme hätten ihre Wurzeln in den je spezifischen Krankheiten ihrer Autoren. Cioran bediente sich vor allem der Darstellungsform des Aphorismus: „Den Aphorismus kultivieren nur diejenigen, die das Bangen inmitten der Worte kennen gelernt haben, jenes Bangen, mit allen Worten zusammen einzustürzen.” Wie zuvor Friedrich Nietzsche und zu seiner Zeit Georges Bataille versuchte Cioran sich selbst als zufälliges, von irrationalen Motiven und persönlichen Empfindlichkeiten bewegtes Subjekt in seine Philosophie einzubringen: „Ich weide mich an dem Gedanken, dem ein Duft von Blut und Fleisch anhaftet, und ziehe einer leeren Abstraktion einen Gedankengang vor, der einer sexuellen Aufwallung oder einer nervlichen Depression entsprießt.” Eine Entlastung von der allumfassenden Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz gewähre allenfalls die Möglichkeit des Selbstmordes oder – in diesem Punkt blieb Cioran der Philosophie Schopenhauers treu – die der Kunst, insbesondere der Musik. Wichtige Werke Ciorans sind Pe culmile disperarii (1934; Auf den Gipfeln der Verzweiflung, 1989), Cartea amagirilor (1936; Das Buch der Täuschungen, 1990), Précis de décomposition (1949; Lehre vom Zerfall, 1978), Histoire et utopie (1960; Geschichte und Utopie, 1965) sowie De l’inconvénient d’être né (1973; Vom Nachteil geboren zu sein, 1979).
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |