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Einsatzgruppen

Enzyklopädieartikel

Einsatzgruppen, im nationalsozialistischen Deutschland Sondereinheiten der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD) der SS, die während des 2. Weltkrieges besonders im Zuge des Angriffskrieges gegen die Sowjetunion systematische Massenerschießungen von vermeintlich „reichs- und deutschfeindlichen Elementen hinter den Linien der kämpfenden Truppe” durchführten.

Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei waren bereits bei der Besetzung Österreichs im Rahmen des Anschlusses (März 1938), bei der Besetzung des Sudetenlandes (Oktober 1938) und der Resttschechoslowakei (März 1939, hier erstmals als „Einsatzgruppen”) aktiv. Als Kommandos mit Ad-hoc-Aufträgen erfüllten sie in den besetzten Gebieten „Sonderaufgaben im Auftrag des Führers”, zumeist Verhaftungen von Juden und Oppositionellen. Kurz vor dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 wurden sechs mit römischen Ziffern durchnummerierte, jeweils 600 bis 900 Mann starke Einsatzgruppen gebildet, ferner eine „Einsatzgruppe zur besonderen Verfügung”. Obwohl nunmehr offiziell der Wehrmacht unterstellt, handelten die Einsatzgruppen in Polen weitgehend selbständig; sie ermordeten zahlreiche Vertreter der polnischen Intelligenz, gemäß Hitlers Ziel, Polen als Staat und Nation zu zerschlagen. Die „Einsatzgruppe zur besonderen Verfügung” führte daneben erstmals Massenerschießungen an Juden durch. Nach Abschluss des Polenfeldzuges wurden die Einsatzgruppen im November 1939 zunächst aufgelöst und der neuen Zivilverwaltung in Polen als Polizeikräfte zugeteilt.

Der von Beginn an als Vernichtungskrieg geführte Überfall auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) markierte die Umwandlung der Einsatzgruppen in reine Mordkommandos. Jede der vier Heeresgruppen der Wehrmacht erhielt eine Einsatzgruppe zugeteilt, insgesamt etwa 3 000 Mann, deren Aufgabe es war, hinter der Front vor allem kommunistische Funktionäre, Saboteure, Partisanen, Roma und Juden zu liquidieren. In so genannten „Ereignismeldungen” übermittelten die Einsatzgruppen dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die Anzahl der von ihnen ermordeten Menschen; allein zwischen Juni 1941 und April 1942 waren es mindestens 560 000. Die Tötung von Frauen und Kindern, also nicht mehr nur wehrfähiger Männer, u. a. durch Gaswagen, bedeutete den Übergang zur so genannten Endlösung als dem umfassenden Massen- und Völkermord. Später gebildete Einsatzgruppen auf dem Balkan, in der Slowakei und Rumänien organisierten den Transport von Juden ins Vernichtungslager Auschwitz. Zur Verwischung der Mordaktionen vor der anrückenden Sowjetarmee öffnete das Sonderkommando 1005 ab 1943 zahlreiche Massengräber und verbrannte die Leichen. In den Nürnberger Prozessen wurden die Einsatzgruppen zusammen mit der SS 1946 zu verbrecherischen Organisationen erklärt.

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