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Artikelgliederung
Computerlinguistik, interdisziplinäres Forschungsgebiet zwischen Linguistik und Informatik. Man unterscheidet zwischen theoretischer und praktischer Computerlinguistik, wobei die Übergänge jedoch fließend sind.
Zentrales Betätigungsfeld der theoretischen Computerlinguistik ist die Überprüfung vorhandener Sprachbeschreibungen, also die Analyse vorhandener Grammatiken. Diese müssen gegebenenfalls so verändert werden, dass berechenbare Kategorien entstehen. Erforderlich sind solche Regelsysteme, die mit formalen (mathematischen) Methoden beschreiben, wie Sprachen aufgebaut sind, d. h., aus welchen Grundeinheiten sie bestehen und wie diese Einheiten miteinander kombiniert werden (formale Grammatiken). Beispiel: Der Mann sieht eine schöne Frau. Ein möglicher erster Ansatz einer syntaktischen Analyse ist: S NP + VP: Der Mann + sieht eine schöne Frau NP ART + N: der + Mann VP V + NP: sieht + eine schöne Frau NP ART + ADJ + N: eine + schöne + Frau (S: Satz; NP: Nominalphrase; VP: Verbalphrase; ART: Artikel; N: Nomen; V: Verb; ADJ: Adjektiv) In gleicher Weise werden verschiedene semantische Repräsentationen von Ausdrücken betrachtet und die berechenbaren Zusammenhänge zwischen syntaktischen und semantischen Strukturen untersucht. Hauptaufgabe der theoretischen Computerlinguistik ist also die Ausarbeitung von Grammatikformalismen, die genaue, von Einzelsprachen unabhängige Beschreibungen von Morphologie, Syntax und Semantik erlauben.
Maßgebliches Ziel der praktischen Computerlinguistik ist es, das vorhandene sprachliche Wissen – nachdem es in der theoretischen Computerlinguistik formalisiert wurde – in eine Form zu bringen, die der Computer verstehen kann. Als primäre Aufgaben und Anwendungsgebiete der praktischen Computerlinguistik sind zu nennen: Maschinelle Erfassung von Wortschatz, Entwicklung von Algorithmen für die automatische syntaktische Analyse, Einsatz bei statistischen Untersuchungen (mittels des Computers ist es möglich, große Textmengen mit größter Exaktheit zu analysieren, um so z. B. Wortlisten oder Wort-Häufigkeitslisten zu erstellen), Realisierung der akustischen Sprachein- und -ausgabe sowie Formalisierung von Weltwissen. Ohne Weltwissen sind Äußerungen häufig unverständlich. Beispiel: Michaela möchte eine Pizza. Sie öffnet den Gefrierschrank. Michaela möchte eine Pizza. Sie greift zum Telefon. Unser Weltwissen sagt uns im ersten Fall, dass sich Michaela eine Pizza aus dem Gefrierschrank nimmt, um sie aufzubacken, und im zweiten Fall, dass sie wahrscheinlich den Pizza-Dienst anruft, um sich eine Pizza zu bestellen. Die Frage ist, wie man dieses Wissen an den Computer weitergeben kann. Formalisierung von Logik: Mit Hilfe der Logik lassen sich Dinge erschließen. Beispiel: Fische können schwimmen. Der Barsch ist ein Fisch. Der Barsch kann schwimmen. Auch hier stellt sich das Problem, wie man dieses Wissen dem Computer vermitteln kann. Für das alltägliche Leben stehen zwei Bereiche im Vordergrund: so genannte Frage-und-Antwort-Systeme und die maschinelle Übersetzung. Frage-und-Antwort-Systeme dienen vorwiegend als „Informanten”, z. B. im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel (Abfahrtszeiten, Ankunftszeiten, Zwischenstops, Preise, Alternativen etc.). Wirtschaftliche Interessen haben in den letzten Jahren die Notwendigkeit maschineller Übersetzungen in den Vordergrund treten lassen. Dabei denkt man nicht an die Übersetzung von literarischen Texten, sondern an die Übersetzung von Gebrauchstexten, wie Bedienungsanleitungen, Wetterberichten und Nachrichten. Man erhofft sich durch die schnelle Übersetzung von z. B. Gebrauchsanweisungen für technische Geräte bessere Exportchancen. Das Vorgehen eines Übersetzungssystems kann folgendermaßen skizziert werden: 1. Der Originaltext wird analysiert und in eine formale Sprache „übersetzt”. 2. Dieser Text wird dann für die besonderen Gegebenheiten der Zielsprache umgewandelt. 3. Aus diesem so bearbeiteten Text wird dann der Zielsprachentext generiert. Ob es innerhalb der nächsten Jahre Übersetzungssysteme geben wird, die automatisch und mit zufrieden stellender Qualität ihre Arbeit ausführen, ist nicht zu sagen. Die vorhandenen Systeme sind in Bezug auf die Sprachenauswahl sehr eingeschränkt und erfordern in der Regel eine Überarbeitung der Übersetzung durch den Menschen.
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