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Windows Live® Suchergebnisse Dialektischer MaterialismusEnzyklopädieartikel
Dialektischer Materialismus, philosophische Basis der kommunistischen Weltanschauung, die 1938 von Stalin als Diamat (Akronym aus Dialektischer Materialismus) zur Staatsdoktrin für die Länder des real existierenden Sozialismus erhoben wurde. Die Zusammenführung der Begriffe Dialektik und Materialismus zu einem Begriff geht nicht auf Marx oder Engels zurück. Beide verwendeten diese Begriffe zwar separat, aber nie in Verbindung, um ihre Weltanschauung zu verdeutlichen. Der dialektische Materialismus als eigenständiger Begriff taucht erstmals 1887 in dem Buch Streifzüge eines Sozialisten in das Gebiet der Erkenntnistheorie von J. Dietzgen auf und sollte die Weltanschauung der damaligen Sozialdemokratie kennzeichnen. Eingang in den Sprachgebrauch der marxistisch-leninistischen Parteien fand der Begriff durch Lenin, der den dialektischen Materialismus als die „wirkliche Philosophie des Marxismus” bezeichnete. Da sich die Begriffe Dialektik und Materialismus schon einzeln einer letztgültigen Definition entziehen, herrscht nicht nur unter marxistischen Philosophen seit einem Jahrhundert Streit darüber, was diese beiden Begriffe zusammen bedeuten sollen. Unstrittig ist, dass der Begriff der Dialektik in diesem Zusammenhang auf eine Kritik von Marx und Engels an Hegel zurückgeht. Die von Hegel erarbeiteten dialektischen Grundgesetze lauten: Umschlag von Quantität in Qualität, gegenseitiges Durchdringen von polaren Gegensätzen und Negation der Negation als Grundprinzip aller Entwicklung. Vereinfacht ausgedrückt bezieht sich die Kritik von Marx nur auf den dritten Punkt, die Negation der Negation. Dem Widerspruch als Grundprinzip der Entwicklung wird ausdrücklich zugestimmt, der konkrete Inhalt der Negation der Negation wird allerdings kritisiert: Bei Hegel besteht die letzte Stufe dieser doppelten Negation darin, dass der absolute Geist nach seiner Entäußerung (Negation) in die Welt zu sich zurückkehrt (Negation der Negation). Dieser ultimative Kern des Idealismus wird von Marx und Engels abgelehnt. Die Welt besteht ihrer Ansicht nach nicht zuerst aus Geist bzw. Gott, sondern aus Natur/Materie. Marx und Engels sind Materialisten, weil sie die Priorität von Natur und Materie über Geist und Bewusstsein voraussetzen. Die konkrete Ausformulierung und Anwendung ihres Materialismus geht allerdings dialektisch vonstatten. Mit demselben Recht könnte man daher den Marxismus als materialistische Dialektik bezeichnen: Der Mensch in seiner Natur und Gesellschaft lässt sich als Resultat von geschichtlichen Widersprüchen nur begreifen als konkreter Mensch in konkreten Verhältnissen. Der dialektische Materialismus ist nach marxistischer Lesart die Aufhebung des alten philosophischen Streits zwischen Idealismus und Materialismus um die Frage, ob das Bewusstsein das Sein oder das Sein das Bewusstsein bestimme: Dass die Natur Priorität vor dem Bewusstsein habe, bedeutet in dieser abstrakten Form der Aussage alles und gar nichts. Erkennbar und konkretisierbar ist diese Tatsache nur von einem Bewusstsein, von Menschen, die sich ihres Wesens als Naturwesen bewusst sind. Dieser Kern der marxistischen Weltanschauung wurde 1938 von Stalin ausgelöscht, als er den Diamat zur offiziellen Parteidoktrin erhob und den dialektischen Materialismus auf ein mechanistisches Gesetz über Widersprüche reduzierte: Die Welt entwickele sich aus widersprüchlichen Prozessen, im Kampf dieser Widersprüche sei der Diamat als einzige Doktrin in der Lage, diese Widersprüche zu begreifen und die Wahrheit über sie auszusprechen. Den konkreten Einzelfall entscheide jeweils die Partei und deren Führung. Das dem dialektischen Materialismus innewohnende Prinzip der bewussten Veränderung der Welt durch die bewusste Selbstveränderung der Menschen wurde damit negiert.
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